Männer geben Glasfaser-Sabotage und Zugbremsen in Rheinfelden AG zu

Keystone-SDA
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Fricktal,

Die Beschuldigten im Prozess von Rheinfelden AG haben das Glasfaserkabel Ende Dezember 2023 nach eigenen Angaben aus Adrenalinkick durchgeschnitten. Das sagte einer der Hauptangeklagten am Montag im «Wolfsrudel»-Fall vor dem Bezirksgericht der Kleinstadt im Aargau.

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Der Hammer eines Richters. (Symbolbild) - Pixabay

Am Abend des ersten Prozesstages am Bezirksgericht Rheinfelden AG im Fall gegen eine Gruppe Aargauer ist es doch noch zu Befragungen gekommen. Die Angeklagten mussten sich wegen mutmasslicher Glasfaser-Sabotage und der Störung des öffentlichen Verkehrs verantworten.

Die drei Hauptbeschuldigten gaben zu, Ende Dezember 2023 an zwei Orten in Rheinfelden im Aargau Glasfaserkabel durchgeschnitten beziehungsweise die Aktion aus der Ferne angeleitet zu haben. Tausende Kunden waren in der Folge offline.

Der vierte Beschuldigte gab vor Gericht an, nicht Teil der Aktion gewesen zu sein. Zwei Angeklagte sagten jedoch aus, der Nebenangeklagte sei dabei gewesen.

Als Gründe gaben die Beschuldigten neben dem Adrenalinkick die Bestätigung innerhalb der Freundesgruppe an. Der Beschuldigte, der das Kabel durchgeschnitten haben soll, sagte ausserdem aus, er habe dies getan, um den beiden anderen Hauptbeschuldigten ein Alibi zu verschaffen. Diese beiden hätten zu diesem Zeitpunkt in den Ferien geweilt und schon zuvor Glasfaserkabel zerschnitten.

Weiter soll die Gruppe im September 2023 zwei Hemmschuhe auf Bahngeleise zwischen Möhlin und Rheinfelden gelegt und damit die Entgleisung von Zügen in Kauf genommen haben. Alle vier Angeklagten gaben zu, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein. Die Idee sei jedoch gewesen, die Züge zu verlangsamen oder zu stoppen, was auch passierte. Als Grund gab die Gruppe auch hier wieder den Adrenalinkick an.

Niemand der Gruppe habe damit gerechnet, dass ein Zug entgleisen könnte. Das sagten alle vier unisono. «Ich hätte nie mitgemacht, wenn ich gewusst hätte, dass Menschen in Gefahr geraten könnten», erläuterte einer der Hauptangeklagten. «Da wäre sogar ich ausgestiegen.»

Ein anderer sagte, er sei froh, sei nichts passiert. Der Nebenangeklagte gab vor Gericht an, er habe sich nach der Aktion vor sich selbst geekelt. Auch die anderen Beschuldigten zeigten Reue.

Wer die Hemmschuhe getragen und diese an den Geleisen befestigt haben soll, darüber waren sich die Beschuldigten aber uneinig.

Der fünfte Angeklagte, dem nur ein Delikt zur Last gelegt wird, gab sich am ersten Prozesstag wortkarg. Er soll bei einem Einschleichdiebstahl im August 2023 das Auto gefahren haben. Der Angeklagte verweigerte jedoch die Aussage.

Die Verhandlung dauerte am Montag bis kurz vor 20 Uhr. Denn der Rechtsanwalt des einen Hauptbeschuldigten referierte am Morgen mehr als drei Stunden zum Thema Vorbemerkungen. Er kritisierte unter anderem die Beweisführung von Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei. Beide Behörden hätten Beweise manipuliert oder gelöscht. Die Staatsanwaltschaft wies sämtliche Vorwürfe deutlich von sich.

Das Interesse am Gerichtsfall ist gross. Daher findet die sieben- bis achttägige Verhandlung im Saal des Feuerwehrmagazins in Rheinfelden statt und nicht im Gerichtsgebäude.

Einer der Hauptbeschuldigten erschien vor Gericht mit Kappe, Sonnenbrille und Mundschutz. Er sowie ein weiterer junger Mann trugen Fussfesseln und Handschellen, mehrere Polizisten begleiteten sie. Einer der beiden Hauptbeschuldigten befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug, einer in Sicherheitshaft.

Die Gruppe, die sich in ihrem Whatsapp-Chat «Wolfsrudel» nannte, soll zahlreiche weitere Delikte verübt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern auch Cyberangriffe, gewerbsmässigen und bandenmässigen Diebstahl sowie mehrfache teils versuchte Brandstiftung und mehrfache versuchte Erpressung vor.

Die Gruppe soll mit den Taten rund 50'000 Franken erbeutet und einen Sachschaden von 400'000 Franken angerichtet haben. Alle Männer sind heute zwischen 20 und 21 Jahre alt.

Die Ermittlungen ergaben nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine politischen oder extremistischen Motive. Es habe sich «um eine sich selbst verstärkende Gruppendynamik gehandelt».

Der Prozess geht am Mittwoch weiter.

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