Zofingen

«Radio Mikrowälle»: Dieser Rothrister hat seinen eigenen Radiosender

Joel Dreier
Joel Dreier

Zofingen,

Jamaine Paul-Haenni hat in Rothrist seinen eigenen Radiosender aufgebaut. Dahinter steckt ein technisches Unikum und eine besondere Geschichte.

"Radio Mikrowälle 531" ist auf UKW 87.50 oder 031 508 01 74 empfangbar.
«Radio Mikrowälle 531» ist auf UKW 87.50 oder 031 508 01 74 empfangbar. - Joel Dreier

Wer die Schwelle zu Jamaines Zimmer überschreitet, betritt nicht nur dessen Räumlichkeiten, sondern taucht auch in eine andere Welt ein: Am Boden seines Raumes reihen sich Steckerleisten, aus denen sich unzählige Kabelbündel winden und in alle Richtungen davonziehen.

Adern, die den zahlreichen Geräten im Raum ihr Leben einhauchen: Computer verschiedenster Generationen türmen sich neben unzähligen Telefonanlagen, dazwischen verstecken sich technische Relikte vergangener Jahrzehnte wie ein Minitel und ein CRT-Röhrenmonitor.

Es ist eine Anlage, deren Logik sich wohl nur ihrem Schöpfer erschliesst und die ein wahrscheinlich einzigartiges Projekt am Laufen halten: Just in diesem Moment sind, über das Surren der elektronischen Komponenten hinweg, die Chansons der Berner Troubadours zu hören.

Bilschirm
Auf seinem gelben CRT-Bilschirm verwaltet Jamaine per Linux seine Musik-Downloads. - Joel Dreier

Nicht etwa via Spotify-Playlist oder SRF Musikwelle empfangen, nein, gesendet über seinen eigenen Radiosender «Radio Mikrowälle 531», welcher rund um den Raum Rothrist sendet.

Ein Tüftler, wie er im Buche steht

Die Faszination für Technik begleitet Jamaine schon seit Kindesbeinen. Bereits mit vier Jahren schleicht er sich, gelangweilt von der Einschulung seines Bruders, davon und entdeckt einen Drucker. Dort druckt er sein erstes A3-Blatt – der Beginn einer Leidenschaft, die ihn bis heute nicht mehr loslässt.

In der Folge tüftelt und baut er an allem, was über einen Stromeingang verfügt: Er lötet Handys um und beginnt mit dem Amateurfunk. 2019 richtet er sich in einem Luftschutzbunker ein, den er «Telnet–Bunker» nennt, und vermittelt von dort aus Telefonanrufe.

Die schlechte Verbindung im Bunkerinneren weiss Jamaine geschickt auszugleichen: Er führt eine Antenne durch einen Lüftungsschacht nach draussen. Von dort stammt auch der Claim seines heute in «Fernsprechbunker» umbenannten Leidenschaftsprojekts: «Ou im Bunker hei mir di beschti Verbinding.»

Ein langjähriges Leidenschaftsprojekt

Die Leidenschaft und das Wissen für den Amateurfunk gipfeln nun in seinem neuesten Projekt: dem «Radio Mikrowälle 531».

Hörst du gerne Radio?

Auf UKW-Frequenz 87.50 oder unter der Nummer 031 508 01 74 können Hörerinnen und Hörer im Raum Rothrist rund um die Uhr die Hits der 70er-, 80er- und 90er-Jahre empfangen.

Von den Berner Troubadours um Jacob Stickelberger und Mani Matter über Oli Kehrli bis hin zur Country-Legende Johnny Cash ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dabei handelt es sich um ein reines Musikradio – nur ab und zu moderiert Jamaine einen kleinen Break zwischen den Stücken.

24/7 mit Radio beschäftigt

Der 24-Stunden-Betrieb fordert ihm dabei so einiges ab. «Eine Panne kommt immer wieder vor», erzählt Jamaine. Zum Beispiel, wenn die Aux-Kabel mal wieder spinnen und Störsignale verursachen.

Das technische «Gehirn» hinter "Radio Mikrowälle 531". Bild: Joel Dreier
Das technische «Gehirn» hinter «Radio Mikrowälle 531». - Joel Dreier

Doch für einen Tüftler wie ihn ist das Problem schnell wieder unter Kontrolle. Und natürlich: «Wenn ich im Coop oder in der Werkstatt bin, höre ich selbstverständlich mein Radio.» Über eine Sendeunterbrechung ist er sich so sofort im Klaren.

Das Ziel für Jamaine ist klar: eine Konzession für sein Radio zu erhalten und mit einer leistungsstarken Anlage die ganze Schweiz zu bespielen. Bis dahin bleibt sein Zimmer in der Borna das, was es längst ist: eine kleine Sendeanstalt, betrieben von einem einzigartigen Tüftler, der nie ganz abschaltet.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.

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