Zofingen

Streunende Katzen bei Chindsgi – Einfangen sorgt für Zoff

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zofingen,

Netap durfte an einer Aargauer Schule tagsüber keine Katzeneinfang-Aktion durchführen. Die Tierschützerin hätte von Pädagogen ein anderes Verhalten erwartet.

Katzen
Die Tierschutzorganisation Netap fing beim Kindergarten der Schule Strengelbach kürzlich eine streunende Katzenmutter mit vier jungen Kätzchen ein. - Netap

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Katzenmutter mit Jungen hatte sich bei einem Aargauer Kindergarten angesiedelt.
  • Die Schule gestattete die Einfang-Aktion der Tierschutzorganisation Netap nur nachts.
  • Die Rettung von Katzen sei offenbar pädagogisch störend, kritisiert die Tierschützerin.

Für eine Katzen-Einfangaktion mussten zwei Freiwillige der Tierschutzorganisation Netap zwei Nachtschichten einlegen. Eine Katzenmutter mit vier jungen Kätzchen hatte sich beim Kindergarten der Aargauer Schule Strengelbach angesiedelt.

«Uns erschüttert, dass die Rettung von Katzen offenbar pädagogisch störend ist», sagt Netap-Präsidentin Esther Geisser zu Nau.ch. Die Schulleiterin habe es ihnen untersagt, die Katzen tagsüber einzufangen. «Sie begründete dies damit, dass dies die Kinder belasten und den Betrieb stören könnte.»

«Betrieb nicht weiter stören»

Das Schreiben der Schulleiterin liegt der Redaktion vor. Darin stellt sie die Bedingung, die Fallen um spätestens viertel vor acht Uhr morgens wieder weggeräumt zu haben.

Die Freiwillige von Netap stellte die Fallen deshalb am Abend auf. Sie sind mit einer Kamera ausgestattet. Per App geben sie den Tierschützern ein Signal, sobald eine Katze in der Falle ist.

«In der Nacht konnten wir nur zwei Kitten sichern», sagt Esther Geisser. Deshalb habe die Freiwillige die Schulleiterin nach einer weiteren Gelegenheit gefragt.

Sind Lehrpersonen zu wenig flexibel für spontane Lerninhalte?

Die Schulleiterin machte darauf aufmerksam, dass am Folgetag Unterricht bis 12 Uhr sei. Danach sollten keine Kinder mehr auf dem Areal sein, schrieb sie im E-Mail weiter. «Es ist möglich, dass noch Elterngespräche stattfinden am Nachmittag.» Daher bitte sie die Freiwillige, möglichst ruhig zu handeln.

«Ich bitte Sie höflich, den Betrieb nicht weiter zu stören», schrieb die Schulleiterin am Ende. Genauso wie sich die Freiwillige für die Tiere einsetzte, setzte sie sich für die Kinder und die Mitarbeitenden ein.

Schulleitung habe Chance verpasst

Erneut stellte die Freiwillige die Fallen am Abend auf. «Glücklicherweise gingen die Katzenmutter und die restlichen Kitten bereits vor Mitternacht in die Falle», sagt Esther Geisser.

Die Tierschützerin hätte von der Schulleiterin ein anderes Verhalten erwartet. «Die Kindergärtnerin hätte doch die Gelegenheit nutzen können, um den Kindern zu erklären, was hier passiert», sagt Geisser.

Stattdessen sei Netap herablassend behandelt worden und Freiwillige hätten sich zwei Nächte um die Ohren schlagen müssen. «Dabei ist die Tierschutzarbeit, in die wir unsere gesamte Freizeit investieren, schon belastend genug», sagt Geisser.

Die Netap-Präsidentin schilderte den Fall kürzlich auch in einem Facebook-Post. In den rund 250 Kommentaren kritisieren zahlreiche Userinnen das Vorgehen der Schule. Sie sind der Meinung, dass die Schulleitung die Chance verpasst habe, einen pädagogisch wertvollen Beitrag zu leisten.

«Kinder sehen heute stundenlang jede Menge verstörenden Quatsch auf TikTok und Co.», schreibt eine Userin. «Aber der Tierschutz mit einer Katzenfalle wäre zu viel…»

«Hätte viel Vorbereitungszeit gebraucht»

Steine wollte die Schule Netap nicht in den Weg legen. Die Schule habe die Aktion unterstützt, sagt Cornelia Grossniklaus, Schulleiterin des Kindergartens und der Primarschule Strengelbach. «Es ist wichtig, dass die Katzenfamilie geschützt wird.»

Sie hätten den Kindergartenbetrieb jedoch sicher und ruhig weiterführen wollen. «Während des Schulbetriebs waren zahlreiche zivile Personen auf dem Areal.» Diese hätten für Aufruhr sorgen können, hätten sie die Einfangaktion tagsüber gestattet.

Katzen
Userinnen sind in den Kommentaren der Meinung, dass die Schulleitung die Chance verpasst habe, einen pädagogisch wertvollen Beitrag zu leisten. - keystone

«Wir bedauern, dass sich die Freiwilligen in dieser anspruchsvollen Situation nicht von uns unterstützt fühlten», sagt Grossniklaus.

Sie stimmt zu, dass die Einfangaktion ein pädagogisch wertvolles Thema sei. «Das Thema hätte jedoch viel Vorbereitungszeit gebraucht. Man kann bei Kindergartenkindern nichts aus dem Ärmel schütteln.»

Grossniklaus hat noch bei den Lehrpersonen nachgefragt. Sie könne bestätigen, dass diese die Katzen auf dem Kindergartenareal im Rahmen der Möglichkeiten thematisiert und im Unterricht eingebaut hätten.

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