Muri: Info zu Schliessung der Geburtshilfe kam «überraschend»

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Oberes Freiamt,

Die Gemeinde Muri nimmt Stellung zur Schliessung der Geburtshilfe im Spital Muri. Die Nachricht sei überraschend gekommen und werfe zahlreiche Fragen auf.

Die Gemeindekanzlei in Muri AG.
Die Gemeindekanzlei in Muri AG. - Nau.ch / Simone Imhof

Wie die Gemeinde Muri schreibt, ist die Schliessung der Geburtshilfe im Spital Muri per Ende 2025 ein schwerwiegender Einschnitt in die regionale Gesundheitsversorgung.

Die Gemeinde Muri bedauert diesen Schritt und stellt sich die Frage, wie eine nachhaltige medizinische Grundversorgung, die auch die Bedürfnisse werdender Mütter berücksichtigt, in der Region langfristig sichergestellt werden kann.

Tiefgreifender Einschnitt in die regionale Gesundheitsversorgung

Die Gemeinde Muri nimmt mit Bedauern zur Kenntnis, dass die Geburtshilfe im Spital Muri per Ende 2025 geschlossen wird. Dieser Entscheid stellt einen tiefgreifenden Einschnitt in die regionale Gesundheitsversorgung dar und löst in der Bevölkerung grosse Betroffenheit aus.

Die Schliessung der Geburtenabteilung ist nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung des Spitals, sondern macht auch die strukturellen Defizite des Schweizer Gesundheitswesens deutlich: Spitäler stehen unter starkem Kostendruck, müssen wirtschaftlich arbeiten, können aber viele Leistungen nicht kostendeckend abrechnen.

Besonders kleinere Häuser können dadurch in eine Schieflage geraten. In der Geburtshilfe stellt zudem eine zu geringe Anzahl an Geburten ein Risiko für die medizinische Qualität und Patientensicherheit dar.

Eine wirtschaftlich tragfähige Lösung war notwendig

Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger bedauert die Schliessung und den Wegfall eines zentralen Versorgungsangebots in der Region.

«Es ist schade, dass es nicht gelungen ist, die Geburtshilfe in Muri trotz wirtschaftlichen Drucks zu erhalten. Ich hoffe, dass dieser Schritt dazu beiträgt, das Spital Muri als wichtigen medizinischen Grundversorger zu stabilisieren und insbesondere die Notfallversorgung nachhaltig abzusichern.

Die Spitalleitung hat diese Entscheidung sicher nicht leichtfertig getroffen und ich vertraue darauf, dass sie die richtigen Weichen stellt, um den Fortbestand als einen der grössten Arbeitgeber und wichtigsten medizinischen Grundversorger in unserer Region langfristig zu sichern.»

Daniel Räber: «Lieber wirtschaftlich stabil als existenzielle Krise»

Auch Daniel Räber, Gemeinderat und Ressortvorsteher Gesellschaft, Gesundheit und Soziales, sieht die Schliessung mit gemischten Gefühlen. «Ich bin selbst im Spital Muri geboren und hätte mir gewünscht, dass die Geburtshilfe erhalten bleibt. Gleichzeitig erkenne ich, dass die Spitalleitung eine schwierige, aber notwendige Entscheidung getroffen hat.

In meinem Berufsleben habe ich oft beobachtet, wie strategische Krisen zu Liquiditätsproblemen und letztlich zur Insolvenz führten. Ein Spital, das dauerhaft defizitäre Angebote weiterführt, riskiert genau das. Mir ist ein wirtschaftlich stabiles Spital Muri lieber als eines, das in eine existenzielle Krise gerät.»

Langfristige Folgen für die Region

Die Schliessung der Geburtenabteilung bedeutet für werdende Mütter längere Anfahrtswege, insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch die nahen Geburtsabteilungen in Affoltern am Albis und Cham bereits geschlossen wurden oder bald schliessen werden. Dies ist für die Bevölkerung ein spürbarer Verlust und bringt Unsicherheiten mit sich.

Gleichzeitig muss das Augenmerk auf die Weiterentwicklung des Spitals gelegt werden. Der geplante Ausbau der Akutgeriatrie ist angesichts der demografischen Entwicklung ein wichtiger Schritt.

Während die Geburtenzahlen rückläufig sind, wird sich die Anzahl der über 80-Jährigen in den nächsten 15 Jahren nahezu verdreifachen. Die medizinische Versorgung älterer Menschen gewinnt damit zunehmend an Bedeutung.

Auch für die Gemeindeverwaltung Muri hat die Schliessung direkte Auswirkungen. Das Regionale Zivilstandsamt Muri, das für die Beurkundung von Geburten im Spital Muri zuständig ist, wird mit deutlich weniger Geburtsmeldungen konfrontiert sein. Dies könnte langfristig Auswirkungen auf die Struktur und den Arbeitsaufwand der Abteilung haben.

Dringender Reformbedarf im Gesundheitswesen – Offene Fragen und regionaler Austausch

Die Situation in Muri verdeutlicht exemplarisch die Herausforderungen, vor denen das Schweizer Gesundheitssystem steht. Spitäler müssen wirtschaftlich tragfähig bleiben, ohne dass essenzielle Leistungen gestrichen werden.

Auch für die Gemeinde Muri kam die Nachricht von der Schliessung der Geburtshilfe im Spital Muri überraschend und wirft zahlreiche Fragen auf – nicht nur für Muri, sondern für die gesamte Region.

Wie Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger betont, beschäftigen sich auch andere Gemeinden und Behörden derzeit intensiv mit den offenen Fragen und deren Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung. Die Gemeinde Muri wird sich aktiv in den Dialog einbringen, um gemeinsam mit den anderen betroffenen Gemeinden offene Punkte zu klären.

Der Austausch mit dem Spital Muri, den kantonalen Gesundheitsbehörden und weiteren relevanten Akteuren ist entscheidend, um die Situation besser zu verstehen, die langfristigen Folgen für die Region zu erkennen und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren.

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