Aargauer Regierungsrat will Gefängnis-Rebberg in Lenzburg sanieren

Der Aargauer Regierungsrat hat die Kritik aus der Politik am staatlichen Weinbau der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg zurückgewiesen. Der Kanton will den Rebberg am Goffersberg für 650'000 Franken sanieren. Der Bund übernimmt 35 Prozent der Baukosten.

Die Terrassen hätten sich in den letzten Jahren stark zu neigen begonnen, schreibt der Regierungsrat in der Beantwortung einer Interpellation aus den Reihen der Grünen, GLP, SP und Mitte.
Dies habe zur Folge, dass die Wurzelstöcke der Reben teilweise in der Luft lägen. Auch könne die Sicherheit der im Rebberg tätigen Personen nicht mehr vollständig gewährleistet werden. Die absinkenden Terrassen und einige Trockenmauern seien daher dringend sanierungsbedürftig.
Die in den 1980er-Jahren gepflanzten Reben bringen laut Regierungsrat wegen ihres Alters deutlich weniger Ertrag. Die Justizvollzugsanstalt Lenzburg müsse die Pflanzen komplett ersetzen.
Der Rebberg stelle keine Konkurrenz für die privaten Weinbauern dar. Seit Jahrzehnten bestehe eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Lenzburger Ortsbürger-Rebbauern und dem kantonalen Branchenverband, hält der Regierungsrat fest. Es habe bislang nie Klagen gegeben.
Die Investition in die Sanierung des Rebbergs diene dem Weiterbestand des Rebbaus der JVA. Die steile Topografie bedinge viel Handarbeit. Dieser Umstand biete Gefangenen und straffälligen Jugendlichen eine sinnvolle Beschäftigung.
Die JVA setze im Rebberg ausschliesslich Insassen ein, die kurz vor der Entlassung oder dem Wechsel in den offenen Vollzug stünden. Ein Verzicht auf die Sanierung verhindert laut Regierungsrat diese Einsatzmöglichkeiten.
Die JVA reduziert die Anzahl der Rebstöcke um zehn Prozent. Es sollen resistente Rebsorten angepflanzt werden, was die Pflanzenschutzbehandlungen senkt und die Biodiversität im Weinberg fördert, wie aus der Stellungnahme weiter hervorgeht.
Eine alternative Nutzung des Rebbergs am Goffersberg ist laut Regierungsrat rechtlich nicht möglich. Die Stadt Lenzburg müsste eine Zonenplanänderung vornehmen.
Der Rebberg hat eine wechselvolle Geschichte: Rund 300 Jahre bewirtschaftete die Stadt Lenzburg den Goffersberg. Ab 1880 sorgten die sich verheerend ausbreitende Reblaus und der Mehltau jahrelang für schlechte oder gar keine Erträge, wie es in der Stellungnahme heisst.
Die Stadt verkaufte den Goffersberg dem Kanton für 1800 Franken. Andere Käufer liessen sich nicht finden. Die 1864 eröffnete Strafanstalt bepflanzte den Goffersberg neu mit Rebstöcken.
In den Jahren 1982 bis 1988 wurde der ganze Rebberg mit grossem Aufwand vom vertikalen Drahtbau auf die Querterrassierung umgestaltet. Damit wurde erreicht, dass bei grossen Gewittern nicht mehr der gesamte Humus an den Fuss des Hangs geschwemmt wird. Die am Fuss des Rebbergs gelegene Trotte wurde, unter Einbezug des Denkmalschutzes, 2010 saniert und mit einem neuen Dach versehen.






