Abkühlung im Wasser: Achtung vor Temperatur-Schock!

Bei anhaltenden Temperaturen von über 30 Grad bietet ein Sprung ins Wasser genau die Abkühlung, die viele brauchen. Das birgt jedoch auch Risiken.

Bei anhaltenden Temperaturen von über 30 Grad bietet ein Sprung ins Wasser genau die Abkühlung, die viele brauchen. So strömen die Menschen an die hiesigen Seen, Flüsse und in die Badis. Was nach unbeschwertem Sommer klingt, birgt jedoch auch Risiken: Jedes Jahr kommt es zu tödlichen Badeunfällen.
Die Ertrinkungsstatistik der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) zeigt, dass im Zehnjahresmittel rund 50 Menschen pro Jahr in der Schweiz ertrinken. Um für die Gefahren zu sensibilisieren, führte die SLRG kürzlich ein nationales Präventionswochenende durch.
In der ganzen Schweiz standen Mitglieder der lokalen SLRG-Sektionen im Einsatz, so auch in der Villmerger Badi.
«Kleinkinder ertrinken lautlos!»
«Viele Menschen sind sich nicht bewusst, wie schnell etwas passieren kann», sagt Silvio Stappung, Technischer Obmann der SLRG Freiamt-Reusstal, beim Gespräch im Restaurant der Badi Villmergen.

Obwohl in Frei- und Hallenbädern nur sehr selten Menschen ertrinken, gebe es auf einige Dinge acht zu geben, besonders beim Badibesuch mit kleinen Kindern: «Kleinkinder ertrinken lautlos. Sie strampeln nicht und rufen nicht um Hilfe, wie man das vielleicht erwarten würde.»
Dennoch sehe er immer wieder Eltern, die nicht nah genug bei ihren Kindern seien. «Eine der wichtigsten Baderegeln ist, dass man Kleinkinder immer in Griffweite behalten soll.»
Die Regel gelte auch in seichtem Wasser, etwa einem Kinderbecken. Denn bei Kleinkindern ist der Kopf noch überproportional schwerer als bei Erwachsenen. Stolpert ein Kind beim Spielen, geht der Kopf entsprechend schneller im Wasser unter.
Was an heissen Tagen wichtig zu beachten ist
Gerade an heissen Tagen seien zwei Dinge besonders wichtig.
Erstens: viel trinken. Wer länger im Wasser war, solle auch dann ein paar Schlücke trinken, wenn er noch keinen Durst verspüre, empfiehlt Stappung: «Beim Schwimmen erhält der Körper andere Signale als an Land: Man ist von Wasser umgeben, die Lippen sind feucht und der Körper wird gekühlt. Da passiert es schnell, dass der Körper bereits leicht dehydriert, man selbst aber noch gar keinen Durst verspürt.»
Zweitens empfiehlt es sich, vor dem Sprung ins kühle Nass kurz unter die Dusche zu stehen. Aus hygienischer Sicht ist das sowieso angezeigt. Es helfe aber auch, den Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser auszugleichen.
«Das Badewasser ist oft keine 25 Grad warm. Der Temperaturschock, wenn man direkt ins Wasser springt, ist ein Stress für den Körper und kann zu Problemen mit dem Kreislauf führen», so Silvio Stappung.
Wichtig sei zudem, in der Badi gegenseitig Rücksicht zu nehmen. Wenn viele Menschen gleichzeitig in der Badi unterwegs sind, brauche es Aufmerksamkeit, sei das auf dem Sprungturm, der Rutschbahn oder beim Hineinspringen vom Beckenrand.
Selbstüberschätzung ist in Flüssen und Seen die grösste Gefahr
Rund 90 Prozent der Ertrinkungstoten verzeichne die Schweiz allerdings nicht in der Badi, sondern in Flüssen und Seen. Zu Unfällen, so Silvio Stappung, komme es vor allem aus einem Grund: «Selbstüberschätzung. Beim Schwimmen in der Badi ist der Beckenrand nur wenige Meter entfernt. Wenn ich aber versuche, den Hallwilersee zu überqueren, und nach einem Kilometer einen Krampf bekomme, ist das Ufer weit weg.»
Lange Strecken sollten daher nie alleine geschwommen werden. «Wir empfehlen, mindestens zu zweit unterwegs zu sein. Man kann sich auch von jemandem auf einem Stand-up-Paddle oder in einem Gummiboot begleiten lassen.»

In Flüssen komme dann noch die Strömung dazu. Je nachdem, wie stark diese sei, können auch in den Fluss gefallene Bäume oder Steine unter der Wasseroberfläche zur Gefahr werden. «Da kann ich nur empfehlen: Lauft die Strecke zuerst an Land ab. Schaut, wo ihr ein- und aussteigen wollt und wo ihr unterwegs vorsichtig sein müsst.»
Eigenschutz hat oberste Priorität
Wer nicht als Rettungsschwimmer ausgebildet ist, kann im Notfall trotzdem helfen. «Das Wichtigste ist sofort Hilfe zu organisieren», betont Silvio Stappung.
In vielen Badis gebe es Notfallknöpfe. Wer am See oder an einem Fluss unterwegs ist, wählt den Notruf.
Danach habe der Eigenschutz aber oberste Priorität, denn Rettungsversuche können für ungeschulte Helfer schnell gefährlich werden: Menschen in Panik greifen oft unkontrolliert nach allem, um den Kopf über Wasser zu halten, und könnten herbeieilende Helfende dabei unter Wasser drücken. «Es hilft niemandem, wenn aus einer Person in Not zwei werden», stellt Silvio Stappung klar.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Lenzburger Nachrichten» erschienen.






