Zofingen

Diese Zofinger Senioren helfen im Tessin

Bruno Muntwyler
Bruno Muntwyler

Zofingen,

Auch im Ruhestand packt die «Chrampfer-Truppe» aus Zofingen an. Zum 25-Jahr-Jubiläum war sie im Valle Bavona und auf der Alp Munt la Reita im Einsatz.

«Schweiss statt Geld» –  Die «Chrampfer» gaben eine Woche Vollgas
Im 18-Betten-Steinhaus mit moderner Küche und Nasszellen servierten Chefkoch Peter Brander und seine «Sekundanten» aus der hauseigenen Küche. - Bruno Muntwyler

Durch das enge, eiszeitlich geprägte U-Trogtal fliesst die Bavona. Auf zwölf Kilometern steigt es um rund 560 Meter an, bevor der Fluss bei Bignasco ins Maggiatal mündet. Bekannt ist das Tal unter anderem für seine einzigartigen, einst von Menschenhand ausgebauten Felsenhäuser.

Ende Juni 2024 wurde das Bavonatal von schweren Unwettern, Murgängen und Überschwemmungen heimgesucht. Mehrere Menschen kamen ums Leben, Weiler wie Fontana und Mondada wurden schwer verwüstet.

Vieles ist inzwischen wieder aufgebaut, doch die Folgen der Katastrophe sind noch immer spürbar. Mit ihrem Einsatz wollten die «Chrampfer» einen weiteren Beitrag zur Normalität leisten.

«Schweiss statt Geld» –  Die «Chrampfer» gaben eine Woche Vollgas
Die «Chrampfer» gaben eine Woche Vollgas. - Bruno Muntwyler

Anpacken, wo Hilfe gebraucht wird

Was einst als kleine Idee begann, ist längst eine Erfolgsgeschichte. Unter der Schirmherrschaft der Reformierten Kirchgemeinde Zofingen und der Berghilfe hilft die Truppe dort, wo kräftige Hände, handwerkliches Geschick und Durchhaltewillen gefragt sind.

Ob beim intensiven Durchforsten eines geschützten Kastanienwäldchens, beim Bau von drei Holzbrücken, die 2024 vom Unwetter weggeschwemmt worden waren, beim Rückbau des wohl letzten Holzgebäudes im «steinernen Tal», bei der Wanderwegpflege, der Neophytenbekämpfung oder beim Verlegen von Granitplatten – die Männer um «Oberpolier» Martin Bolli packen mit grosser Motivation an.

Sponsoren
Dank grosszügigen Sponsoren konnte die Gruppe zum Jubiläum mit einem Shirt, einem Jäckchen und einer Mütze ausgerüstet werden. - Bruno Muntwyler

Auch dem gefürchteten Hausschwamm wurde bei Biobauer Samuel Senn der Kampf angesagt. Bei der kompletten Aushöhlung des befallenen Stalles, der sich durch Holz und Mauern gefressen hatte, schützten sich die Mitglieder der «Abbruch GmbH» mit Schutzmasken und Handschuhen.

Mariella und Remo von der Fondazione Valle Bavona zeigten sich begeistert von der Qualität und Ausführung der vielfältigen Arbeiten. Bei den von den «Chrampfern» erstellten Brücken und beim Granitplattenplatz sollen Schrifttäfelchen an die Erbauer erinnern.

Hervorragende Leistungen des Küchenteams

In San Carlo, dem hintersten Weiler des Tales, direkt neben dem Restaurant Basodino und wenige Minuten von der Seilbahn Robiei entfernt, bezogen die «Chrampfer» ihr Quartier. Drei bewährte Mitglieder mussten leider kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen forfait geben. Die verbliebenen Helfer leisteten tagsüber Schwerarbeit.

Abends wurden sie dafür kulinarisch belohnt. Im 18-Betten-Steinhaus mit moderner Küche und Nasszellen servierten Chefkoch Peter Brander und seine «Sekundanten» Peter Hänni, Andi Ruf und «Buki» Kremer jeweils ein feines «Znacht» aus der hauseigenen Küche.

«Schweiss statt Geld» – und ganz viel Herzblut

Die Idee zu den freiwilligen Arbeitseinsätzen entstand nach der Naturkatastrophe von Gondo im Wallis im Oktober 2000. Damals kam der Gedanke auf, nicht nur Geld zu spenden, sondern selbst anzupacken.

Daraus entwickelte sich eine Erfolgsgeschichte. Jahr für Jahr leisten pensionierte Männer aus unterschiedlichsten Berufen – Maurer, Stromer, Schreiner, Pfarrer, Lokführer, Chauffeur, Unternehmer, Journalist und weitere – freiwillige Einsätze in Bergregionen, auf Alpweiden und an Katastrophenplätzen.

Die Idee zu den freiwilligen Arbeitseinsätzen entstand nach der Naturkatastrophe von Gondo im Wallis im Oktober 2000.
Die beiden «Strongmen» Urs Kamber (vorne) und Andi Ruf zeigen beim Transport der schweren Pfeiler, was dank Teamwork möglich ist. - Bruno Muntwyler

Dabei ist über die Jahre nicht nur eine schlagkräftige Arbeitsgruppe, sondern auch Freundschaften und eine starke Gemeinschaft entstanden. Nach getaner Arbeit wird gemeinsam gekocht, diskutiert, gelacht und natürlich auch auf das Geleistete angestossen. Für die geistige Nahrung sorgt traditionell das «Wort zum Tag» des langjährigen Pfarrers «Buki» Burkhard Kremer, Chauffeur des Kleinbusses und überzeugter «Mitchrampfer».

Die Freiwilligen-Arbeitsgruppe zeigt eindrücklich, wie viel bewegt werden kann, wenn Menschen bereit sind, ihre Zeit und ihr Können für andere einzusetzen. Zum 25-Jahr-Jubiläum darf deshalb mit Stolz zurückgeblickt werden. Und gleichzeitig gilt: Solange es Männer gibt, die den Ärmel hochkrempeln, zupacken und dabei den Humor nicht verlieren, wird auch in Zukunft gelten: «Schweiss statt Geld» – und ganz viel Herzblut.

Würdest du dich auch im Ruhestand noch freiwillig engagieren?

Ein grosses Merci gilt den Unterstützern: Neben der Reformierten Kirchgemeinde Zofingen und der Berghilfe engagierten sich die E. Flückiger AG und Gebr. Hallwyler AG (beide Rothrist), Bruno Berger (Oft-ringen), Erik Van Vught (Gesundheitszentrum Activa Rothrist/Oftringen) sowie Simon Klöti (Hotel Holiday Inn Express Aarburg/Oftringen).

Dank ihrer Unterstützung konnten die Teilnehmer als besonderen «Zahltag» ein hochwertiges Jäckchen und ein T-Shirt entgegennehmen. Weitere Sach- und Rabattsponsoren waren die Metzgerei Alois Koller (Rothrist), Marlene Keller (Dentalhygiene Oftringen), Walter Tschannen, Busbetriebe Zofingen und André Brönnimann («Amt für Unterhaltung»), Laupersdorf.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.

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