Feuerwehr Rietenberg: Das sind aktuell die Herausforderungen

Olivier Diethelm
Olivier Diethelm

Wohlen,

Andreas Köchli, Kommandant der Feuerwehr Rietenberg, spricht im Interview unter anderem über die anstehende Hauptübung und die vielfältige Arbeit.

Köchli
Während des Grossbrandes in Hilfikon war Andreas Köchli, Kommandant der Feuerwehr Rietenberg, über 24 Stunden im Einsatz. - Christoph Rothlin

Für Andreas Köchli, Kommandant der Feuerwehr Rietenberg, ist die Feuerwehr nicht einfach ein Hobby, sondern eine Passion. Im Interview verrät er unter anderem mehr über die anstehende Hauptübung, über den Infoabend zur Neurekrutierung und über die vielfältige Arbeit der Feuerwehr.

Redaktion: Herr Köchli, am 19. September findet die Hauptübung mit Bevölkerungstag statt. Welche Einsatzszenarien werden bei der diesjährigen Hauptübung gezeigt – und wie realitätsnah ist eine solche Übung?

Andreas Köchli: Unsere Hauptübung steht unter dem Motto «Mittendrin statt nur dabei». Die Besucherinnen und Besucher sollen nicht nur zuschauen, sondern selbst aktiv werden. An verschiedenen Posten können sie unter anderem Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung und einen Atemschutzeinsatz erleben und ausprobieren.

Mit Rauch und realitätsnahen Abläufen vermitteln wir einen möglichst echten Eindruck. Natürlich immer unter sicheren und kontrollierten Bedingungen.

Brandbekämpfung
Brandbekämpfung mit Atemschutz: Die hohen Temperaturen bei diesem Brand kann man als Lesender nur erahnen. - zVg

Redaktion: Warum ist es der Feuerwehr Rietenberg wichtig, ihre Arbeit der Bevölkerung regelmässig hautnah zu zeigen?

Köchli: Viele sehen unsere Fahrzeuge durchs Dorf fahren, wissen aber nicht, was bei einem Einsatz alles dahintersteckt. Wir möchten zeigen, wie wir arbeiten, wie man Brände verhindern und sich im Notfall richtig verhalten kann.

Gleichzeitig hoffen wir natürlich, Menschen für die Feuerwehr zu begeistern. Als Milizfeuerwehr sind wir auf motivierte Leute aus unseren Dörfern angewiesen.

Redaktion: Was sind aktuell die grössten Herausforderungen, mit denen die Feuerwehr Rietenberg im Einsatzalltag konfrontiert ist?

Köchli: Eine grosse Herausforderung ist die Einsatzbereitschaft während des Tages, da viele unserer Feuerwehrleute ausserhalb der Gemeinden arbeiten.

Gleichzeitig werden die Einsätze vielseitiger: Elektroautos, Photovoltaikanlagen, neue Bauweisen oder Unwetter stellen uns vor neue Herausforderungen. Deshalb müssen wir uns laufend weiterbilden und üben.

Und nicht zuletzt braucht es auch in Zukunft genügend Menschen, die bereit sind, diesen Dienst neben Beruf, Familie und Freizeit zu leisten.

Redaktion: Wie viele Einsätze leistet die Feuerwehr Rietenberg durchschnittlich pro Jahr, und welche Arten von Ereignissen kommen am häufigsten vor?

Köchli: Wir leisten durchschnittlich rund 80 bis 90 Einsätze pro Jahr. Dabei geht es längst nicht nur um Brände. Dazu gehören automatische Brandalarme, Ölspuren, Wasserschäden, Unwetter, Verkehrsunfälle, Unterstützung des Rettungsdienstes oder auch Tierrettungen. Genau diese Vielfalt macht die Feuerwehr aus.

Redaktion: Wenn Sie auf den Grossbrand in Hilfikon im August zurückblicken, welches Fazit ziehen Sie?

Köchli: Der Grossbrand war ein sehr fordernder Einsatz. Dank der schnellen Alarmierung und der guten Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte konnten wir verhindern, dass sich das Feuer auf weitere Gebäude ausbreitete.

Besonders beeindruckt hat mich das Zusammenspiel unserer Mannschaft mit den Nachbarfeuerwehren, der Polizei, dem Rettungsdienst und dem Zivilschutz Aargau Ost. Das Wichtigste ist aber, dass es keine schweren Personenschäden gab. Der Einsatz hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig gute Ausbildung und ein starkes Team sind.

Redaktion: Am 19. Oktober findet ein Infoabend zur Neurekrutierung statt. Wen suchen Sie – und wer ist bei der Feuerwehr besonders willkommen?

Köchli: Bei uns ist grundsätzlich jede und jeder willkommen. Vorkenntnisse braucht es keine, das Feuerwehrhandwerk lernt man bei uns von Grund auf. Entscheidend sind Motivation, Teamgeist und die Bereitschaft, gemeinsam anzupacken.

Redaktion: Was muss jemand mitbringen, der sich für den Feuerwehrdienst interessiert? Geht es vor allem um körperliche Fitness oder sind andere Fähigkeiten ebenso wichtig?

Köchli: Man muss kein Spitzensportler sein. Viel wichtiger sind Teamgeist, Zuverlässigkeit und ein gesunder Menschenverstand.

Im Einsatz muss man auch in hektischen Situationen einen kühlen Kopf bewahren und sich aufeinander verlassen können. Jeder bringt andere Stärken mit und genau das brauchen wir.

Redaktion: Viele Menschen zögern vielleicht, weil sie denken, Feuerwehrdienst sei mit sehr viel Zeitaufwand verbunden. Wie gross ist die zeitliche Belastung tatsächlich?

Köchli: Der Aufwand ist gut überschaubar. Feuerwehrsoldatinnen und Feuerwehrsoldaten haben bei uns sechs Gesamtübungen pro Jahr, jeweils am Abend. Je nach Funktion kommen vier bis sechs zusätzliche Übungen dazu.

Dazu kommen die Einsätze, die sich nicht planen lassen. Da unsere Übungen frühzeitig bekannt sind, lässt sich der Feuerwehrdienst gut mit Beruf, Familie und Freizeit vereinbaren.

Könntest du dir vorstellen, dich bei der Feuerwehr zu engagieren?

Redaktion: Was motiviert Sie persönlich, als Kommandant Verantwortung für die Feuerwehr Rietenberg zu übernehmen – und was ist für Sie das Schönste an dieser Aufgabe?

Köchli: Für mich sind es vor allem die Gemeinschaft und das gegenseitige Vertrauen. Ich vergleiche es gerne mit einem Konzert: Ich kann als Dirigent vorne stehen, jedoch ohne meinen Chor funktioniert es nicht. Gleichzeitig braucht eine Mannschaft eine klare Führung.

Das Schönste ist für mich zu sehen, mit wie viel Herzblut unsere Leute dabei sind und wie selbstverständlich alle anpacken, wenn Hilfe gebraucht wird.

Redaktion: Wenn Sie jemanden überzeugen müssten, am 19. Oktober zum Infoabend zu kommen: Was würden Sie dieser Person sagen?

Köchli: Eigentlich muss ich niemanden überzeugen. Für mich ist die Feuerwehr nicht einfach ein Hobby, sondern eine Passion. Man muss selbst Freude daran haben, sich für die Gemeinschaft einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen.

Wer neugierig ist, darf am 19. Oktober gerne vorbeikommen, unsere Feuerwehr kennenlernen und Fragen stellen. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob die Feuerwehr das Richtige ist. Wenn Begeisterung und die Bereitschaft zum Anpacken vorhanden sind, sind die wichtigsten Voraussetzungen bereits erfüllt.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Lenzburger Nachrichten» erschienen.

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