FC Aarau: So sieht die Arbeit von Videoanalyst Scherrer aus

Michael Scherrer (31) ist Videoanalyst beim FC Aarau. Im Interview erklärt er, wie er zu den Aargauern gekommen ist – und wie seine Arbeit aussieht.

Das Wichtigste in Kürze
- Mit Michael Scherrer arbeitet auch ein Videoanalyst im Staff des FC Aarau.
- Der 31-Jährige spielte einst im Nachwuchs des FC St.Gallen
- Später wurde er bei den Espen Analyst und arbeitet seit 2025 für den FCA.
Seit Anfang 2025 ist Michael Scherrer beim FC Aarau als Videoanalyst tätig. Der 31-Jährige erzählt, was man als Analyst macht – und wie er zu seinem Job gekommen ist.
Redaktion: Michael Scherrer, bevor Sie Ihre heutige Laufbahn abseits des Platzes einschlugen, standen Sie selbst auf dem Rasen.
Michael Scherrer: Genau. Ich war lange in der Jugend des FC St.Gallen aktiv und habe von der U16 bis hin zur U21 alle Stationen durchlaufen. Dort durfte ich auch einen Profivertrag unterschreiben.
Aufgrund verschiedener Faktoren konnte ich mich im Fanionteam jedoch nicht durchsetzen. Danach wechselte ich zum SC Brühl in die Promotion League und setzte den Fokus auf meine berufliche Weiterentwicklung.
Dem Fussball blieb ich in den folgenden Jahren bei verschiedenen Stationen treu, wenn auch «nur» als Hobby. Mir war immer wichtig, mit Kollegen eine gute Zeit zu haben.

Redaktion: Man sieht sich immer zweimal im Leben: Beim FC St.Gallen erhielten Sie die Möglichkeit, als Videoanalyst des gesamten Nachwuchsbereichs und als Assistenztrainer der U21 zu wirken. Wie kam es dazu?
Scherrer: Der Anstoss kam durch den Start meiner Trainerausbildung. Der Verein suchte zur selben Zeit einen Videoanalysten für die Nachwuchsabteilung. Ich wusste sofort, dass mich diese Aufgabe reizen würde.
Wir fanden zusammen eine super Lösung, neben der Analyse parallel auch als Assistenztrainer der U21 auf dem Platz zu stehen. So konnte ich beide Aufgaben voll auskosten und meinen Rucksack füllen.
Redaktion: Was fasziniert Sie an der Videoanalyse?
Scherrer: Mich hat am Fussball immer auch die Taktik fasziniert, nicht nur das Spielerische. Dieses Interesse für Analyse habe ich auch in meiner Weiterbildung in Wirtschaftsinformatik gespürt. Die Arbeit als Videoanalyst bringt diese beiden Leidenschaften zusammen.
Redaktion: Gibt es die Position des Videoanalysten schon lange?
Scherrer: Brandneu ist die Position nicht, zum Standardinventar eines Vereins gehört sie vielerorts aber auch nicht. Beim FC St.Gallen gab es vor meinem Engagement nur einen Videoanalysten für die 1. Mannschaft, die Nachwuchsabteilung arbeitete viel mit Praktikanten.
Auch beim FC Aarau bin ich in dieser Form der Erste. Der Bereich erlebt aber in den letzten Jahren ein enormes Wachstum.

Redaktion: Wie sieht Ihr Alltag beim FC Aarau aus?
Scherrer: Wie schon beim FC St.Gallen habe ich das Privileg, sowohl die Analyse zu machen, als auch auf dem Rasen zu stehen. In engem Austausch mit Bruni (Brunello Iacopetta, Cheftrainer FC Aarau, Anm. d. Red. ) und Assistenztrainer Beni (Porimet Lötscher Anm. d. Red.) leite und unterstütze ich das Trainerteam bei gewissen Trainingsformen.
Daneben liegt mein Schwerpunkt auf der Videoanalyse, das beinhaltet Themen wie die Eigenanalyse, Individualanalyse und die Gegnervorbereitung.
Redaktion: Und während des Spiels?
Scherrer: Da sitze ich entweder im «Adlerhorst» des Brügglifelds oder bei Auswärtsspielen auf der Medientribüne. Per Headset bin ich dabei mit Beni verbunden.
Mein Fokus liegt primär auf dem Gegner: Macht er das, was wir erwartet haben? Geht unser Matchplan auf? Zudem bereite ich schon Szenen vor, die wir gegebenenfalls in der Halbzeit in der Kabine der kompletten Mannschaft zeigen. Oder nur einzelnen Spielern.
Redaktion: Wie haben Sie sich auf das erfolgreiche Cupspiel gegen den FC Zürich vorbereitet?
Scherrer: Wie auf jedes andere Spiel auch! Wobei das Spiel gegen den FCZ nicht nur mit reiner Taktik zu tun hatte, vielmehr auch mit der mentalen Einstellung. Wir haben im Vorfeld analysiert, wo die Stärken und Schwächen der Zürcher liegen.
Nachdem ihre Aufstellung bekannt war, habe ich wie üblich mit allen Verteidigern Videos ihrer direkten Gegenspieler angeschaut.

Redaktion: Der Fussball ist Ihr tägliches Brot. Kann man da im Kopf noch abschalten und «einfach nur Fussball schauen»?
Scherrer: Ich kann schon noch abschalten und einen Match einfach nur geniessen (lacht) . Aber ich habe das Spiel schon immer mit einem taktischen Auge betrachtet, ganz ausschalten lässt sich das nicht.
Redaktion: Inwiefern hilft Ihnen die Vergangenheit als Spieler?
Scherrer: Ich bin der Meinung, dass man den Job auch ohne eigene Spielerkarriere sehr gut machen kann. Am ehesten profitiert man im Austausch mit den Spielern: Man kann in gewissen Situationen vielleicht besser nachvollziehen, was in einem Spieler vorgeht.
Redaktion: KI ist in aller Munde. Wohin entwickelt sich die Videoanalyse in Zukunft?
Scherrer: Ich glaube, die Videoanalyse wird durch KI noch datenbasierter, schneller und präziser. Für mich ist entscheidend, offen für neue Technologien zu bleiben, sie sinnvoll einzusetzen und daraus einen Mehrwert für meine Arbeit zu schaffen.
Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.













