Gewusst? Kantonsgrenze in Würenlos AG führt durch Klosterareal

Judith Sacchi
Judith Sacchi

Baden,

Im Propsteigarten des Klosters Fahr in Würenlos AG verbinden sich Natur, Geschichte und Gartenwissen. Schwester Beatrice Beer pflegt die Oase seit Jahrzehnten.

Kloster Fahr
Die Kräuterspirale im Kloster Fahr. - Judith Sacchi

Der Probsteigarten des Klosters Fahr hat eine bewegte Geschichte. Einst angelegt für den Probst, den Verwalter des Klosters, wurde er mit der Eröffnung der Bäuerinnenschule 1945 zum Schulgarten.

Seit 2013 die Schule ihre Türen schloss, ist er eine Oase für die Besucherinnen und Besucher im Kloster und dient auch der Selbstversorgung der Schwestern.

Die Beete werden als Mischkulturen angelegt. 2021 wurde dem Probsteigarten eine besondere Ehre zuteil. Der erste Laudatio si'-Garten der Schweiz wurde eröffnet. Dieser bringt Papst Franziskus mit Silja Walter ins Gespräch über die Schöpfung.

Im 2015 veröffentlichten Rundbrief «Laudato si» drückt der Papst seine Sorge über die Klimakrise aus. Im Garten sind zehn Tafeln mit Zitaten aus dem Rundbrief angebracht.

Dazu gibt es ein passendes Zitat aus dem Gesamtwerk von Silja Walter, welche als Benediktinerin und Schriftstellerin im Kloster Fahr lebte. Seit 30 Jahren kümmert sich Schwester Beatrice Beer mit Hingabe um den Garten.

Sie kennt die Pflanzen, beobachtet ihre Entwicklung und weiss, wann gesät, gepflanzt, zurückgeschnitten oder geerntet werden muss. Für sie ist Gartenarbeit nicht einfach eine Aufgabe, die erledigt werden muss.

Wo Natur und Klostertradition zusammenwachsen
Schwester Beatrice Beer und Anton Möckel freuen sich über den schönen Probsteigarten. - Judith Sacchi

Sie bedeutet vielmehr, aufmerksam zu sein und mit der Natur zu arbeiten. Und so lässt sie es sich auch nicht nehmen, den «Furttaler» in ihrem kleinen Paradies persönlich zu empfangen.

Das Kloster ist seit vielen Jahren ihr Zuhause und sie freut sich auch darüber, dass die Zeiten Veränderungen mit sich gebracht haben. So ist aus der ehemaligen Bäuerinnenschule ein Wohnobjekt geworden, welches generationenübergreifend von Einzelpersonen aber auch Familien mit Kindern bewohnt wird.

Sie schätze dies sehr, erzählt die sympathische Benediktinerin. Natürlich habe auch der Probsteigarten unter der Trockenheit gelitten, meint sie im Gespräch.

Von der letzten Ernte wurde aber einiges konserviert und eingefroren, «wir haben also noch vieles an Vorrat», lächelt sie. Mit der Natur zu arbeiten, das ist Schwester Beatrice sehr wichtig.

Und da bestimmen Wetter, Boden und Jahreszeiten mit, was gelingt oder nicht. Im Probsteigarten wächst und gedeiht, was die Natur zu bestimmten Jahreszeiten hergibt. Im Kloster ist es nicht der einzige Garten, bei dem sie ihre Finger im Spiel hat.

Die Schwester mit dem grünen Daumen hat 1998, damals noch mit Absolventinnen der Bäuerinnenschule, eine sieben Meter grosse Kräuterspirale angelegt. Und damit es für sie im Jahr möglichst wenig Zeit ohne Garten gibt, dafür sorgt ein zusätzlicher Folientunnel, in dem Gemüse spriesst.

Beratend zur Seite bei der Pflege des Gartens steht ihr bei Bedarf Anton Möckel in seiner Funktion als Inhaber der Möckel Garten AG in Würenlos. Da er aber gleichzeitig auch als Gemeindeammann in der Gemeinde fungiert, hat der Klostergarten für ihn eine doppelte Bedeutung.

Würdest du den Propsteigarten des Klosters Fahr gerne besuchen?

Als er zudem vor 17 Jahren in den Gemeinderat gewählt wurde, übernahm der damals für einige Zeit das Ressort «Kloster». Dass das Kloster Fahr als Enklave zu Würenlos gehöre, werde sehr geschätzt.

«Es ist ein Kulturgut und eine Bereicherung für die Gemeinde», betont Möckel. Dass die Kantonsgrenze zwischen dem Kanton Zürich und dem Aargau durch das Klosterareal führt, ist sicherlich speziell.

Möckel freut sich auch darüber, dass das Restaurant «Zwei Raben» auf dem Klosterareal seine Türen wieder geöffnet hat und Würenlos damit über acht Restaurants verfügt. Er schätze das unkomplizierte Verhältnis zu den Ordensschwestern und deren weltliches Interesse.

Bei einem Besuch im Kloster Fahr habe er natürlich meist zwei Hüte auf. Als Landschaftsgestalter sei es ihm wichtig, den Schwestern die Arbeit in all den Gärten ein wenig zu vereinfachen.

Zudem wurden auch Gartenteile umgestaltet, «dort können sie jetzt einfach sitzen und auch mal den Schafen zusehen, wenn diese die Landschaft pflegen», lächelt er. Als Gemeindeammann kommt er ebenso immer gerne ins Kloster Fahr, «wir sind hier fast wie eine grosse Familie», betont er.

Diese Aussage unterstützt wiederum die gemeinsame Pflege des Gartens, denn das Gespräch mit Schwester Beatrice und Anton Möckel macht deutlich, dass ein solcher Garten von verschiedenen Menschen getragen wird.

Es braucht diejenigen, die täglich Hand anlegen, ebenso wie Menschen, die Ideen entwickeln und nicht zuletzt die Besucherinnen und Besucher, welche die spezielle Atmosphäre im Probsteigarten einfach nur geniessen können.

Der Propsteigarten des Klosters Fahr ist weit mehr als ein schöner Garten. Er verbindet Menschen mit der Natur, Gegenwart mit Geschichte und praktisches Arbeiten mit kultureller Tradition.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Furttaler» erschienen.

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