Häusliche Gewalt im Kanton Solothurn nimmt zu

Keystone-SDA Regional
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Solothurn,

Die häusliche Gewalt im Kanton Solothurn hat in den letzten fünf Jahren zugenommen. Zu dieser Erkenntnis ist die Opferhilfe Kanton Solothurn gekommen, die 2021 ihren Betrieb aufnahm. Nun haben die Verantwortlichen eine Bilanz gezogen.

häusliche gewalt
In 90 bis 95 Prozent der Fälle sind Frauen Opfer von häuslicher Gewalt im Kanton Solothurn. Zu dieser Erkenntnis kommt die Opferhilfe. (Symbolbild) - KEYSTONE/DPA/FABIAN SOMMER

Wie viele Fälle?

«4500 Menschen haben sich in den letzten fünf Jahren bei der Opferhilfe Kanton Solothurn beraten lassen», sagte Regierungsrätin Susanne Schaffner (SP) an der Medienkonferenz in den Räumen der Opferhilfe in Olten. 2022 eröffnete die Beratungsstelle 697 Dossiers. 2025 waren es 1257.

Mehr als die Hälfte der Anfragen tangierten häusliche Gewalt. Lilian Fankhauser, die Leiterin der Opferhilfe, präzisierte die Angaben: Während die Opferhilfe 2022 noch 149 Fälle registriert habe, seien es 2025 bereits 524 gewesen. Dies entspricht einer Zunahme von zirka 250 Prozent.

Wer ist von häuslicher Gewalt betroffen?

In 90 bis 95 Prozent sind Frauen betroffen, sagte Fankhauser, oft auch solche mit Migrationshintergrund. «Häusliche Gewalt ist kein Passproblem», betonte die Leiterin der Fachstelle jedoch. Dass Frauen mit Migrationshintergrund die Fachstelle öfter aufsuchten als Frauen mit dem Schweizer Pass, liege oft daran, dass Frauen mit Migrationshintergrund schlechter vernetzt seien. «Oder sie brauchen stärkere finanzielle Unterstützung, weil sie ohnehin schon mit wenig Geld auskommen müssen.»

Welche weiteren Arten von Gewalt verzeichnet die Opferhilfe?

«Auch die sexualisierte Gewalt nimmt mit ungefähr 20 Prozent einen grossen Anteil der Gesamtfälle ein», erklärte Fankhauser. Weitere Delikte (nach Strafgesetzbuch) seien versuchte Tötung, Drohung, Nötigung.

Wer meldet sich bei der Opferhilfe?

89 Prozent der Menschen, die Hilfe suchten, wohnten im Kanton Solothurn, erklärte Fankhauser. 75 Prozent der Hilfesuchenden seien Frauen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren.

Wer ist die Täterschaft?

«77 Prozent der Täterschaft ist männlich», sagte Fankhauser weiter. In 70 Prozent der Fälle kannten sich Opfer und Täterschaft. In 54 Prozent sei die Gewalt ausübende Person ein aktueller oder ehemaliger Partner.

Was macht die Opferhilfe Kanton Solothurn?

Die Opferhilfe Kanton Solothurn gibt es seit 2021. Vorher gab es zehn Jahre lang eine gemeinsame Hilfestelle mit dem Kanton Aargau. Das Ziel der Opferhilfe ist es, Opfer von der Krise bis zur Stabilisierung rasch und unbürokratisch zu helfen und die Folgen von Gewalt abzufedern, sagte Fankhauser. Sieben Angestellte arbeiten für die Opferhilfe.

Das erste Gespräch dauere in der Regel 90 Minuten. In den Beratungen gehe es meist um juristische, psychologische oder wirtschaftliche Themen: «Wie lange man eine Strafanzeige einreichen kann oder wie man sich eine eigene Wohnung sucht etwa.»

Frankhauser: «79 Prozent der Hilfesuchenden nehmen telefonisch mit uns Kontakt auf.» 17 Prozent der Kontaktaufnahmen erfolgten via Mail oder Chat. Das werde in Zukunft weiter ansteigen, habe man doch seit 2025 mit anderen Kantonen eine Onlineberatung geschaffen, durch die man sich online Hilfe suchen könne. Fankhauser: «Gerade junge Menschen brauchen diese Funktion oft.»

Wie viel kostet die Opferhilfe?

«2025 waren es 1,5 Millionen Franken», sagte Fankhauser und betonte: «Je früher man interveniert, desto mehr Folgekosten kann man sparen.» Denn die Folgekosten, etwa der Aufenthalt in einem Gefängnis, sei viel teurer für die Gesellschaft.

Welches sind weitere Schritte?

Ende Jahr wird der Kanton Solothurn ein Beratungsangebot lancieren, das sich explizit an Kinder und Jugendliche richtet. «Für Kinder ist Gewalt enorm belastet, auch wenn sie nicht selbst geschlagen werden», erklärte Magdalena Küng, die Leiterin der Koordinationsstelle häusliche Gewalt. Kinder könnten Schlafstörungen entwickeln, schlechtere Leistungen in der Schule erbringen und lebten in konstanter Angst.

Laut Küng rückt die Kantonspolizei mindestens einmal täglich wegen häuslicher Gewalt aus. «In der Hälfte der Fälle sind Kinder involviert.» Das neue Angebot soll Kindern und Jugendlichen helfen, das Erlebte einzuordnen und Strategien entwickeln, wie sie damit umgehen können. «Wichtig ist auch zu sagen, 'Du bist nicht schuld daran'», sagte Küng.

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