Hier lassen «Homeboys» 460-Fr.-Cognac mitgehen

Karin Aebischer
Karin Aebischer, Etienne Sticher

Olten,

Zwei Männer lassen einen teuren Cognac aus einem Laden mitgehen. Der Inhaber postet das Video im Internet, die Polizei rät davon ab.

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Zwei Männer klauen einen teuren Cognac aus einem Geschäft in Olten. - instagram /@maduro.olten

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Männer klauen in einem Delikatessen-Geschäft in Olten SO einen Cognac.
  • Der Inhaber stellt die beiden an den Internet-Pranger und lässt nach ihnen suchen.
  • Die Polizei rät davon ab, da es gegen das Gesetz verstossen könne.

Es ist ein Video, das schweizweit für Aufsehen sorgt. Zwei Männer lassen sich im Delikatessen-Geschäft Maduro in Olten SO von Geschäftsführer Jörg Stofer beraten. Während einer zuhört und die Aufmerksamkeit des Verkäufers auf sich zieht, nimmt der andere eine Flasche und lässt sie verschwinden. Anschliessend verlassen sie das Geschäft.

Das Ganze wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet, die beiden Diebe sind darauf gut zu erkennen. Das Video davon lädt Stofer unverpixelt auf Instagram hoch. «Vielleicht kennt die ja jemand, die zwei Hobby-Homeboys», schreibt er dazu.

Geklaut haben sie gemäss dem Geschäftsführer einen Delamain Cognac 1973 – einen ganz edlen Tropfen. Auf der Seite «whisky-zigarren.ch» wird er für 460 Franken angeboten.

Stofer postete auch noch zwei Fotos der Diebe und schreibt dazu: «Wegen Ladendiebstahls werden diese zwei Personen gesucht.»

Wenig Freude an solchen Internet-Prangern hat die Polizei. Gegenüber Nau.ch sagt Bruno Gribi von der Kantonspolizei Solothurn: «Weder Privatpersonen noch Geschäftsführer dürfen Bilder oder Videos von mutmasslichen Dieben auf sozialen Medien veröffentlichen.»

Findest du es richtig, dass Internet-Pranger verboten sind?

Ein solcher «Pranger» verstosse gegen das Persönlichkeitsrecht und verletze datenschutzrechtliche Bestimmungen. Und er warnt: Die Veröffentlichung kann «allenfalls ein strafrechtlich relevantes Verhalten» sein.

Gribi rät, bei einem Diebstahl die Polizei einzuschalten, die dann das Videomaterial auswerte. Stofer wandte sich auch an die Polizei. Doch Stand Donnerstagabend konnte die Täterschaft noch nicht ermittelt werden.

Rassistische Kommentare unter den Posts

Unter den Posts des Ladeninhabers sammelten sich zahlreiche Kommentare, viele mit rassistischem Unterton. Gribi warnt, dass bei der Veröffentlichung von Bildern immer die Gefahr von falschen Anschuldigungen oder Vorverurteilungen bestehe. User könnten für ihre Kommentare auch strafrechtlich belangt werden.

Am Telefon sagte Stofer zu Nau.ch, dass er mit dem Post sein Produkt zurückwolle und dass die Täterschaft gefasst werde. «Alles weitere interessiert mich nicht.»

Am Donnerstagabend meldete er sich auf Instagram mit einem weiteren Statement. Er distanziert sich von den rassistischen Kommentaren. Er habe schon viele Diebstähle erlebt und könne sagen: «Den typischen Dieb gibt es nicht – weder von seiner Herkunft noch von seiner Sprache her.»

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