IT-Frust bei Maturand (18): Schul-PC löscht Hälfte von Aufsatz!

Bei einer digitalen Maturaprüfung geht einem Solothurner Schüler wegen eines technischen Problems mehr als die Hälfte seines Aufsatzes verloren.

Das Wichtigste in Kürze
- Bei einer Online-Maturaprüfung gingen rund 700 Wörter eines Aufsatzes verloren.
- Der betroffene Schüler durfte die Prüfung trotz technischem Problem nicht wiederholen.
- Der Solothurner Maturand findet: «Für mich wirft das Fragen zur Fairness auf.»
Andreas Egli fühlt sich unfair behandelt. Er ist Schüler an der Kantonsschule Solothurn und steht kurz vor seinem Matura-Abschluss. Doch während seiner Maturitätsprüfungen kommt es beim Schüler zu einem frustrierenden Zwischenfall.
Bei seinem Deutsch-Maturaaufsatz sei wegen eines technischen Problems mehr als die Hälfte seines Textes verloren gegangen, schildert Egli.
Der Vorfall ereignete sich laut dem Maturanden am Samstag, 2. Mai 2026. Die Prüfung wurde digital auf einem Schulcomputer mit dem sogenannten «Safe-Exam-Browser» geschrieben. Dies ist eine Software, die den Computer während Prüfungen absichert.

Egli verfasste nach eigenen Angaben einen Aufsatz mit über 1200 Wörtern. Nach Ende der Prüfung habe sich jedoch gezeigt, dass lediglich etwas mehr als 500 Wörter gespeichert worden seien.
«Ein grosser Teil meines Textes ging offenbar wegen eines technischen Fehlers verloren», schildert der 18-Jährige. Besonders frustrierend sei für ihn, dass die Geräte von der Schule zur Verfügung gestellt würden. Das System sollte eigentlich automatisch speichern.
Während der Prüfung habe es keinerlei Hinweise auf Probleme gegeben.
Antrag auf Wiederholung von Schule abgelehnt
Nach dem Vorfall stellte Egli einen Antrag auf Wiederholung der Prüfung. Diesen habe die Schulleitung jedoch abgelehnt. Der unvollständige Text werde regulär bewertet.
In der Rückmeldung des Departements für Bildung, Kultur und Sport des Kantons Solothurn, die der Redaktion vorliegt, heisst es: «Sie haben die Möglichkeit, nach Erhalt des Maturitätszeugnisses die Prüfungsnote Deutsch anzufechten.» Aber dies nur, «sofern Sie die Maturitätsprüfungen insgesamt nicht bestanden haben.»
Falls Andreas also besteht, muss er mit einer schlechteren Note leben.
Und weiter: «Erst im Rahmen dieses Beschwerdeverfahrens kann entschieden werden, ob Sie den schriftlichen Maturitätsaufsatz wiederholen können.»
Dass mehr als die Hälfte des Textes fehlt, werde hierbei nicht beachtet, kritisiert der Maturand. Ihm gehe es dabei nicht primär ums Bestehen der Matura. Dieses sei voraussichtlich trotz allem nicht gefährdet. Vielmehr stelle sich für ihn die grundsätzliche Frage nach der Fairness digitaler Prüfungen.
Egli findet: «Wenn technische Probleme auftreten und dies möglicherweise mit der Benutzung eines Schulcomputers zusammenhängt, sollte es eine faire Lösung geben.»
Denn er glaubt: «Es ist zu erwarten, dass es grössere Abzüge geben wird, da grosse Teile des Inhalts fehlen.»
Schule verweist auf Datenschutz
Die Kantonsschule Solothurn bestätigt auf Anfrage, dass digitale Maturaaufsätze bereits seit mehreren Jahren durchgeführt werden.
Rektorin Christina Tardo-Styner erklärt: «Im Jahr 2021 wurde das erste Mal in einigen Testklassen der Maturitätsaufsatz digital geschrieben. Seit 2022 schreiben alle Abschlussklassen den Maturitätsaufsatz digital.»

Technische Störungen seien dabei nicht ausgeschlossen. «Wie bei allen Prozessen, die digital ablaufen, können auch bei Abschlussprüfungen technische Störungen auftreten», so Tardo-Styner.
Seit der Einführung habe es einzelne Störungen gegeben. Diese seien jeweils untersucht worden, zudem seien Massnahmen zur Verbesserung der Abläufe getroffen worden.
Warum Egli die Prüfung nicht wiederholen darf, beantwortet die Schule jedoch nicht. «Wir geben aus Datenschutzgründen keine Auskunft zu Einzelfällen», erklärt die Rektorin.
Digitale Prüfungen auch an Universitäten üblich
Durch die zunehmende Digitalisierung werden digitale Prüfungen immer mehr zum Standard. Auch an Schweizer Universitäten werden Prüfungen heute vermehrt elektronisch durchgeführt.
Die Universität Basel teilt auf Anfrage mit, dass verschiedene digitale Prüfungsformate eingesetzt würden. Teilweise kommen speziell eingerichtete Prüfungs-iPads oder abgesicherte Programme wie der «Safe-Exam-Browser» zum Einsatz.
An der Universität Bern werden laut eigenen Angaben pro Semester rund 5000 digitale Einzelprüfungen durchgeführt. Seit der Einführung des Systems «iliasEXAM» im Herbstsemester 2021 habe keine Prüfung wegen technischer Probleme wiederholt werden müssen.
Gleichzeitig betont die Universität Bern, dass für technische Probleme klare Notfallpläne existieren. Dazu gehören Ersatzgeräte, Zeitgutschriften oder die Möglichkeit, auf Papierprüfungen oder das Einreichen von Textdateien per E-Mail auszuweichen.
Einzig an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern kam es 2018 einmal zu einem grösseren technischen Problem. Die betroffene Prüfung musste damals wiederholt werden.
Für Andreas Egli bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Auch wenn er die Matura voraussichtlich trotz des schlechten Abschneidens im Deutschaufsatz besteht.
Er ist sich sicher, «dass dieses Thema nicht nur mich betrifft, sondern generell relevant ist». Dies, da immer mehr wichtige Prüfungen digital durchgeführt würden.











