Kinderlärm unzumutbar! Anwohner hässig wegen Oltner Spielplatz

Anwohnende beim Säli-Schulhaus in Olten klagen über Kinderlärm vom Spielplatz. Die Stadt sieht jedoch keinen Handlungsbedarf.

2021 wurde beim Oltner Säli-Schulhaus ein neuer Kindergartenspielplatz mit Aussenklassenzimmer in unmittelbarer Nähe zur Anwohnerschaft eröffnet. Rund 40 Anwohnende fordern nun Massnahmen, um den Kinderlärm zu reduzieren.
Die Immissionen sollen sich in letzter Zeit auf ein unzumutbares Niveau gesteigert haben. Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf.
Wo Kinder herumspielen, da gibt es Lärm. So weit sind sich die zuständigen Behörden der Stadt Olten und eine Arbeitsgruppe (AG), welche die Interessen der Sälischulhaus-Anwohner im Lärmstreit rund um den Kindergartenspielplatz vertritt, einig.
Bei der Frage, wie viel Lärm zumutbar ist, gehen die Meinungen derweil weit auseinander.
Bis anhin ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis gepflegt
«Wir waren uns alle bewusst, dass der neue, grössere Spielplatz zu mehr Lärm führen würde», erzählt Roland Giger, einer der Bewohner der betroffenen Liegenschaften an der Höhenstrasse West.
«Wir gingen jedoch davon aus, dass sich der Lärm auf die Pausen beschränken würde, weshalb wir seinerzeit auf eine Einsprache verzichtet hatten. Schliesslich war im Baugesuch nebst dem Spielplatz auch von einem Aussenklassenzimmer die Rede. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass beim nun vorherrschenden, weit über die Pause hinaus andauernden Lärm sinnvoll unterrichtet werden kann», so Giger, der in den Jahren 1999 bis 2010 notabene Rektor der Oltner Schulen war.

Viele Anwohner würden seit Jahrzehnten in einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis mit dem Schulhaus Säli leben. Auch mit dem alten Spielplatz habe es nie Probleme gegeben. Doch seit der Eröffnung des neuen Spielplatzes, der von bis zu vier Klassen gleichzeitig genutzt wird, sei der Gebrauch der Terrassen und Balkone aufgrund der Lärmimmissionen nur noch sehr eingeschränkt möglich.
Stadtrat versteht Baugesuch-Interpretation der Anwohner
Bezüglich des im Baugesuch erwähnten «Aussenklassenzimmers» könne der Stadtrat den Schluss der Anwohner nachvollziehen, davon ausgegangen zu sein, der Aussenbereich würde nicht durchgehend als Spielplatz genutzt. Dies hat die Exekutive im Rahmen eines Mailaustausches mit der AG so festgehalten.
Doch das pädagogische Konzept eines Aussenklassenzimmers schliesse gezielt freies Spiel, Bewegung und Erfahrungslernen im Freien ein. Das Spielen sei daher kein Gegensatz zum Aussenklassenzimmer, sondern ein wesentlicher Teil davon.
Die Nutzung entspreche daher genau dem, was bei der Bewilligung vorgesehen war. Man verstehe aber, dass «die praktische Auswirkung auf die Lärmbelästigung für Sie anders ausgefallen ist als erwartet.»
Die Ruhe wird zum raren Gut
Besonders penetrant ist der Kinderlärm für ein Musikerpaar. Eine Nestschaukel, von den Anwohnern als Hauptlärmquelle ausgemacht, wurde gerade mal rund sieben Meter neben ihrer Wohnung gebaut.
Auf der Schaukel leben oft mehrere Kinder gleichzeitig ihren Bewegungsdrang aus – und sorgen bisweilen für ordentlich Gekreische (siehe Hörprobe in diesem Artikel). Patrick Bisang, Klavierlehrer an den Oltner Schulen, und seine Frau Brigitte Salvisberg, die an der Musikschule Untergäu unterrichtet, haben beide viel Verständnis dafür, dass sich die Kindergartenkinder in Spiel und Spass entfalten möchten.
Beide sind sie aber darauf angewiesen, morgens zu Hause zu üben und den Klavierunterricht vorzubereiten. Der Lärm habe die Grenze des Ertragbaren aber überschritten. «Wir können wirklich sagen, dass unser Arbeiten bedeutend erschwert ist, eine Konzentration ist schwierig. Von Ruhen ist sowieso keine Rede mehr», schildern sie ihre Erfahrungen kürzlich in einem Schreiben an die Co-Schulleitung des Säli-Schulhauses.
Und was sagt der Stadtrat zu den Hörbeispielen, die mit dem Schreiben versandt wurden?
«Wir haben die eingereichten Videoaufnahmen zur Kenntnis genommen. Sie ändern an der Einschätzung des Stadtrats nichts. Die Lärmimmissionen entstehen im Rahmen eines ordnungsgemäss bewilligten und bestimmungsgemäss genutzten Schulbetriebs, der ausschliesslich während der offiziellen Schulzeiten stattfindet. Aus Sicht des Stadtrats ist eine gewisse Immissionsbelastung beim Wohnen in unmittelbarer Nähe einer Schulanlage grundsätzlich hinzunehmen.»
Die Anwohner laden den Stadtrat derweil gerne zum Arbeiten zu sich nach Hause ein, um selbst zu erleben, wie «hinnehmbar» der Lärm sei.
Fehlende Bürgernähe wird beklagt
Inzwischen sorgt jedoch nicht nur der Lärm für Ärger bei der AG, sondern auch das Verhalten der Stadt. Ende 2025 bat die AG um ein gemeinsames Treffen mit den zuständigen Behörden vor Ort beim Sälischulhaus, um im Beisein der Co-Schulleitung eine Lösung zu finden, die für alle Parteien tragbar sei.
Die Rückmeldung des Gesamtschulleiters der Oltner Schulen: Man könne der AG zwei Termine für ein Treffen mit ihm und dem Leiter Direktion Bau anbieten – im Stadthaus. In einer Begehung vor Ort sehe man keinen Mehrwert.
Der Grund: Bereits in einem früheren Schreiben wurde der AG kommuniziert, dass man ihr Anliegen, die Entfernung der Nestschaukel, leider nicht berücksichtigen könne. Das Thema sei auch im Stadtrat diskutiert worden; dieser teile die Haltung, dass der Spielplatz wie bisher benutzt und weitergeführt werden soll.
Der Stadtrat beruft sich bei seinem Entscheid mitunter auch auf die geltende Rechtslage, wie Stadtpräsident Thomas Marbet gegenüber der NOZ mitteilt. Kinderlärm auf Spielplätzen gelte nach Schweizer Recht als sozialadäquat und sei von Anwohnenden zu dulden.
Das Bundesgericht habe dies in einem Leiturteil (1A.167/2004 vom 28. Februar 2005) bestätigt, in dem es eine Klage auf Entfernung eines Spielgeräts abwies.
Da eine Mehrheit der AG an den zwei von der Stadt offerierten Terminen werktags an einem Vormittag verhindert war, bat sie weiterhin um ein Treffen – vor Ort. Über mehrere Schreiben der AG, die sich bis in den Mai 2026 erstreckten, änderte sich an der Haltung der Stadt in der Folge jedoch nichts. Nur der Unmut der Anwohner wurde noch grösser.

Auf ihre Schreiben vom 26. Januar und 27. Februar reagiert der angeschriebene Stadtrat erst gar nicht. In einem weiteren Schreiben vom 9. März findet die AG daher deutliche Worte über dieses Verhalten:
Nach aussen propagiere der Stadtrat eine solidarische Stadtgemeinschaft durch gelebte Begegnung und aktive Teilhabe, wenn aber anständige, pflegeleichte Einwohnerinnen und Einwohner sowie Steuerzahlende nach Jahrzehnten einmal ein Problem vorbrächten, werde man einfach ignoriert. Und: «Warum diese Ignoranz und Arroganz?»
Der Stadtpräsident schreitet ein
Nun, als der Tonfall deutlicher wird, geht's plötzlich schnell. Tags darauf, am 10. Mai, antwortet Stadtpräsident Thomas Marbet ausführlich auf die Schreiben der AG. Man habe diese sorgfältig zur Kenntnis genommen und bitte um Verständnis, dass «die Bearbeitung Ihres Anliegens angesichts der Vielzahl täglich eingehender Anfragen etwas mehr Zeit in Anspruch genommen hat als von Ihnen gewünscht.»
Der Stadtrat anerkenne, dass die Anwohnenden ihre Anliegen über lange Zeit konstruktiv und auf dem richtigen Weg vorgebracht hätten und seit vielen Jahren eine gute Nachbarschaft mit dem Schulhaus pflegen würden; dies schätze man sehr.
Gleichzeitig verweist Marbet auf das Schreiben des Gesamtschulleiters, in dem die Haltung des Stadtrats bereits dargelegt wurde. Und: Der Spielplatz sei ordnungsgemäss bewilligt worden. Er diene den Kindern als Pausenraum, Erlebniswelt und Aussenklassenzimmer und sei daher ein zentraler Bestandteil des Schulbetriebs.
Wann wird der Spielplatz genutzt?
Die Nutzungszeiten des Spielplatzes böten aus Sicht des Stadtrats einen ausreichenden Schutz vor übermässiger Lärmbelastung für die Nachbarschaft. Man sei sich jedoch bewusst, dass dies nicht der Antwort entspreche, welche sich die Anwohnenden erhofft hätten.
Wie Thomas Marbet der NOZ mitteilt, seien die Nutzungsfenster des Spielplatzes eng begrenzt. Der Spielplatz sei werktags am Morgen von 9. 55 –10.15 Uhr (Pause Kindergarten) sowie von 11 – 11.45 Uhr (Kindergarten draussen) in Betrieb. An den Nachmittagen nur am Montag und Donnerstag von 14.15 – 15.20 Uhr sowie am Dienstag von 15.05 – 15.20 Uhr.
Am Mittwoch- und Freitagnachmittag werde der Spielplatz nicht genutzt. Zudem komme es vor, dass vereinzelte Kinder während den Einlaufzeiten durch eine Betreuungsperson auf dem Spielplatz begleitet werden, da der Primarschulunterricht um 7.45 Uhr und der Kindergartenunterricht um 8.15 Uhr beginnt.
Die AG bestätigt zwar, dass der Spielplatz während der Pause und am späteren Vormittag am stärksten genutzt werde, die Nutzung würde sich aber mitnichten auf die oben genannten Zeiten beschränken.
Wie geht's nun weiter?
Diese Diskrepanz zur Wahrnehmung der Nutzungszeiten zeige beispielhaft auf, weshalb ein Treffen vor Ort sehr wohl einen Mehrwert bringe, so die Anwohnenden. «Für uns ist es unverständlich, dass sich die zuständigen Behörden kategorisch dagegen sträuben, die Sache mit uns vor Ort anzuschauen und keine für alle Parteien tragbare Lösung herbeiführen wollen», hält Anwohner Rolf Braun fest.
Lösungsmöglichkeiten hätten die Anwohner viele zur Hand. Nebst einem anderen Standort könnte die Nutzung der Schaukel beispielsweise auf die Pause beschränkt werden.
Aus Sicht des Stadtrats gehört eine Netzschaukel jedoch zur Grundausstattung eines zeitgemässen Kinderspielplatzes. Zudem ist der Stadtrat überzeugt, dass bauliche Einzelmassnahmen das Problem nicht lösen würden, da der Lärm einer belebten Schulanlage nicht an einem einzelnen Spielgerät festgemacht werden könne.

Als kürzlich ein Eltern-Kinder-Abschiedsanlass einer 1./2. Klasse auf dem Spielplatz stattfand und dieser den Anwohnern durch die Schulleitung erst kurzfristig mitgeteilt werden konnte, wurde die Schaukel indes vorsorglich gesperrt.
Dafür ist die Anwohnerschaft einerseits dankbar, andererseits stellt sie in diesem Handeln einen klaren Widerspruch zu den Äusserungen des Stadtrats fest. Auch sonst habe die AG mit der Schulleitung kleinere Verbesserungen herbeiführen können.
Dazu gehört, dass der Missbrauch einer Feuerschale als lärmiges «Gong-Instrument» unterbunden werden konnte. Die Abschlussfeiern sollen sich zudem auf die zwei Wochen vor dem Ende des Schuljahres beschränken.
Weitreichendere Entscheidungen überschreiten jedoch die Kompetenzen der Säli-Schulleitung. Zusätzliche, insbesondere bauliche Massnahmen sieht der Stadtrat indes nicht vor und er erachtet die Angelegenheit als abgeschlossen.
Die AG gibt derweil nicht klein bei. Aktuell läuft eine Unterschriftensammlung, die eine gemeinsame Begehung vor Ort mit den Behörden fordert. Bereits wurden über 40 Unterschriften gesammelt.
Dass «quasi vom Bürotisch aus» abschliessend gegen ihre Anliegen entschieden wurde, wolle man nicht einfach so hinnehmen. Der Konflikt hat sich also noch lange nicht ausgeschaukelt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Neuen Oltner Zeitung» erschienen.




