Shitstorm nach Fasnachts-Schubser: Jetzt spricht der Kameramann!

Sie lösten einen regelrechten Shitstorm aus. Jetzt ziehen die Büezer die Notbremse – und sprechen mit Nau.ch über den Schubser von Solothurn.
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- Am Fasnachtsumzug in Solothurn wird eine Musikantin angerempelt und verletzt.
- Das Video landete auf Facebook und löste einen Shitstorm aus.
- Jetzt sprechen die Auslöser der Online-Hetzjagd mit Nau.ch.
Ein Schubser am Solothurner Umzug – und das Netz kennt kein Pardon. Die Musikantin einer Gugge wird am 15. Februar angerempelt und verletzt sich dabei.
Eine Kamera fängt alles ein. Der Clip wird hundertfach geteilt. Die Konsequenzen: Zahlreiche Kommentare und Beleidigungen auf Facebook.
Ein User bot sogar 200.- Franken für Hinweise zur Identität des Schubsers!
«Distanziere mich»
Doch jetzt kann der junge Mann aufatmen. Die unverpixelten Bilder und Videos wurden inzwischen vom Netz entfernt.
Nach der Online-Hetzjagd brechen nun die Auslöser des Shitstorms ihr Schweigen.
Der Kameramann sagt zu Nau.ch: «Nachdrücklich distanziere ich mich von den Hasskommentaren und persönlichen Angriffen, die in den sozialen Medien und teilweise in der Berichterstattung aufgetaucht sind. Diese haben absolut keinen Platz.»
Der Filmer stellt aber auch klar: «Gewalt hat an der Fasnacht, insbesondere während eines öffentlichen Umzugs mit vielen Kindern, ebenfalls keinen Platz.»
Der Shitstorm kam schnell und heftig – aber nicht völlig unerwartet: «Wer einen öffentlichen Umzug stört oder in diesen eindringt, muss damit rechnen, von zahlreichen anwesenden Personen gesehen und erkannt zu werden. Unabhängig davon, ob eine Videoaufnahme existiert», wie der Kameramann sagt.
Seine Aufnahmen zeigen den jungen Schubser allerdings nur seitlich und von hinten.
Darum landete die Szene im Netz
Der Kameramann meint: «Ob das Video tatsächlich zur Identifikation der Person geführt hat, kann ich nicht beurteilen. Ich gehe davon aus, dass vor allem der mediale Druck, den das Video ausgelöst hat, zur Identifikation beigetragen hat. Eventuell noch die 50 Franken», die gewisse Medien als Belohnung für Infos aussetzten.
Der Filmemacher hat den Vorfall zwar auf Kamera eingefangen, ins Netz gestellt hat den Clip aber jemand anderes.
Eine Gugge aus der Deutschschweiz hatte sich entschieden, das Video und zwei Fotos des Täters auf Facebook zu teilen. «Weil es nicht geht, dass an der Fasnacht Gewaltübergriffe ausgeübt werden. Fasnacht steht für Freude und friedliches Zusammensein», heisst es auf Anfrage.
Doch der Shitstorm hinterliess auch bei der Gruppe einen üblen Nachgeschmack: «Wir haben das Video gelöscht, weil es so viele negative Bemerkungen gegeben hat.»
Rechtliche Überlegungen spielten ebenfalls eine Rolle «da die verursachende Person nicht verpixelt» war, so die Gugge.
Schubser hat sich entschuldigt
Vor wenigen Tagen stellte sich heraus, dass der Fasnachts-Schubser 18 Jahre alt ist und noch bei den Eltern wohnt.
Er bereue seine Tat und wolle sich persönlich bei der Trommlerin entschuldigen, sagte er später: «Ich hab mich dann komisch gefühlt und ein schlechtes Gefühl gehabt.»
Seit dem Vorfall habe er intensiv darüber nachgedacht. «Ich war emotional aufgeladen. Ich habe in diesem Moment nicht überlegt.»









