Trockenheit lässt Häuser absacken – Versicherungen zahlen nicht

Nach dem Rekordsommer melden Spezialfirmen deutlich mehr Setzrisse und abgesackte Fundamente. Für Eigentümer wird das schnell teuer.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Trockenheit setzt in der Schweiz zunehmend auch Häusern und Fundamenten zu.
- Spezialfirmen melden deutlich mehr Anfragen wegen Setzrissen und Bodensenkungen.
- Besonders anfällig sind lehmige, tonige oder weiche Böden.
- Versichert sind solche Schäden oft nicht, Sanierungen kosten Zehntausende Franken.
Die Schweiz hat gerade den heissesten Sommer seit Messbeginn hinter sich. Die Folgen zeigen sich nicht nur in ausgedörrten Böden und tiefen Wasserständen – auch Häusern setzt die Trockenheit zu.
Beim Baugrund-Spezialisten Soiltec aus Zofingen AG haben sich in den vergangenen Wochen deutlich mehr Hauseigentümer wegen Bodensetzungen, Setzrissen und abgesackten Fundamenten gemeldet.
«Seit Juli gingen achtmal so viele Anfragen ein wie im gleichen Zeitraum 2025», sagt Firmengründer Peter Jäggi gegenüber Nau.ch.
Bei allen von Soiltec untersuchten Fällen spielte in diesem Jahr trockener beziehungsweise geschrumpfter Boden die entscheidende Rolle.
In früheren Jahren sah das anders aus. Damals seien vor allem undichte Dachwasserableitungen die Ursache gewesen. Wasser könne dabei den Untergrund aufweichen oder Material ausschwemmen.
Schiebetüren lassen sich nicht mehr schliessen
Die Absenkungen können beträchtlich sein: Soiltec beobachtet derzeit Setzungen von zwei bis fünf Zentimetern.
Besonders schnell bemerken Eigentümer das bei Wintergärten, erklärt Jäggi: «Die betroffenen Bauherren reagieren umgehend, wenn die Schiebetüren nicht mehr schliessen beziehungsweise vom Wintergartenbauer nicht mehr nachjustiert werden können.»
Das Problem beschränke sich nicht auf eine bestimmte Gegend. Betroffen seien grundsätzlich Orte in der ganzen Schweiz, an denen bindige, also etwa lehmige oder tonige Böden vorkommen, sagt Jäggi.

Auch beim Spezialbauunternehmen Uretek Schweiz mit Sitz in Hergiswil NW ist die Nachfrage gestiegen. Von Januar bis August gingen dort 41 Prozent mehr Anfragen ein als im gleichen Zeitraum 2025.
Gegenüber 2024 beträgt das Plus immerhin 17 Prozent, sagt Markus Fuchsberger, Leiter Finanzen und Verwaltung.
Auch die tatsächlich ausgeführten Aufträge nahmen zu: Um 33 Prozent gegenüber 2025 und um vier Prozent gegenüber 2024.
«Die Trockenheit spielt bei der Zunahme der Anfragen und Aufträge eine wesentliche Rolle», so Fuchsberger.
Risse am Haus
Dass anhaltende Trockenheit solche Schäden verursachen kann, bestätigt Alexander Puzrin, Professor für Geotechnik an der ETH Zürich.
Dabei spielen laut dem Experten zwei Mechanismen eine Rolle.
Zum einen verlieren tonhaltige Böden bei Trockenheit Wasser und schrumpfen. Liegt ein Fundament auf einem solchen Untergrund, kann es sich mitbewegen.
Zum anderen kann bei längerer Trockenheit der Grundwasserspiegel sinken. Dadurch können weiche Bodenschichten stärker zusammengedrückt werden und sich setzen.
«Für Gebäude sind vor allem ungleichmässige Setzungen kritisch», erklärt Puzrin. Vereinfacht gesagt: Ein Teil eines Hauses sinkt stärker ab als ein anderer. Dadurch können Risse entstehen.

Setzungen von zwei bis fünf Zentimetern, wie von Soiltec beobachtet, seien aus geotechnischer Sicht durchaus realistisch, sagt Der ETH-Professor.
Besonders empfindlich seien tonreiche Böden, die bei Wasserverlust stark schrumpfen können. Auch andere weiche und gut zusammendrückbare Bodenschichten können betroffen sein, wenn der Grundwasserspiegel deutlich sinkt.
Eine Karte mit besonders gefährdeten Schweizer Regionen gibt es allerdings nicht. Entscheidend seien die lokalen Bodenverhältnisse. «Selbst zwei nahe beieinanderliegenden Gebäude können auf sehr unterschiedlichem Baugrund stehen», sagt Puzrin.
Eigentümer bleiben auf den Kosten sitzen
Für Hausbesitzer kommt ein weiteres Problem hinzu: Solche Schäden sind für gewöhnlich nicht versichert.
Der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) verweist darauf, dass Bodensenkungen rechtlich nicht zu den Elementarschäden gehören. Als solche gelten etwa Hochwasser, Sturm, Hagel, Lawinen, Felssturz oder Erdrutsch.
Ob ausserhalb dieser Elementarschadendeckung trotzdem eine Versicherung zahlt, hängt von der Ursache, dem jeweiligen Vertrag und möglichen Zusatzdeckungen ab.
Auch die kantonalen Gebäudeversicherungen decken Bodensetzungen nicht. Die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) führt deshalb auch keine entsprechende Schadenstatistik.
Das könnte mit erklären, weshalb Versicherer keine Häufung feststellen, während spezialisierte Firmen deutlich mehr Anfragen verzeichnen.
VKG-Sprecher Rolf Meier hält es für möglich, «dass Eigentümerschaften bei Versicherungen gar nicht erst Schäden melden». Werden sie gemeldet, könnten Versicherer sie aufgrund des Ausschlusses rasch ablehnen.
Sanierung kann Zehntausende Franken kosten
Für Betroffene kann das teuer werden.
Bei Soiltec kostet eine Stabilisierung des Baugrunds mit anschliessender Anhebung des betroffenen Gebäudeteils laut Jäggi zwischen 15'000 und 30'000 Franken.
Bei Uretek liegt der durchschnittliche Auftrag bei rund 25'000 bis 28'000 Franken. Die Spannweite reicht von etwa 7000 bis 350'000 Franken.

Mit der fortschreitenden Klimaerwärmung könnte sich das Problem verschärfen.
Puzrin sagt: «Wenn längere und intensivere Trockenperioden häufiger werden, ist auch mit einer Zunahme der entsprechenden geotechnischen Auswirkungen zu rechnen.»
Im Klartext: Dann wird es vermehrt zu Veränderungen des Baugrunds durch Schrumpfung oder Setzungen kommen.
Risiko hängt von Boden und Grundwasser ab
Das bedeute allerdings nicht, dass künftig schweizweit mit Fundamentproblemen zu rechnen sei. Das Risiko hänge stark vom Boden und Grundwasser am jeweiligen Standort ab.
Besonders folgenreich können Setzungen durch einen sinkenden Grundwasserspiegel sein.
Denn: Während sich geschrumpfter Boden bei neuer Feuchtigkeit teilweise wieder ausdehnen kann, sind Verdichtungen im Untergrund laut Puzrin häufig weitgehend dauerhaft.









