Unternimmt Olten genug für Velosicherheit, Lukas Lütolf?

Velofahren in Olten soll sicherer und einfacher werden. Lukas Lütolf, Junge Grüne Region Olten, erklärt, wo es in der Stadt noch hapert.

Mehr Platz, mehr Sicherheit und weniger Hindernisse: Lukas Lütolf (Junge Grüne Region Olten) setzt sich für ein velofreundlicheres Olten ein. Im Interview spricht er darüber, wo es für Velofahrende in der Stadt noch hapert, was er vom Mischverkehr auf dem geplanten Aaresteg hält und darüber, weshalb E-Trottinette strengere Regeln brauchen.
Redaktion: Lukas Lütolf, wofür nutzen Sie das Velo hauptsächlich?
Lukas Lütolf: Das Velo ist für mich vor allem ein Mittel, um mich im Alltag vorwärts zu bewegen. Dies liegt auch an unserem WG-eigenen Cargovelo, mit dem sich so ziemlich jeder Einkauf bewerkstelligen lässt. Weiter bin ich auch mit dem Mountainbike auf den umliegenden Hügeln anzutreffen.
Redaktion: Ende August organisierte «Olten im Wandel» wieder eine Velo-Demo. Wo haben diese Demos ihren Ursprung?

Lütolf: Das Konzept stammt von den «Critical Mass»-Demos, wie man sie vor allem aus Zürich kennt. «Olten im Wandel» führt diese schon seit Jahren durch. Früher war es jedoch stets der letzte Freitag im Monat.
Ich und weitere Involvierte fanden dann aber, es macht mehr Sinn, diese nur einmal pro Jahr durchzuführen. Einerseits weil statt rund 15 Personen 100 und mehr teilnehmen, andererseits weil die Demo aufgrund des offiziellen Charakters so auf breitere Akzeptanz stösst.
Redaktion: Wie fühlte es sich an, an den Demos sorgenfrei Velo fahren zu können, ohne auf 1,5 Meter Velostreifenbreite eingeengt zu sein?
Lütolf: Es ist schon sehr befreiend und entspannend. So stelle ich mir die Zeiten vor, als es wegen der Ölkrise in den 70er-Jahren noch autofreie Sonntage gab. Damals waren die Leute selbst auf der Autobahn mit Rollschuhen unterwegs.
Redaktion: Wie reagieren die restlichen Verkehrsteilnehmenden auf die Demos? Nehmen Sie diese wahr?
Lütolf: Man blickt schon in die Autos hinein (schmunzelt). Insbesondere heuer hatte ich den Eindruck, die Reaktionen waren überwiegend positiv. Viele haben gelächelt oder gewunken.
Dadurch, dass mitunter auch die Polizei stets präsent ist, wird zudem klar signalisiert, dass es eine bewilligte Veranstaltung ist. Wir sind auch nicht unbedingt Anti-Auto, wir sind vor allem pro Platz fürs Velo.
Unsere Forderungen gehen zwar bisweilen auf Kosten der Autos, doch Konfrontation ist nicht das Ziel unserer Demos. Aber ja: Es gibt immer einige, die sichtlich genervt sind.
Redaktion: Welche Stellen in Olten sind mit dem Velo besonders gefährlich?
Lütolf: Man muss zwischen den faktisch gefährlichen und den potenziell gefährlichen Orten unterscheiden. Faktisch gab es meines Wissens in letzter Zeit keinen schweren Velounfall. Aber potenzielle Gefahren gibt es auf jeden Fall – und am Ende ist jeder Unfall einer zu viel.
Bei der sanierten Postkreuzung ist die Spurführung klarer geworden, später wurde auch nochmals nachgebessert. Dennoch bleibt das Nadelöhr bestehen, solange das Veloverbot durch die Winkelunterführung in Kraft ist.
Ein weiterer Dauerbrenner ist der Klosterplatz mit den rückwärts aus dem Parkplatz hinausfahrenden Autos. Auch der Säli-Kreisel ist stets anspruchsvoll. Schliesslich ist auch das Einbiegen von der Neuhard- auf die Aarauerstrasse sehr eng.
Redaktion: Unternimmt die Stadt genug für die Velosicherheit?
Lütolf: Die Stadt zieht sich nicht aus der Verantwortung und unternimmt vieles. Bei Umleitungen aufgrund von Baustellen und Veranstaltungen kann die Signalisation aber sicher noch optimiert werden.
Und bei den paar Mal, in denen es im Winter noch schneit, wäre es gut, wenn der Schnee nicht einfach direkt auf den Velostreifen weggeräumt wird.
Redaktion: Weshalb brauchte es einen Offenen Brief an die zuständige Regierungsrätin Sandra Kolly, um auf die Wichtigkeit der im kantonalen Richtplan vorgesehenen Velovorrangrouten hinzuweisen?
Lütolf: Die Routen sind ja vorgesehen. Vorgesehen heisst nicht umgesetzt. Die Liste öffentlicher Bauprojekte, die geplant, aber nie realisiert wurden, ist lange.

Die Schuld ist daher nicht nur, aber auch bei der zuständigen Politik zu suchen. Der Offene Brief von «Olten im Wandel» war daher eine Erinnerung an die Regierung, dass das Projekt für unsere Region höchste Priorität hat.
Redaktion: Wo sollen diese Vorrangrouten im Raum Olten hindurchführen?
Lütolf: In Teilen bestehen die Routen im Rahmen des nationalen Velowegnetzes bereits – einsehbar auf «SchweizMobil». Primär geht es um Abschnittsverbesserungen.
Einerseits zwischen Dulliken und Olten, wo die Velospur bei der Hauptstrasse vom Friedhof Meisenhard bis zum Bifang-Quartier verbessert werden soll. Auch die Route Olten-Trimbach der linken Aareseite entlang soll bauliche Optimierungen wie Poller und Markierungen erfahren.
Redaktion: Was bringt der geplante neue Bahnhofplatz für Velos?
Lütolf: Dank der geplanten Velostationen wird es aareseitig massiv mehr Veloabstellplätze geben. Heute sind es knapp 900, künftig sollen es 1500 sein.
Zudem soll der Zugang direkt über den neuen Aaresteg erfolgen. Auch die Spurführung von der Industrie her wird besser ausfallen.
Redaktion: Am Aaresteg soll Mischverkehr herrschen. Kann das funktionieren?
Lütolf: Eine getrennte Spurführung wäre wünschenswert gewesen. Wir Grünen haben dies damals auch in der Vernehmlassung eingebracht, da bekanntlich alle mit und ohne Velo schnell zum Bahnhof gelangen möchten. Beim Aaresteg ist eine Spurtrennung aufgrund der baulichen Vorgaben aber leider nicht möglich – so die Erklärung.
Im Endeffekt ist es auch eine Frage der Anpassung. Beim Bahnhofplatz Basel wissen alle, dass es ein «Gnosch» ist. Deshalb funktioniert es. Ich hoffe, beim Aaresteg und Ländiweg wird es sich ähnlich entwickeln.
Redaktion: Beim zum Bahnhof führenden Ländiweg ist künftig «Schritttempo» für Velos vorgesehen. Ist dies realistisch?
Lütolf: Nach exakter Definition ist es natürlich schon langsam. Ich fahre im Mischverkehr immer bremsbereit, sodass ich entsprechend reagieren kann. Am Ende braucht es gegenseitige Rücksichtnahme.
Redaktion: In der Oltner Politik gibt es seit einem Jahr eine linke Parlamentsmehrheit. Was ging seither politisch bezüglich Velo in Olten? Wofür wollen Sie sich auch künftig stark machen?
Lütolf: In den letzten Jahren sind schon verschiedenste Vorstösse vom Parlament behandelt worden. Dies liegt auch, aber nicht nur an den Vorstössen der Fraktion Grüne/Junge Grüne (schmunzelt).
Aktuell steht die Vertiefung bestehender Projekte im Fokus. Die Winkelunterführung ist seit Jahrzehnten ein Thema.
Nächste Woche kommt der Bahnhofplatz vors Parlament. Weiter wurde die ganze Grundlagenarbeit für den «Masterplan Velo» gemacht, der fast ein Idealbild darstellt, wie sich Olten velofreundlich gestalten liesse. Zudem hat der Stadtrat bereits in der letzten Legislatur damit begonnen, den Quartieren auf Antrag Begegnungszonen zu ermöglichen.
Die Hauptforderung der 1. Velo-Demo – Tempo 30 auf Hauptstrassen – ist überdies nach wie vor präsent. Der Stadtrat hat einen Antrag beim Kanton gestellt. Es wird am Ende wohl darauf hinauslaufen, dass diesbezüglich einzelne Strassenabschnitte priorisiert werden.

Redaktion: Der Oltner Velo-Hauslieferdienst Collectors ging Ende 2025 Konkurs. Kann ein ähnliches Angebot mit besserer Infrastruktur künftig ohne staatliche Subventionen funktionieren?
Lütolf: Die Veloinfrastruktur in Olten war sicher eine Hürde, aber es gab auch weitere Herausforderungen wie der Wegfall eines Sozialpartners. Die Kleinräumigkeit Oltens schränkt zudem ein, mit wem man als Lieferdienst zusammenarbeiten kann.
Grundsätzlich wäre es in Olten möglich, aber die Rahmenbedingungen müssten sich stark verändern – Schlagwort «Smart Mobility», die Umlagerung des Güterverkehrs. Plakativ und stark reduziert ausgedrückt: Der LKW fährt bis zur Stadtgrenze, wo die Ware auf andere Verkehrsträger umgeladen wird.
Redaktion: Zum Schluss: Wie stehen Sie eigentlich zu E-Trottinetten?
Lütolf: Wenn derlei Verkehrsmittel zu einer Reduktion des Autoverkehrs führen, sind sie eigentlich begrüssenswert. Doch neue Geräte bringen stets neue Herausforderungen mit sich.
Die bestehenden Regeln müssen klarer kommuniziert und umgesetzt werden, sprich: Es muss mit Kontrollen gearbeitet werden. Und aus Sicherheitsgründen sind Verschärfungen nötig.
Etwa eine Helmpflicht oder strengere Tempolimits: Wenn du dir nur eine App hinunterladen musst, damit du das Gerät 20 km/h schneller tunen kannst, muss bei der Produktkontrolle genauer hingeschaut werden.
Was den ÖV betrifft, sehe ich weniger ein Problem, wenn die E-Trottis zusammengeklappt sind. Ansonsten sollte man sie wie Velos behandeln – also wo nötig mit entsprechender Reservationspflicht.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Neuen Oltner Zeitung» erschienen.








