86-Jährige rettet Dorfbeiz – sie kocht und backt selber

Mit 86 Jahren steht Cecile Bitterlin wieder hinter dem Tresen. Nach dem plötzlichen Tod ihres Sohnes übernimmt sie sein Restaurant «Sonne» und eröffnet wieder.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach dem unerwarteten Tod des Pächters musste das Restaurant «Sonne» in Wisen SO schliessen.
- Die Mutter des Verstorbenen entschliesst sich kurzerhand, das Restaurant zu übernehmen und wieder zu eröffnen.
- Die 86-jährige Cecile Bitterlin kocht, backt und bedient, bis eine definitive Nachfolge gefunden ist.
Das Restaurant «Sonne» im solothurnischen Wisen schloss Anfang Juni seine Türen. Das Dorf verlor damit seinen wichtigsten Treffpunkt. Grund für die Schliessung war der unerwartete Tod des Pächters Daniel Bitterlin.
Der 66-jährige Gastronom starb mit 66 Jahren an einem Herzinfarkt. Seine Mutter Cecile Bitterlin traf die Trauer hart. Sie unterstützte in den letzten zehn Jahren ihren Sohn täglich in der «Sonne».
Die Einsamkeit zu Hause sei für die 86-Jährige kaum auszuhalten gewesen, erzählt sie gegenüber SRF. Und sie konnte nicht akzeptieren, dass die «Sonne» geschlossen bleiben würde.

Nur wenige Wochen nach dem Tod ihres Sohnes fasste Cecile Bitterlin trotz ihres hohen Alters einen Entschluss. Die «Sonne» sollte wieder öffnen.
Sie kocht und backt selber
SRF berichtet: Seit Anfang August hat die Dorfbeiz wieder geöffnet. Und Cecile Bitterlin steht wieder hinter dem Tresen, bedient Gäste und kocht. Denn da der Aushilfskoch gerade im Urlaub ist, übernimmt die 86-Jährige die Küche kurzerhand selbst.
Neben Kochen backt rüstige Seniorin auch alles selbst: Brot, Zöpfe und ihre weitherum bekannten Cremeschnitten. «Ich staune, wie gut es geht», sagt sie schmunzelnd über ihre eigene Energie.

Unterstützt wird sie im Service von Corina Schläpfer. Die junge Frau zeigt sich tief beeindruckt. Ihre Chefin sei morgens als Erste da und gehe abends als Letzte.
Für Wisen, ein Dorf nahe der Hauenstein-Passhöhe im Kanton Solothurn, bedeutet die Wiedereröffnung viel.
Trotz allem versteht die dreifache Urgrossmutter ihr Engagement als vorübergehende Lösung. Sie will die «Sonne» nur so lange führen, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden ist. Liegenschaftsbesitzerin Nussbaumer sucht bereits, doch wie bei vielen Landgasthöfen gestaltet sich das schwierig.
Die 86-Jährige hat es aber nicht eilig. Auf die Frage, was sie tun werde, wenn die Nachfolge geregelt ist, antwortet sie gelassen: «Dann gehe ich reisen. Das mache ich auch gerne.»




