Wirtschaftsförderer: «Olten ist Zentrum zwischen den Zentren»

Kurze Wege, vielfältige Unternehmen, knappe Flächen: Rolf Schmid, Wirtschaftsförderer der Region Olten, spricht über Stärken und Herausforderungen der Region.

Redaktion: Rolf Schmid, bei unserem letzten grossen Interview im Juni 2018 sagten Sie: «Nicht alles Coole muss immer in Zürich stattfinden». Was war das letzte Coole, das im Raum Olten stattfand?
Rolf Schmid: Ich darf jeden Tag erleben, wie viele coole, gute Firmen wir in Olten haben. Kürzlich war ich beispielsweise an der Eröffnungsfeier des neuen Standortes der Firma Tonet in Däniken. Ich hatte die Gelegenheit, in den Betrieb hineinzuschauen und zu sehen, welche kompetente Arbeit mit welcher Qualität geleistet wird. Das hat mich sehr begeistert.
Cool ist auch, dass wir als Wirtschaftsförderung das Oltner Wirtschaftsforum ins Leben rufen konnten, an dem zuletzt über 200 Personen teilgenommen haben. Toll ist zudem die Vielfalt der Berufe in Olten: von Jobs, die sich mit KI befassen bis hin zum Drohneningenieur gibt es im Raum Olten ganz unterschiedliche Berufschancen.
Abseits der Wirtschaft das International Photo Festival Olten eine herausragende Sache. Wenn man sich vor Augen führt, mit welch bescheidenen Mitteln das Ganze auf die Beine gestellt wird, ist dies Engagement pur – das ist Olten.
Redaktion: Gemäss Website der Wirtschaftsförderung Region Olten (WRO) hat das 34 Gemeinden umfassende Gebiet eine Million potenzielle Mitarbeitende. Wie genau ist diese Zahl zu verstehen?
Schmid: Die Plattform der WRO nennt sich mittlerweile nicht ohne Grund «verbindungsreich». Olten ist das Zentrum zwischen den Zentren. Die Konstellation, dass man aus Zürich, Basel, Bern und Luzern innert 30 bis 45 Minuten nach Olten zur Arbeit fahren kann, ist ein riesiges Asset.

Das zeigt sich täglich morgens am Bahnhof, wenn die Leute in die Stadt strömen. Es gibt in der Schweiz Regionen, die Probleme haben, Fachkräfte zu finden, weil die Erreichbarkeit nicht gegeben ist. Erst jüngst hatte ich ein Gespräch mit der Gründerin eines jungen Oltner Medizinaltechnik-Unternehmens.
Sie hatte dabei gerade wieder bekräftigt, wie stark das Unternehmen bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden von den guten Verbindungen profitiert. Auch bei Firmen, die sich zusammenschliessen, höre ich oft, dass es im Raum Olten Sinn macht, weil der neue Arbeitsweg für alle einigermassen gleich weit ausfällt.
Redaktion: Abgesehen von den guten Verbindungen: Welche weiteren Standortvorteile bietet Olten und seine Umgebung?
Schmid: Sicher die gute Verfügbarkeit und preisliche Attraktivität der Immobilien im Vergleich zu den Grossstädten – sowohl für die Wirtschaft wie auch zum Wohnen. Aber auch andere Faktoren wie das Naherholungsgebiet können wichtig sein: Bei einer Firma, die gespalten war zwischen einem Standort im Kanton Luzern und Olten, kam beim gegenseitigen Austausch auch Privates zur Sprache.
Als ich von den tollen Bike-Möglichkeiten in der Region erzählte, merkte ich, wie sich zwei Mitglieder der Geschäftsleitung dafür zu interessieren begannen. Am Ende kam heraus, dass es für sie wichtig war, über die Mittagspause schnell raus in die Natur gehen zu können.
Ein weiterer Pluspunkt sind die kurzen Wege zur Verwaltung: Die Firmen wissen, mit wem sie es zu tun haben und erhalten schnell Auskunft. In der heutigen Zeit, in der das Tempo zählt, ist dies sehr wichtig.
Redaktion: Was zählt alles zu den Aufgaben der Wirtschaftsförderung?
Schmid: Die Stärkung der Wirtschaftskraft in der Region ist unsere Hauptaufgabe, denn sie führt zu einem guten Einkommen in der Bevölkerung, besseren Steuererträgen und mehr Unterstützung von Vereinen und Institutionen.
Eine konkrete Aufgabe ist die «Bestandespflege». Wir halten Sorge zu den Unternehmen, die bereits hier sind. Wir sind ihre Anlaufstelle, beantworten Fragen, können Türen öffnen und Verbindungen schaffen. Wir versuchen darüber hinaus dem Wirtschaftsraum Impulse zu geben, sei es über Events, Workshops oder Projekte.
2025 riefen wir etwa mit Partnern das Projekt «KI-4-KMU» ins Leben. Es ist ein Leitfaden für die Planung und Umsetzung von KI in Unternehmen. Und auch die Vernetzung untereinander ist sehr wichtig.
Redaktion: Wie gehen Sie beim Thema Neuansiedlungen vor?
Schmid: Wenn sich ein Unternehmen für den Standort Olten interessiert, müssen wir den roten Teppich ausrollen und mit einem 1.-Klasse-Service parat sein. Wir haben beispielsweise eine Datenbank, in der wir die Verfügbarkeit von Immobilien prüfen können.
Falls keine passende Lösung vorliegt, lässt sich allenfalls eine kreative Lösung finden, indem zwei Unternehmen an einem Standort angesiedelt werden. Damit Olten auf das Radar der Unternehmen gelangt, braucht es zudem ein gutes Standortmarketing.
Redaktion: Gibt es in Olten überhaupt noch genügend Flächen für die Wirtschaft?
Schmid: Wenn es um eine klassische Bürofläche geht, dann ja. Aber auch hier gilt: Wer nach Olten kommt, möchte idealerweise im Umkreis von 100 Metern des Bahnhofs sein. Sonst entsteht bereits das Gefühl, man sei weit weg, auch wenn es in Zürich gerade mal einer Tramhaltestelle entsprechen würde.
Beim Gewerbe und in der Industrie können Umnutzungen bestehender Immobilien helfen. Sollen es aber frei verfügbare Flächen sein, wird der Platz bereits knapper. Diese gibt es entweder nicht mehr oder sie sind nicht auf dem Markt, da sie als Reserve gehalten werden.
Was mir grundsätzlich Sorge bereitet, ist, dass Arbeitszonenflächen in der Tendenz abnehmen. Zudem stossen Neuansiedlungen teilweise auf Ablehnung, weil man Angst vor mehr Verkehr, Lärm und verbauter Aussicht hat. Man will seine Ruhe haben; es herrscht eine gewisse Wachstumsmüdigkeit.
Redaktion: Ist dies nicht die logische Folge, wenn verfügbare Flächen immer knapper werden?
Schmid: Natürlich. Aber so wie die Wirtschaft vor 50 Jahren vielleicht zu rücksichtslos mit den Flächen umgegangen ist, geht es heute eher in die gegenteilige Richtung. Die Wirtschaft muss ihre Interessen wieder mehr aufzeigen und darauf hinweisen, wie und wo in der Region das Geld verdient wird, damit sie am Ende nicht ganz aus den Dörfern und der Stadt verdrängt wird.
Redaktion: Insbesondere im Gäu ist es aber bei Logistikunternehmen, die grosse Flächen beanspruchen, eine Herausforderung, die nötige Wertschöpfung zu erzielen.
Schmid: Ich verstehe, dass dies für die Bevölkerung eine Belastung ist und nicht immer nur Freude bereitet. Wenn gebaut wird, braucht es hohe Standards und einen sorgfältigen Umgang mit dem Land. Handkehrum ist die Logistik eine wichtige Branche, von der wir alle mit der Verfügbarkeit von Gütern profitieren.
Ziel muss es sein, dass wir nicht nur Hallen und Lastwagen im Gäu haben, sondern auch Hauptsitze. Zudem sollte die gesamte Wertschöpfungskette der Logistik vor Ort abgedeckt sein. Das heisst, dass sich nebst den eigentlichen Logistikbetrieben auch IT-, Robotik- und Automationsunternehmen ansiedeln, die miteinander in Verbindung stehen.
Wenn uns dies gelingt, lassen sich auch die Wertschöpfung, Arbeitsplätze pro Quadratmeter und die Steuererträge erhöhen.
Redaktion: Nebst anderen Leistungsvereinbarungen will der Oltner Stadtrat auch bei der Wirtschaftsförderung Einsparungen vornehmen. Was hat dies konkret für Folgen?
Schmid: Die Kürzung ist natürlich nicht schön und würde unsere Handlungsmöglichkeiten reduzieren. Es gibt einen inneren Kreis an Kerndienstleistungen wie die Funktion als Anlaufstelle, die wir gemäss Leistungsvereinbarung erbringen müssen. Dieser Teil ist trotz den Kürzungen gesichert.
Beim zweiten Kreis an Dienstleistungen, die für mich zu einer modernen Wirtschaftsförderung gehören, sind wir bereits jetzt auf Unterstützung von Firmen, Sponsoren und Projektpartner angewiesen. Hier wird sich zeigen, ob sich die Einsparungen auffangen lassen. Für den äussersten Kreis, das Standortmarketing, brauchen wir nun mal Cash.
Das lässt sich nicht einfach mit eigener Arbeit kompensieren; entsprechend wird es hier zu Abstrichen kommen. Kurz: Wir müssen noch härter priorisieren.

Redaktion: Wie laufen der Austausch und die Zusammenarbeit mit dem vor gut zwei Jahren eingeführten Oltner Citymanagement konkret ab?
Schmid: Die Zusammenarbeit ist sehr eng und sehr gut – persönlich wie organisatorisch. Der Perimeter des Citymanagers ist mit der Innenstadt klar definiert. Seine Aufgabe ist das Füllen der Retail-Flächen und das Bespielen des Aussenraums, damit die Besucherfrequenzen steigen.
Das war zuvor teilweise auch unsere Aufgabe, wir hatten aber schlicht nie die nötigen Ressourcen, um uns voll darum kümmern zu können.
Redaktion: Welche wirtschaftlichen Herausforderungen können die Gemeinden nicht alleine angehen?
Schmid: Die Gemeinden im Gebiet Olten-Gösgen-Gäu haben ein gutes Verständnis über die gemeinsamen Abhängigkeiten. Dies zeigt sich auch an den Gemeindepräsidentenkonferenzen. Es ist überhaupt beeindruckend, wie viel und wie gut die Gemeinden zusammenarbeiten.
Herausforderungen wie der Verkehr lassen sich nur gemeinsam lösen. Dies gilt auch überregional für das «AareLand», also die Wirtschaftsregionen Aarau, Zofingen und Olten. Die gute kantonsüberschreitende Zusammenarbeit zeigt sich auch an der Stadt Aarburg, die nicht nur Mitglied der Wirtschaftsregion Zofingen, sondern auch von Olten ist, da die Städte eng miteinander verknüpft sind.
Redaktion: Zum Schluss: Welche Projekte und Events stehen bei der Wirtschaftsförderung Region Olten als Nächstes auf dem Programm?
Schmid: Vonseiten Wirtschaftsförderung würde ich mir schon lange eine Art Technologiehub wünschen. Die Startup-Szene findet primär dort statt, wo technische Universitäten und Forschungszentren sind. Dies lässt sich in unserer Region nicht von heute auf morgen realisieren.
Wir werden jedoch am 4. Dezember erstmals ein Techforum in Olten durchführen. Dieses dreht sich um die Themen Robotik, Automation und «Smart Logistics». Damit wollen wir eine Plattform schaffen, in der sich ansässige und weitere Firmen praxisnah und anwendungsorientiert über diese Technologien unterhalten können.
Meine Hoffnung ist, dass wir daraus Programme wie ein «Innovation Desk» ins Leben rufen können, um den Bereich Innovation und Technologie in der Region künftig stärken zu können.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Neuen Oltner Zeitung» erschienen.







