«Wohl mein Freund»: Faustin (36) fand Menschenbein im Fluss

Ein menschliches Bein in Rhein: Jetzt spricht der Mann, der den Horrorfund von Stein AG machte.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Rhein bei Stein AG wurden am Sonntag mehrere Säcke mit menschlichen Leichenteilen gefunden.
- Jetzt spricht einer der Männer, der den Horrorfund machte.
- Er glaubt, sein Freund aus Burundi wurde getötet - weil er verfolgt wurde.
Was Faustin (36) am Sonntagmorgen erlebt, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Der Mann aus Burundi (Ostafrika) lebt in einem Asylheim in Stein AG. Und er ist einer der drei Männer, die ein menschliches Bein im Rhein entdeckten.
Um 06:30 Uhr ruft ihn sein Bruder, der ebenfalls im Asylheim wohnt, aufgeregt an. Er habe im Fluss einen Sack gefunden. Als Faustin an den etwa 100 Meter entfernten Rhein eilt, ziehen sie den Sack an Land.
Und schnell wird klar: Im Sack steckt ein menschliches Bein. Es ist das eines Mannes.
Die drei Männer verständigen die Polizei. Diese sucht mit einem Boot und Tauchern im Rhein – und findet weitere Säcke mit Leichenteilen.

Polizei bestätigt: Es ist Gewaltverbrechen
Die Kantonspolizei Aargau teilt am heutigen Montag mit: Es handelt sich um ein Gewaltverbrechen. Was genau passiert ist, wer der Täter ist und welches Motiv dieser hatte, ist bisher unklar. Auch die Identität des Opfers ist noch nicht abschliessend geklärt.
Für Faustin aber ist fast klar: Im Sack steckt sein Freund J.N.* Den 27-Jährigen, ebenfalls aus Burundi, vermisste er im Asylheim seit Freitagabend. Sein Pass und Handy seien verschwunden, erzählt Faustin Nau.ch vor Ort auf Französisch.
«Ich hatte zuvor noch nie eine Leiche gesehen, aber diese wirkte auf mich dunkelhäutig.»
«Ich war total geschockt, J.N. war ein guter Freund von mir», sagt Faustin. Die beiden Landsmänner haben sich in der Schweiz kennengelernt. Das mutmassliche Opfer J.N. lebte seit 2022 hier, Faustin seit 2025. «Er hatte keine Feinde, nahm auch keine Drogen», sagt Faustin.
«War ein guter Freund von mir»
Die Kantonspolizei Aargau bestätigt gegenüber Nau.ch, dass in der Asylunterkunft eine Person vermisst wird. Man prüfe derzeit einen Zusammenhang zwischen der vermissten Person und der gefundenen Leiche.

Jetzt hat Faustin selbst Angst. «Die Leute in Burundi werden genau so getötet.»
Die Leichenteile im Rhein seien sauber abgetrennt gewesen. Faustin fühlt sich in seiner bisherigen Annahme bestätigt: Dass Burundi Leute der Diaspora überwacht und verfolgt.
Menschen aus Burundi fühlen sich verfolgt
Das hatte auch der burundische Botschafter in Belgien diesen Sommer gesagt. «Wir kennen ihre Adresse, wir verfolgen einige ihrer Bewegungen – sogar auf Reisen. Nur weil wir unsichtbar sind, heisst das nicht, dass wir untätig sind.»
Die Äusserung löste bei Menschen, die aus Burundi geflüchtet waren, Ängste aus. Laut der belgischen Zeitung «Knack» richtete sich die Einschüchterung an Menschen mit burundischer Staatsangehörigkeit wie etwa Menschenrechtsverteidiger. Auch das mutmassliche Opfer J.N. setzte sich für Menschenrechte ein.
Faustin fürchtet sich nun: «Bin ich hier überhaupt noch sicher? Wie kann ich beschützt werden?»






