Schweiz/Kosovo: «Ein Jahr Zusammenarbeit – trotz allem»

Die Bekanntschaft von SVP-Politiker Christoph Perrin mit Arbnora Mayer führte zur gemeinsamen Reise in den Kosovo – und wurde zum Augenöffner.

Das Wichtigste in Kürze
- Christoph Perrin lernt die kosovarische Bankerin Arbnora Mayer über Linkedin kennen.
- Der Aargauer SVP-Politiker besucht die kosovarische Heimat der Bankerin.
- Heute arbeitet das Duo sogar gemeinsam. Ein Gastbeitrag.
Meine Geschäftspartnerin ist gebürtige Kosovarin, im Kosovo aufgewachsen und lebt seit acht Jahren in der Schweiz. Ich bin Schweizer und SVP-Politiker.
Für viele wirkt diese Konstellation widersprüchlich, für manche sogar problematisch. Für uns war sie zu Beginn vor allem ungewohnt. Als wir vor über einem Jahr beschlossen, zusammenzuarbeiten, wussten wir, dass wir aus sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten kommen.
Ich bin hier aufgewachsen, politisch engagiert und stark in schweizerischen Strukturen verwurzelt.
Arbnora Meyer bringt eine andere Geschichte mit: Migration, Aufbauarbeit und ein Leben zwischen Herkunftsland und neuer Heimat. Unsere Sichtweisen waren von Anfang an verschieden – und sind es bis heute.

Einladung bei Christoph Blocher
Ein Moment in diesem Jahr hat mir diese Zusammenarbeit besonders bewusst gemacht. Ich lud meine Geschäftspartnerin zu einem Anlass ein, an dem Christoph Blocher persönlich einen Vortrag zur Schweizer Geschichte hielt – über General Guillaume Henri Dufour, eine prägende Figur dieses Landes.
Sie hörte aufmerksam zu, stellte Fragen und blieb nach dem Anlass noch im Gespräch. Keine Pflicht, kein Programm. Nur echtes Interesse.
Für mich war das ein stiller, aber wichtiger Moment: Zugehörigkeit zeigt sich nicht in grossen Gesten, sondern darin, wofür man sich Zeit nimmt.
Solche Erfahrungen begegnen mir auch im Geschäftsalltag. Ich kenne mehrere Fälle, in denen Kosovaren in der Schweiz eine Lehre absolviert, über Jahre zuverlässig gearbeitet und Verantwortung übernommen haben.
Als der Firmeninhaber in den Ruhestand ging – teilweise ohne eigene Nachfolge – übergab er den Betrieb seinen langjährigen Mitarbeitenden. Die Unternehmen bestehen bis heute weiter, unter dem ursprünglichen Schweizer Namen. Das sind keine Ausnahmen, sondern gelebte Praxis.
Ordnung und Verlässlichkeit vs Tempo
Die Zusammenarbeit zwischen uns war nicht einfach. Und sie ist es auch heute nicht immer.
Wir kommunizieren unterschiedlich – und setzen andere Prioritäten. Sie ist direkt und klar, ich gehe manches vorsichtiger an. Wo ich Nähe suche, wahrt sie Distanz.
Für mich stehen Ordnung und Verlässlichkeit im Vordergrund. Sie bringt Tempo, Pragmatismus und unternehmerischen Druck ein. Gerade in der Anfangsphase führte das zu Missverständnissen und Reibung.
Sie & Er
Sie: «Ein Jahr später arbeiten wir weiterhin zusammen. Wir haben gemeinsam Projekte umgesetzt, Verantwortung übernommen und konkrete Erfolge erzielt. Das kam nicht von selbst. Es brauchte Zeit, Gespräche und die Bereitschaft, den anderen nicht vorschnell einzuordnen.»
Er: «Ich habe gelernt, ihre Direktheit nicht als Ablehnung zu verstehen. Sie hat erkannt, dass meine Vorsicht Ausdruck von Verantwortung ist. Vertrauen entstand Schritt für Schritt – durch gemeinsame Entscheidungen und durch Arbeit im Alltag.»
Sie: «Besonders deutlich zeigt sich das im Immobilienbereich. Immobilien sind pragmatisch. Sie verlangen Verlässlichkeit, Geduld und langfristiges Denken. Entscheidungen haben Konsequenzen, Fehler werden sichtbar. In diesem Umfeld zählen Ergebnisse. Reibung gibt es weiterhin: Sie gehört zur Zusammenarbeit dazu. Sie kostet Zeit und Energie, führt aber auch zu klareren Entscheidungen und tragfähigen Lösungen.»
Er: «Dass ein Schweizer SVP-Politiker und eine im Kosovo aufgewachsene Unternehmerin gemeinsam Geschäfte machen, ist kein Symbolprojekt und kein politisches Statement. Es ist Alltag. Und es funktioniert.»
Eine Zusammenarbeit, die sich lohnen kann
Wir machen diese Erfahrung öffentlich, weil sie ermutigen soll. In einer Zeit, in der oft übereinander gesprochen wird, lohnt es sich, miteinander zu sprechen – und miteinander zu arbeiten.
Geschäfte entstehen dort, wo Interesse am Gegenüber vorhanden ist und Verlässlichkeit gelebt wird.
Unsere Geschichte ist kein Idealbild. Aber sie zeigt, dass Zusammenarbeit möglich ist – auch bei unterschiedlichen Ausgangslagen. Und dass sie sich lohnen kann.







