Aargauer Gemeinden müssen Kosten für Dolmetscher bezahlen

An Aargauer Volksschulen kommen bei Gesprächen von Eltern und Lehrpersonen bei Sprachbarrieren Dolmetscher zum Einsatz. Die Kosten müssen die Gemeinden tragen, wie der Regierungsrat festhält. Die Schulen dürften die Eltern nicht zur Kasse bitten.

Im kantonalen Schulrecht gebe es keine spezifischen Regelungen zum Einsatz von Dolmetschern, schreibt der Regierungsrat in der Antwort vom Freitag zu einer Interpellation aus den Reihen von FDP, Mitte und SVP. Es gelte der in der Bundesverfassung verankerte Grundsatz der Unentgeltlichkeit des Grundschulunterrichts.
Ein Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 2017 gegen den Kanton Thurgau mache deutlich, dass Dolmetscherkosten nicht auf die Eltern abgewälzt werden dürften.
Für anfallende Kosten an der Aargauer Volksschule müssten daher die jeweiligen Schulträger, also die Gemeinden, aufkommen. Wie viel die Einsätze die Gemeinden jährlich kosten und wie oft diese in Anspruch genommen werden, darüber hat der Kanton keine Informationen.
Eine vom Grossen Rat vorgeschlagene Regelung, wonach der Staat nur bei rechtlich relevanten Verfahren zahlt, während die Eltern bei ordentlichen Elterngesprächen selbst für Übersetzungen aufkommen müssen, ist laut Regierungsrat rechtlich nicht umsetzbar.
Dennoch liege es in der Kompetenz der Schulen, von den Eltern zu verlangen, dass sie sich nach Möglichkeit selbst organisierten, um Gesprächen folgen zu können. So könne eine Person aus dem eigenen familiären Umfeld die Übersetzungsarbeit leisten.
Bei komplexeren Themen wie Übertrittsgesprächen, disziplinarischen Massnahmen oder formellen Laufbahnentscheiden sei eine Informationsvermittlung ohne Übersetzungshilfe nicht sichergestellt. Dies gelte besonders für Personen im Familiennachzug, die lediglich das Basisniveau A1 nachweisen müssten.
Der Regierungsrat sieht etwa Potenzial in KI-basierten Übersetzungshilfen. Sie könnten bei einfachen Gesprächen eine Alternative bieten.
Bei emotionalen, komplexen oder kulturell sensitiven Elterngesprächen fehle den aktuellen KI-Programmen jedoch die nötige Qualität. So fehle es an interkultureller Kompetenz, Kontextwissen und der Präzision bei Fachbegriffen oder Dialekten.




