Aargauer Regierung will Weg frei machen für Hitachi-Campus

Die Aargauer Regierung will die raumplanerischen Voraussetzungen für ein grosses Wirtschaftsprojekt schaffen: In Wettingen entsteht möglicherweise ein neuer Campus des Industriekonzern Hitachi Energy. Der Grosse Rat wird über Anpassung des Richtplans entscheiden.

Das Vorhaben im Gebiet «Tägerhardächer» könnte die Wirtschaftsregion Limmattal massiv stärken, stösst aber wegen des Landverschleisses auch auf Kritik, wie aus der am Freitag veröffentlichten Botschaft des Regierungsrats hervorgeht.
Das international tätige Industrieunternehmen Hitachi Energy prüft im Rahmen verschiedene Standorte, um Kapazitäten zu erweitern und bestehende Arbeitsplätze zusammenzuziehen. Das Gebiet «Tägerhardächer» in Wettingen gilt dabei als eine der favorisierten Optionen.
Um diese Ansiedlung überhaupt erst möglich zu machen, muss der kantonale Richtplan angepasst werden. Entscheiden wird der Grosse Rat.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Ansiedlung wird im Kanton grossmehrheitlich anerkannt. Das Potenzial ist gross: Mit dem Campus könnten im Aargau rund 1000 bestehende Arbeitsplätze gesichert und bis zu 2000 neue Stellen angesiedelt werden.
Volkswirtschaftsdirektor Dieter Egli (SP) macht die Dringlichkeit deutlich: «Entscheidend ist, dass diese rund 1000 Stellen im Kanton bleiben», wird er in einer Medienmitteilung der Staatskanzlei zitiert.
Würde sich Hitachi für einen Standort ausserhalb des Kantons entscheiden, ginge dieses Beschäftigungspotenzial dem Aargau mit grosser Wahrscheinlichkeit verloren. Egli unterstreicht zudem, dass von den neuen qualifizierten Arbeits- und Ausbildungsplätzen die lokale Wirtschaft, das Gewerbe und die gesamte Region profitieren würden.
Das geplante Areal von 10,7 Hektaren liegt im Landwirtschaftsgebiet und überlagert teilweise einen Siedlungstrenngürtel. Für die Umwidmung müssen daher Fruchtfolgeflächen (FFF) reduziert und der Trenngürtel angepasst werden. Der Kanton plant, den Verlust an Agrarland durch Aufwertungen an anderen Orten zu kompensieren, wie es in der Botschaft heisst.
Im Anhörungsverfahren, an dem 60 Mitwirkende teilnahmen, wurde diese Inanspruchnahme von Kulturland mitunter kritisiert. Zudem äusserten die Beteiligten Bedenken wegen der landschaftlichen Beeinträchtigung und der zu erwartenden Verkehrsbelastung.
Ziel sei es, andernorts Landwirtschaftsflächen aufzuwerten, um den Verlust der Fruchtfolgeflächen insgesamt gering zu halten, hält der Regierungsrat fest.
Um die Nachbargemeinden verkehrstechnisch zu entlasten, solle auf Basis des Gesamtverkehrskonzepts Raum Baden die Erschliessung für den öffentlichen Verkehr, Fussgänger und Velofahrer besonders attraktiv gestaltet werden. Der Standort sei zudem durch einen direkten Autobahnanschluss bereits gut erschlossen.
Obwohl der Regierungsrat, die Standortgemeinde Wettingen und der Regionalplanungsverband Baden Regio das Vorhaben unterstützen, ist der Deal noch nicht in trockenen Tüchern. Der definitive Standortentscheid von Hitachi Energy steht nach wie vor aus.
Die aktuelle Richtplananpassung ist eine Vorleistung: Entscheidet sich das Unternehmen am Ende gegen Wettingen, sollen sämtliche diesbezüglichen Beschlüsse des Grossen Rates automatisch dahin fallen.






