Gesundheit Aargau: KSA fördert Karriere von Ärztinnen

Weltfrauentag 2025: In gewissen Bereichen sind Frauen nach wie vor benachteiligt. Mit einem Förderprogramm für Assistenzärztinnen will das KSA dem gegensteuern.

Das Wichtigste in Kürze
- Frauen sind in medizinischen Kaderfunktionen massiv untervertreten.
- Das Programm «Aiming Higher» fördert die Karriere von jungen Ärztinnen.
- Auch das Kantonsspital Aarau unterstützt das entsprechende Programm.
Laut Bundesamt für Gesundheit wurden im Jahr 2022 insgesamt 1209 eidgenössische Diplome in Humanmedizin erteilt – 60 Prozent davon an Frauen. Der Frauenanteil liegt damit seit mehr als zehn Jahren über dem der Männer.
Ähnlich sieht es bei den eidgenössischen Weiterbildungstiteln aus: Im Jahr 2022 wurden 109 an Ärztinnen und Ärzte erteilt. Der Frauenanteil beträgt 58 Prozent. Der Anteil variiert zwar je nach Facharzt-Richtung: Mit über 80 Prozent liegt dieser in der Gynäkologie und Geburtshilfe am höchsten, in der orthopädischen Chirurgie und Traumatologie mit 20 Prozent am tiefsten. Trotzdem: In medizinischen Kaderpositionen sind die Frauen massiv untervertreten.
KSA unterstützt Karriereentwicklung von Assistenzärztinnen
Das Kantonsspital Aarau will dem entgegensteuern. Es schickt deshalb seit drei Jahren pro Jahr vier Assistenzärztinnen ans Programm «Aiming Higher» der Universität St. Gallen. Ziel dieses Programmes ist es, die jungen Ärztinnen gezielt zu fördern und noch besser auf eine Karriere in Spitälern vorzubereiten. Das KSA übernimmt dabei einen Grossteil der Kosten; zudem stellt es zeitliche Ressourcen zur Verfügung. Es unterstützt das Aiming-Higher-Programm im Rahmen der Förderung von Diversität und Integration.
Interessentinnen für den Kurs gäbe es noch mehr; und auch so manche Männer würden gerne teilnehmen. Doch erst, wenn die Quote bei der leitenden Ärzteschaft bei 50:50 sei, werde das Programm für Männer geöffnet, lässt die Uni St. Gallen verlautbaren.

Nebst den vier Assistenzärztinnen wirken auch vier Mentorinnen und ein Mentor des KSA Aarau am Programm mit. Sie begleiten die Teilnehmerinnen durchs Jahr, tauschen sich mit ihnen aus und geben ihre Erfahrungen weiter.
Eine der Mentorinnen ist Dr. med. Anna Wang, Oberärztin in der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie. Sie hat 2022 am ersten Aiming-Higher-Programm teilgenommen. «Highlights waren für mich die Präsenztrainings vor Ort, unter anderem in Auftrittskompetenz. Unbezahlbar ist auch das Netzwerk, das ich durch das Programm aufbauen konnte», sagt sie. «Seither bin ich als Mentorin mit dabei, um meine Erfahrungen an jüngere Kolleginnen weiterzugeben und sie darin zu bestärken, ihren eigenen Weg zu gestalten.»
Familienplanung oder Facharztabschluss?
«Karriereprogramme für Frauen sind nötig», betont Wang. «Ab fünf Jahren nach dem Berufseintritt – etwa mit 30 bis 35 Jahren – steigen viele Frauen aus. Das ist zirka um den Facharztabschluss herum und korreliert mit dem Alter, wo die Familienplanung aktuell wird.»
Zudem herrsche in vielen nach wie vor männerdominierten medizinischen Kreisen die Meinung vor, Frauen würden gar nicht Karriere machen wollen, sagt Assistenzärztin und Teilnehmerin des aktuellen Lehrgangs Lea Projer.
«Das erschwert das Weiterkommen.» «Aiming Higher» könne dem Entgegensteuern, ist sie überzeugt. Denn das Programm fördere nicht nur die Teilnehmerinnen. «Es sensibilisiert auch die Arbeitskollegen und Chefärzte dafür, dass Frauen nach wie vor Nachteile bei der Karriere haben.»
Neue Kontakte und Einblicke in Karrieremöglichkeiten
Was die Teilnehmerinnen aus dem Kurs mitnehmen, sei sehr individuell, so Projer weiter. Für sie besonders wichtig seien neben dem Networking – «wir Frauen müssen zusammenstehen und einander unterstützen» – das Stärken der Resilienz sowie die Selbstreflexion und -entwicklung.
Es gehe unter anderem darum, sich die eigenen Stärken bewusst zu machen und diese auch auszusprechen. «Für Männer ist das selbstverständlicher.» Inspirierend seien auch die Kontakte mit Chefärztinnen und anderen erfolgreichen Berufsfrauen. «Sie geben wertvolle Tipps und zeigen, dass es ganz unterschiedliche Karrieremöglichkeiten gibt. Für einige Teilnehmerinnen sind durch die neu geknüpften Kontakte auch Türen zur Teilnahme an spannenden Forschungsprojekten aufgegangen.»
Projer hat schon klare Vorstellungen für ihre Zukunft: Sie möchte Fachärztin Thoraxchirurgie werden, habilitieren und später vielleicht eine Klinik leiten. «Es ist wichtig, einen groben Karriereplan zu verfolgen. Man sollte aber beim Abkommen von diesem Plan jederzeit bereit für Improvisation sein», sagt sie.
Und Wang ergänzt: «Die Definition von Karriere ist für jeden anders, und das ist auch gut so. Wichtig ist, den eigenen Weg zu finden und die persönlichen Ziele mit Leidenschaft und Entschlossenheit zu erreichen.»
«Aiming Higher»
Das einjährige, berufsbegleitende Programm «Aiming Higher – Karriereentwicklung für Assistenzärztinnen» der Universität St. Gallen wurde im Jahr 2022 erstmalig als Pilotprojekt von fünf Schweizer Spitälern durchgeführt.
Seit dem zweiten Lehrgang, der im März 2023 begann, ist auch das Kantonsspital Aarau dabei. Es ermöglicht seither pro Jahr fünf Assistenzärztinnen die Teilnahme am Programm. Sie werden in ihrer individuellen Karriereplanung unterstützt; gleichzeitig können sie ihre persönlichen Kompetenzen und ihr Netzwerk stärken. Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv.