Aarauer Fischer: «Typische Arten der Aare drohen zu verschwinden»

    Olivier Diethelm
    Olivier Diethelm

    Aarau,

    Der Aarauer Fischer Matthias von Arx spricht über die Folgen des heissen Sommers, die Werte der Fischerzunft und ihren Nachwuchs.

    Fisch
    Präsident Matthias von Arx (rechts) übergibt dem Vereinsmeister 2026 Roger Widmer den Wanderpreis der Fischerzunft Aarau. - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Hitze des Sommers wirkt sich auf die Fische und die Fischerei aus.
    • Matthias von Arx, Präsident Fischerzunft Aarau, erklärt, welche Fischarten besonders stark betroffen sind.
    • Er sagt: «Die typischen Fischarten der Aare drohen zunehmend zu verschwinden.»

    Im Interview erzählt Matthias von Arx, Präsident Fischerzunft Aarau, unter anderem wie sich der heisse Sommer auf Fische und Fischerei ausgewirkt haben, welche Werte er in der Fischerzunft bewahren möchte und wie es mit dem Nachwuchs im Verein aussieht.

    Redaktion: Sie sind seit diesem Jahr Präsident der Fischerzunft Aarau. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Amt zu übernehmen?

    Matthias von Arx: Ich war bereits neun Jahre im Vorstand der Fischerzunft und kannte den Verein und die Vorstandsarbeit deshalb sehr gut.

    Als sich abzeichnete, dass es Zeit für eine Veränderung an der Spitze war, haben mich meine Vorstandskollegen angefragt, ob ich das Präsidium übernehmen würde.

    Mir liegt die Fischerzunft am Herzen, und mir war wichtig, dass wir als Verein gut aufgestellt sind und uns gemeinsam weiterentwickeln können.

    Deshalb habe ich mich entschieden, diese Verantwortung zu übernehmen.

    Redaktion: Was möchten Sie als neuer Präsident in der Fischerzunft bewegen oder anders machen?

    von Arx: Wir sind ein sehr heterogener Verein – vom Jungfischer bis zum langjährigen, erfahrenen Mitglied, und natürlich sind auch die Interessen entsprechend unterschiedlich.

    Mir ist wichtig, möglichst viele davon abzuholen. Deshalb möchte ich neben unseren traditionellen Anlässen vermehrt auch kleinere und unkomplizierte Aktivitäten anbieten, bei denen man ohne grossen Aufwand mitmachen kann.

    So sollte über das Jahr für möglichst jeden etwas dabei sein. Im Zentrum steht für mich dabei die Gemeinschaft: zusammen fischen, voneinander lernen, etwas erleben und vor allem auch eine gute Zeit miteinander verbringen.

    Redaktion: Der Sommer 2026 war von hohen Temperaturen geprägt. Wie haben sich die heissen Monate auf die Fische und die Fischerei in der Aare ausgewirkt?

    von Arx: Die lange Hitze- und Trockenperiode war für die Fische eine grosse Belastung. Mit steigender Wassertemperatur nimmt der Sauerstoffgehalt im Wasser ab, gleichzeitig steigt der Stress für die Fische. Besonders empfindliche Arten wie Äsche und Forelle geraten dann sehr schnell an ihre Grenzen.

    Für uns Fischer bedeutet das auch, Verantwortung zu übernehmen: Wenn die Wassertemperaturen kritisch werden, sollte man die Fische nicht noch zusätzlich durch Fang und Drill belasten.

    Für mich und die meisten in unserem Verein war deshalb während eines grossen Teils des Sommers klar: An der Aare bleibt die Angelrute zu Hause.

    Redaktion: Wie beurteilen Sie die Fischsaison 2026 insgesamt – was lief gut, und wo gab es Schwierigkeiten?

    von Arx: Die Saison hat eigentlich recht gut begonnen. Mit der langen Hitze- und Trockenperiode hat sich die Situation dann aber massiv verändert.

    Über längere Zeit waren die Bedingungen für die Fische so schwierig, dass für mich ein verantwortungsvolles Fischen kaum mehr möglich war.

    Viele Fischer haben entsprechend freiwillig auf das Fischen verzichtet. Ich gehe deshalb davon aus, dass sich dieser Sommer auch deutlich in den Fangstatistiken zeigen wird. Wie stark, werden wir aber erst Ende Jahr wissen.

    Für Präsident Matthias von Arx sind vor allem drei Dinge wichtig: gegenseitiger Respekt, Verantwortung gegenüber der Natur und die Verbindung von Tradition mit Offenheit für Neues
    Für Präsident Matthias von Arx sind vor allem drei Dinge wichtig: gegenseitiger Respekt, Verantwortung gegenüber der Natur und die Verbindung von Tradition mit Offenheit für Neues - zVg

    Redaktion: Welche Fischarten sind besonders stark von den veränderten klimatischen Bedingungen betroffen? Und gibt es Arten, die von wärmeren Gewässern profitieren?

    von Arx: Besonders stark betroffen sind unsere kälteliebenden Arten wie Äsche und Forelle. Gerade die Äsche kämpft in unseren Gewässern inzwischen wirklich ums Überleben.

    Gleichzeitig sehen wir eine Verschiebung bei den Fischarten: Wärmetolerantere Arten wie beispielsweise der Alet kommen mit höheren Wassertemperaturen wesentlich besser zurecht.

    Auch Arten wie Barbe, Egli oder Wels finden in einer wärmeren Aare grundsätzlich günstigere Bedingungen als Äsche und Forelle.

    Das Problem ist also nicht einfach, dass es künftig weniger Fische gibt, sondern dass sich die Zusammensetzung unserer Fischbestände verändert. Und dabei drohen typische Arten unserer Aare zunehmend zu verschwinden.

    Redaktion: Was kann die Fischerzunft konkret zum Schutz der Aare und ihres Fischbestands beitragen?

    von Arx: Das beginnt bei uns Fischern selbst. Gerade bei hohen Wassertemperaturen müssen wir Verantwortung übernehmen und auch einmal auf das Fischen verzichten.

    Als Verein setzen wir uns zudem gemeinsam mit unserer Pachtvereinigung VFAB aktiv für einen möglichst naturnahen und vielfältigen Lebensraum ein, etwa durch Renaturierungen, Beschattungen oder durch und funktionierende Fischauf- und -abstiegshilfen bei Kraftwerken.

    Und weil wir viel Zeit am Wasser verbringen, können wir auch unsere Beobachtungen und Erfahrungen in den Gewässerschutz einbringen.

    Limmatspitz
    Wenig Wasser fliesst am Limmatspitz, dem Zusammenschluss von Limmat, Reuss und Aare in Gebenstorf AG. - keystone

    Redaktion: Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit Behörden und anderen Organisationen, wenn es um den Gewässerschutz geht?

    von Arx: Grundsätzlich erleben wir die Zusammenarbeit mit dem Kanton und auch mit den Kraftwerksbetreibern als gut und konstruktiv. Aber Fische haben bei uns leider keine starke Lobby. Wenn unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, zieht der Gewässerschutz deshalb leider immer wieder den Kürzeren.

    Das führt dazu, dass wichtige Schutzmassnahmen teilweise über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinausgezögert werden.

    Redaktion: Wie sieht es mit dem Nachwuchs bei der Fischerzunft Aarau aus – interessieren sich noch genügend junge Menschen für das Fischen?

    von Arx: Ja, definitiv. Wir haben in der Fischerzunft eine sehr gesunde Altersstruktur, von Jungfischern bis Senioren. Das kommt aber nicht von ungefähr: Wir engagieren uns seit vielen Jahren stark für die Förderung unseres Nachwuchses.

    Aktuell haben wir 25 Jugendliche in unserer Jungfischergruppe, womit wir unsere Kapazitätsgrenze erreicht und sogar eine Warteliste haben. Das Interesse am Fischen ist bei jungen Menschen also nach wie vor sehr gross.

    Redaktion: Neben der Fischerei ist auch die Kameradschaft ein wichtiger Bestandteil der Zunft. Was macht die Gemeinschaft unter den Mitgliedern für Sie persönlich aus?

    von Arx: Die Gemeinschaft ist für mich ein ganz zentraler Teil der Fischerzunft. Fischen ist eigentlich eher ein «Einzelsport», den man problemlos auch ohne Verein ausüben kann.

    Umso schöner ist es, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, gemeinsam Neues zu lernen oder auch einmal zusammen an einem anderen Gewässer zu fischen.

    Für mich persönlich ist daraus noch mehr entstanden: In der Fischerzunft habe ich nicht nur Vereinskollegen, sondern über die Jahre auch einige enge Freunde gefunden.

    Redaktion: Was ist Ihnen als Präsident persönlich besonders wichtig – welche Werte möchten Sie in der Fischerzunft bewahren?

    von Arx: Für mich sind es vor allem drei Dinge: gegenseitiger Respekt, Verantwortung gegenüber der Natur und die Verbindung von Tradition mit Offenheit für Neues.

    Die Fischerzunft hat eine lange Geschichte und viele schöne Traditionen, die wir bewahren wollen. Gleichzeitig dürfen wir uns neuen Ideen und Veränderungen nicht verschliessen – nur so bleibt ein Verein auch langfristig lebendig.

    Gehst du fischen?

    Redaktion: Wenn Sie auf Ihre bisherige Zeit als Fischer zurückblicken: Gibt es ein besonderes Fischereierlebnis, das Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben ist?

    von Arx: Da gibt es natürlich einige. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber ein Erlebnis vor etwa drei Jahren in Schweden, nahe dem Polarkreis. Wir waren mit dem Camper unterwegs und nach einem ausgedehnten Abendessen stand ich nach Mitternacht noch mitten im Fluss.

    Es war immer noch hell, über dem Wasser fand gerade ein intensiver Insektenschlupf statt und überall stiegen Äschen. Mit der Trockenfliege unter der Mitternachtssonne zu fischen, das war schon ein ganz besonderes Erlebnis.

    Redaktion: Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Fischerzunft Aarau – und für die Aare und ihre Fische?

    von Arx: Für die Fischerzunft wünsche ich mir, dass wir ein lebendiger Verein bleiben, in dem sich Jung und Alt wohlfühlen und die Freude am Fischen und an der Natur miteinander teilen.

    Für die Aare wünsche ich mir, dass sie trotz Klimawandel und vielfältiger Nutzung auch in Zukunft ein möglichst naturnaher Lebensraum mit einem gesunden und vielfältigen Fischbestand bleibt.

    Schön wäre, wenn auch unsere heutigen Jungfischer in einigen Jahrzehnten noch mit derselben Begeisterung an der Aare stehen können wie wir heute.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.

    Kommentare

    User #2348 (nicht angemeldet)

    Hoffentlich ist er nicht ein Linker.

    User #3892 (nicht angemeldet)

    Einheimische Arten haben es unter Mitte Links schwer

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