Aargau schickt Junioren-Trainer in Anti-Übergriff-Kurs

Der Aargauer Fussballverband schult Junioren-Trainer im Umgang mit Nähe. Im Trainingsalltag ist manchmal nicht klar, wo Grenzen überschritten werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Aargauer Fussballverband bietet einen Workshop zu Nähe und Distanz an, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen.
- Die Teilnehmenden lernen, Grenzen zu erkennen und zu respektieren.
- Ziel ist es, ein sicheres Umfeld zu schaffen – und einen verantwortungsvollen Umgang mit Körperkontakt.
Die Zahlen sind alarmierend: Jedes dritte Kind ist Opfer sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt. Bei sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt sei es jedes siebte Kind. So sind statistisch gesehen in jedem Junioren-Fussball-Team mehrere Kinder oder Jugendliche betroffen.
Der Aargauer Fussballverband reagiert. Wie SRF berichtet, finanziert der Verband ein neues Workshop-Angebot, das den professionellen Umgang mit Nähe im Trainingsalltag schult.
Marco Thaler, Profifussballer beim FC Aarau, ist einer der Kursleiter. Er hat selber erlebt, wie Grenzen überschritten wurden, erzählt er SRF.
Er bringt Beispiele aus seiner Juniorenzeit: Trainer hätten mit den Kindern geduscht. Oder es gab Machtspiele und Gewalt unter den Junioren selbst.
«Ein Tätsch aufs Füdli»
Die jungen Fussballer haben sich damals mit zusammengefalteten Handtüchern gegenseitig abgeschlagen. Heute ist dem Fussballprofi bewusst, dass dies vermutlich nicht für jeden in Ordnung war.
Im Workshop «Nähe und Distanz» wird auch vermittelt, dass auch gutgemeinte Gesten heikel sein können. Thaler bringt ein Beispiel: «Ein Tätsch aufs Füdli», als Motivation gedacht. Da müsse ein Trainer differenziert überlegen, ob das nötig sei und welche Signale man damit sende, sagt er.
Im Workshop analysieren die Teilnehmenden konkrete Situationen aus dem Trainingsalltag. Die zentrale Frage lautet: Wo endet wertvolle Nähe – und wo beginnt eine Grenzüberschreitung?
Michèle Olloz ist Sozial- und Sexualpädagogin und leitet den Workshop mit Thaler. Während dem Kurs fragt sie die Teilnehmenden: «Wer war schon einmal unsicher, wie viel körperliche Unterstützung im Training wirklich angemessen ist?» Mehrere heben die Hand.
Körperkontakt muss respektvoll sein
Olloz erklärt im Workshop, was erlaubten Körperkontakt ausmacht: «Entscheidend ist, dass der Körperkontakt respektvoll ist.» Er müsse auch situationsbezogen sein und von beiden Seiten akzeptiert werden, sagt sie.
Den Kursteilnehmenden ist klar: Trainerinnen und Trainer sind gerade im Kinder- und Jugendsport nicht nur da, um Technik und Taktik zu lehren.
Sondern sie begleiten Kinder auch über längere Zeit und werden zu wichtigen Bezugspersonen. Dabei werden im Team sowohl schöne als auch schwierige Momente gemeinsam erlebt.











