Zofingen

Cédric Wermuths Tochter holte Schweigeminute in Kabine nach

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zofingen,

Um Punkt 14 Uhr gedachte die Schweiz den Opfern der Walliser Brand-Katastrophe. Die Schule Zofingen im Kanton Aargau unterbrach den Turnunterricht dafür nicht.

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SP-Co-Chef Cédric Wermuth blickte in der SRF-«Arena» auf den Trauertag zurück. - SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Freitag fand eine Gedenkminute für die Opfer der Tragödie von Crans-Montana statt.
  • Die Tochter von SP-Co-Chef Cédric Wermuth holte die Gedenkminute in der Garderobe nach.
  • Die Schule Zofingen nimmt Stellung.

Eine Minute lang steht das Leben in der Schweiz still. Am vergangenen Freitag um 14 Uhr gedenken die Menschen den Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS.

In einer Schulklasse der Schule Zofingen läuft der Turnunterricht aber normal weiter.

Die Trauerminute sei in der Schule seiner zehnjährigen Tochter offenbar so nicht durchgeführt worden. Dies sagt SP-Co-Präsident Cédric Wermuth in der SRF-«Arena».

Gerade befand sich die Aargauer Klasse im Turnunterricht. Seiner Tochter und deren Freundin sei die Trauerminute ein grosses Anliegen gewesen, sagt Cédric Wermuth. «Sodass die neun-, zehn-, elfjährigen Mädchen die Trauerminute spontan in der Umkleidekabine nachholten.»

«Lehrpersonen sollten selbst entscheiden»

This Rohr, Gesamtleiter der Schule Zofingen, bestätigt, dass sich die Schule der offiziellen nationalen Gedenkminute nicht angeschlossen hat.

Sie hätten ihre Lehrkräfte bereits am Mittwoch auf den nationalen Gedenktag hingewiesen, sagt er zu Nau.ch.

Hast du an der Gedenkminute teilgenommen?

«Die Lehrpersonen sollten im Rahmen ihrer Unterrichtsverantwortung selbst entscheiden, wie sie das Ereignis aufgreifen und sich beteiligen.»

«Nicht bis Freitag gewartet»

Die Schule Zofingen ist laut Rohr eine integrative Schule. Diese sei es gewohnt, auf die Bedürfnisse der Klassen und einzelnen Schülerinnen und Schüler einzugehen. «Daher wurde unter Umständen auch nicht bis Freitag gewartet, um der Opfer zu gedenken.»

Auch sei verschiedentlich die Organisation so gestaltet worden, dass die Gedenkminute nicht Sport, Hauswirtschaft oder den Halbklassenunterricht betreffe.

«Wir gehen davon aus, dass dieses Thema und die Bedürfnisse dazu in allen Klassen thematisiert wurden», sagt Rohr. Die Lehrpersonen, insbesondere die Klassenlehrpersonen, seien es gewohnt, aktuelle Ereignisse einzubeziehen. «Und ihnen den adäquaten Platz einzuräumen.»

«Kann Entscheid sehr gut nachvollziehen»

Cédric Wermuth bedauert nicht, dass seine Tochter die Gedenkminute in der Garderobe nachholen musste.

«Ich wollte mit dieser Aussage in keiner Weise die Schule Zofingen kritisieren», sagt er auf Anfrage. Dazu hätte er keinen Anlass. «Ich kann den Entscheid der Schulleitung, die Behandlung solcher Ereignisse den Lehrpersonen zu überlassen, sehr gut nachvollziehen.»

Die Lehrpersonen kannten ihre Klasse am besten, sagt Wermuth. Er habe eigentlich nur sagen wollen, dass es ihn persönlich sehr berührt habe.

«Wie wichtig es offenbar diesen zehn- und elfjährigen Mädchen war, ihrem Mitgefühl in dieser Geste Ausdruck zu verleihen. Das macht Hoffnung.»

LCH habe keine Empfehlungen versandt

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) verfügt über keine schweizweite Übersicht oder Statistik zur betreffenden Schweigeminute.

Die Einladung des Bundespräsidenten habe sich an die gesamte Bevölkerung gerichtet, nicht nur an Schulen. Dies sagt Beat A. Schwendimann, Leiter Pädagogik beim LCH. «Umsetzung und Kommunikation lagen bei Kantonen, Gemeinden und einzelnen Schulen.»

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Hunderte Menschen nahmen an der Gedenk-Zeremonie in Zürich auf dem Münsterhof teil. - Nau.ch / Nico Leuthold

Der LCH hat laut Schwendimann keine eigene Empfehlung an die Schulen versandt. «Die alters- und situationsgerechte Umsetzung vor Ort liegt im Zuständigkeitsbereich der Kantone, Gemeinden und Schulleitungen.»

«Rituale bedachtsam umsetzen»

Eine Minute lang alles stehen und liegen lassen, um anderen Menschen zu gedenken, braucht eine gewisse Reife. Ab welcher Schulstufe sind Kinder dazu in der Lage?

Gedenkminuten können laut Beat A. Schwendimann vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe II sinnvoll sein. Dies, sofern sie freiwillig, altersangemessen und sensibel gestaltet würden.

Crans-Montana
Beat A. Schwendimann ist Leiter Pädagogik beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). - Gion Pfander

«Für Zyklus 1 ist Zurückhaltung angezeigt», sagt Schwendimann. Dabei handelt es sich um die ersten beiden Kindergarten- und Primarschuljahre.

Der Leiter Pädagogik schlägt deshalb vor, die Gedenkminute in Form eines kurzen, ruhigen Moments durchzuführen. «Es soll kein Zwang entstehen und eine Elterninformation vorausgehen.»

In den höheren Klassen könnte laut Schwendimann ein angeleiteter Rahmen mit Gelegenheit für Fragen und Einordnung umgesetzt werden. «Unabhängig von der Stufe gilt: Schulen sollten solche Rituale bedachtsam umsetzen, um belastete Schülerinnen und Schüler zu schützen.»

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