Grüsel-Alarm: Vor Oltner Bistro schwimmt Abwasser in Aare

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Olten,

Fäkalien, WC-Papier und Feuchttücher in der Aare: In Olten sorgt ein Abwasser-Vorfall für Ekel bei Bistrogästen. Doch: Das das im Wasser schwimmt, soll so sein.

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Hier schwimmt etwas Unappetitliches in der Aare. - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Fäkalien und WC-Papier in der Aare wurden vor einem Oltner Bistro gesichtet.
  • Grund dafür war der Regen, der die Kanalisation zum Überlaufen brachte.
  • Der Kanton Solothurn betont: Das ist kein Fehler, sondern so gewollt.

Diese Szenen werden den Ruf von Olten sicherlich nicht verbessern …

Der Oltner B. Müller* geniesst am Samstag das schöne Wetter im Aarebistro. Und macht dann eine «recht grusige» Entdeckung.

«Wir sassen gemütlich bei einer Erfrischung», sagt er zu Nau.ch. «Und plötzlich sahen wir halt, wie irgendwo ganz nahe bei uns aus einem Rohr Abwasser in die Aare gelassen wurde.»

«Gagg und WC-Papier» schwaderten plötzlich im Fluss. «Mit den sichtbar gebrauchten ‹Füechttüechli› und Co. war das nicht sehr anmächelig», schmunzelt Müller.

Augenzeuge: «Leute waren angeekelt und gingen»

Und nicht nur ihn hat es gestört. «Zwei Leute, die zwei bis drei Meter neben uns sassen, standen angeekelt auf und gingen.»

Müller bemerkt zudem: «Bei warmem Wetter halten die Gäste des Aarebistros ihre Füsse sehr gerne in die Aare. Weil das bis anhin eigentlich immer schön war.»

Auch Hunde erfrischten sich hier gerne im kühlen Nass.

Hast du schon einmal Unappetitliches in Gewässern gefunden?

Auf Anfrage von Nau.ch nimmt Aleks Stojanovic, Betriebsleiter des Aarebistros, Stellung. «Das Abwasser vor dem Bistro wird nicht durch uns verursacht», stellt er klar.

Im Gegenteil: «Tatsächlich reinigen wir das Wasser, wenn wir PET-Flaschen oder Ähnliches an uns vorbei schwimmen sehen.»

Als Grund für die Fäkalien in der Aare nennt er ein Überlaufrohr bei Hochwasser. «Fäkaliengeruch wäre mir aber noch nie aufgefallen», sagt er.

«Wir selbst haben keinen Zugriff und finden es auch nicht sehr angenehm», so Stojanovic weiter.

Kanalisation muss entlastet werden

Verantwortlich für den Aareabschnitt ist der Kanton Solothurn. Dieser erfährt erst durch Nau.ch vom Vorfall am Samstag – überrascht ist man dort aber nicht.

Gabriel Zenklusen, Chef des Amtes für Umwelt, sagt zu Nau.ch: «Am besagten Samstag kam es unter anderem in der Region Olten zu teils intensiven Niederschlägen, welche kleinflächig grosse Regenmengen brachten. Diese Niederschläge dürften die Mischwasserkanalisation in der Region Olten zeitweise an den Anschlag gebracht haben.»

In Mischwasserkanalisationen wird das Schmutzwasser und das Regenwasser nicht in getrennten Kanälen, sondern gemischt abgeführt.

Als Folge kam es zu sogenannten Entlastungen durch Überlaufrohre in die Gewässer. Heisst: Ungeklärtes Wasser wird in die Natur gelassen, damit die Kanalisation aufgrund des vielen Regenwassers nicht zum Überlaufen kommt.

«Je nach Ausrüstung der Entlastungsbauwerke können dabei Feststoffe in die Gewässer eingetragen werden», erklärt Zenklusen.

Heisst also: Fäkalien, WC-Papier und ‹Feuchttüechli› landen in der Aare.

Aare war nicht trüb – Fäkalien sind besser sichtbar

Und diese waren am Wochenende besonders gut sichtbar: «Die Aare zeigte am Samstag aufgrund der lokalen Niederschläge keinen Anstieg der Abflussmenge. Sie dürfte somit keine Trübung aufgewiesen haben, womit die lokal eingetragenen Feststoffe umso besser sichtbar wurden.»

Überall dort, wo ältere Mischwasserkanalisationen verbreitet sind, können solche Szenen vorkommen.

«Kanalisationen sind nicht dafür konzipiert, das gesamte Wasser zur Kläranlage ableiten zu können. In solchen Fällen wird ein Teil des stark verdünnten häuslichen Abwassers in die Gewässer geleitet.»

Neue Bauwerke können die Feststoffe hingegen zurückhalten. Ältere Installationen werden schrittweise nachgerüstet.

Kanton warnt vor Beeinträchtigungen «aus optischer und hygienischer Sicht»

Zenklusen betont, dass die Entlastungen «bewusst erfolgen und dadurch in der Regel keine Schäden in den Gewässern zu erwarten sind». «Aus optischer und hygienischer Sicht kann es jedoch zu lokalen Beeinträchtigungen kommen.»

Bei Starkniederschlägen sollte deshalb einige Tage auf das Baden in natürlichen Gewässern verzichtet werden.

Und: Treten solche Szenen bei trockenem Wetter auf, empfiehlt es sich, die Gemeinde oder den Abwasserverband zu informieren.

* Name der Redaktion bekannt.

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