Mega-Baustelle! Autofahrer brauchen auf A1 doppelt so lang

Mehr Stau, mehr Geduld: Der Ausbau der Autobahn A1 zwischen Bern und Zürich belastet Autofahrer. Langfristig soll er zu einer Entlastung führen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Ausbau der A1 zwischen Luterbach und Härkingen SO auf sechs Spuren dauert bis 2032.
- Astra und ACS sehen den Ausbau als notwendig – bitten aber um Geduld.
- Seit Baustart im Mai 2025 häufen sich Staumeldungen. Das Astra aber relativiert.
Die A1 zwischen Luterbach und Härkingen auf der Hauptverkehrsachse Bern-Zürich ist seit Jahren ein Sorgenkind des Schweizer Autobahnnetzes. Deshalb wird sie in den kommenden Jahren von vier auf sechs Spuren ausgebaut.
Im Mai 2025 sind die Ausbauarbeiten der ersten Etappe zwischen Luterbach SO und Wangen an der Aare BE gestartet.
Der entsprechende Abschnitt ist nun endgültig zur Geduldsprobe geworden: Staus gehören für viele Pendlerinnen und Pendler vorab in den Stosszeiten zum Alltag. Denn die Strecke war schon vor Baubeginn chronisch überlastet.
So berichtet Nau.ch-Leser Samuel Z.*: «Ich fahre diese Strecke aus familiären Gründen viel. Die Verkehrssituation war vorher schon schwierig, mit der Baustelle ist sie katastrophal. Jeden Tag Stau, Zeitverlust von einer Stunde und mehr.»
Für eine Strecke, die früher 30 Minuten dauerte, brauche er nun regelmässig 75 Minuten. Das ist mehr als doppelt so lang.
Astra: «Bauarbeiten verlaufen planmässig»
Nau.ch hat beim Bundesamt für Strassen Astra bezüglich der Mega-Baustelle nachgefragt. Dort zeigt man sich mit dem bisherigen Verlauf der Bauarbeiten zufrieden.
Gerade das erste Los gelte als besonders anspruchsvoll, weil auch Brückenabschnitte auf sechs Spuren ausgebaut werden müssen.

Eleanor Bådenlid vom Astra sagt deshalb: «Aus verkehrlicher, technischer und baulicher Sicht stellt das Los West die grösste Herausforderung dar.»
Trotzdem bilanziert sie: «Die Bauarbeiten verlaufen planmässig.» Die Verkehrszahlen würden keinen dramatischen Einbruch zeigen.
Die Reisezeiten hätten sich seit Baubeginn insgesamt nur geringfügig verändert. Auch, weil der Verkehr «während der gesamten Bauzeit im Bauabschnitt in beide Fahrtrichtungen zweispurig weitergeführt wird.»
Bådenlid: «Im Durchschnitt wurde eine Verlängerung um zwei bis drei Minuten festgestellt.» Die Ursache liege primär bei Temporeduktionen und schmaleren Spuren in der Baustelle.
Zwar könne es in den Spitzenzeiten zu massiven Tempoeinbrüchen kommen – «zeitweise auf etwa 20 km/h.» Also zu Stau. Doch das sei auch vor der Baustelle bereits beobachtet worden.

Viele Autofahrer weichen bei Stau auf der Autobahn auf Kantons- und Gemeindestrassen aus. Doch auch hier relativiert das Astra.
«Diese Situation bestand bereits vor Beginn der Bauarbeiten», erklärt Bådenlid. Messungen hätten gezeigt, dass sich die Ausfahrtsmengen nicht erhöht hätten – unter anderem dank Dosierungen.
Autofahrer haben Verständnis für Ausbau der Autobahn A1
Zudem warnt das Astra klar davor, die Autobahn zu verlassen: «Auch wenn es subjektiv so erscheinen mag, dass es bei Stau schneller über das lokale Netz geht: Das entspricht nicht den Tatsachen.»
Auch der Automobil-Club der Schweiz (ACS) steht hinter dem Projekt. Zentralpräsident Simone Gianini sagt: «Gemäss Astra zählt dieser Abschnitt zu den Autobahnstrecken mit den meisten Staustunden.»
Der ACS begrüsse deshalb, «dass die Arbeiten zur Beseitigung dieses Engpasses endlich aufgenommen wurden».
Von den Mitgliedern gebe es bislang kaum Kritik. Gianini spricht jedoch offen von einer Belastung: «Wir haben selbstverständlich Verständnis. Und setzen uns auch ein für jene, die sich im Stau ärgern.»
Sein Rat an die Autofahrer deckt sich mit jenem des Astra: Geduld bewahren, Stosszeiten meiden und nicht ausweichen. «Sie sollten die Autobahn nicht verlassen, um eine zusätzliche Belastung der umliegenden Kantonsstrassen zu vermeiden.»
Entlastung kommt – aber nicht sofort
Bis Ende 2030 sollen erste spürbare Verbesserungen eintreten, etwa an Anschlüssen und auf Teilabschnitten, die dann bereits sechsspurig befahrbar sind.
Die vollständige Entlastung gibt es jedoch erst nach Abschluss des Gesamtprojekts 2032. Bis dahin bleibt die A1 im Mittelland ein Nadelöhr.
Nau.ch-Leser Samuel Z. dürfte noch einige Stunden im Stau verbringen.
* Name von der Redaktion geändert.










