Partnervermittlerin bestürzt: Keine will 1.68-Meter-Mann daten

Rowena Goebel
Rowena Goebel

Fricktal,

Wenn es um Körpergrösse geht, kann die Dating-Welt hart sein: Viele Frauen wollen keine Männer unter 1.80 – und Männer keine Frauen, die grösser sind als sie.

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Emu (links) ist 168 Zentimeter gross. Partnervermittlerin Andrea Klausberger findet niemanden, der ihn daten will – und vermutet seine Grösse als Hauptgrund dafür. - Screenshot SRF «Dok»

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Partnervermittlerin sucht vergeblich ein Date für einen 1.68 Meter grossen Mann.
  • Am Schluss ist sie konsterniert. Sie ist überzeugt, dass seine Grösse der Hauptgrund war.
  • Gerade beim Online-Dating haben kleine Männer und grosse Frauen tatsächlich Nachteile.
  • Eine Expertin besänftigt aber: Die Grösse ist selten das Hauptproblem, wenns nicht klappt.

Zwei Monate lang wartet Emu Järmann (1.68 Meter gross, 37 Jahre alt). Er hat seine Daten bei einer Partnervermittlung hinterlegt – und gehofft, dass für ihn Dates herausspringen.

Doch vergebens. In der Zeit findet sich keine einzige Frau, die ihn auch nur treffen will. Die zuständige Vermittlerin, Andrea Klausberger, warnt ihn schon zu Beginn, dass seine Grösse die Suche schwieriger macht.

Zuletzt sagt Klausberger in der SRF-«Dok» über kleine Männer bestürzt: «Man gibt dem Menschen keine Chance, nur der Hülle. Die Menschen sind so geworden. Oder die Frauen.»

Für sie ist klar: Wäre Emu 1.90 Meter gross, wäre es kein Problem gewesen, ihm ein Date zu finden. «Das ist krass.»

«Einige nennen 1.85 Meter als ideal»

Kleine Männer – oder grosse Frauen – die wegen ihrer Grösse beim Dating Mühe haben: Es ist ein verbreitetes Phänomen. Eine Expertin sieht Online-Dating als Hauptgrund.

Und wer jetzt denkt, es seien nur klar unterdurchschnittlich grosse Männer wie 1.68-Meter-Mann Emu betroffen, irrt.

Partnervermittlerin Sandra Bugmann von der Singles-Börse in Frick AG erzählt bei Nau.ch: «Viele Frauen geben als Wunschgrösse 1.80 Meter oder grösser an. Einige nennen 1.85 Meter als ideal.»

Selbst kleine Frauen wollten oft unbedingt einen Mann über 1.80 Meter, sagt Bugmann.

Grössen also, die leicht oder sogar ziemlich weit über dem Schweizer Durchschnitt liegen. Der Durchschnitts-Mann ist laut Bundesamt für Statistik 1.77 Meter gross, die Durchschnitts-Frau 1.65 Meter (Stand 2017).

Ist dir Grösse bei einem Partner oder einer Partnerin wichtig?

In der Online-Welt gibt es aber auch das umgekehrte Phänomen, wie Bugmann beobachtet: Dass kleine Männer spezifisch keine Frauen daten wollen, die grösser sind als sie.

In der persönlichen Partnervermittlung stellt sie das allerdings kaum fest. «Wir machen die Erfahrung, dass ein selbstbewusster Mann keine Angst hat, eine grössere Frau kennenzulernen.»

Grösse wird zum harten Ausschlusskriterium

Wunschvorstellungen darf man haben. Problematisch findet es Bugmann jedoch, wenn sie zum absoluten Ausschlusskriterium werden. Und genau das passiert inzwischen oft – die Expertin gibt die Schuld dem Internet.

«Auf vielen Dating-Plattformen kann die Körpergrösse direkt angegeben oder sogar gefiltert werden. Dadurch entsteht ein sehr rationaler Auswahlprozess: ‹Unter 1.80 m? – Nein›», erklärt die Expertin.

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Wunschvorstellungen werden erst dann zum Problem, wenn sie zum harten Ausschlusskriterium werden, sagt Partnervermittlerin Sandra Bugmann aus Frick AG. - schweiz-partnervermittlung.ch

Online-Datingriese Tinder beispielsweise hat vergangenes Jahr einen Filter eingeführt, mit dem man Männer unter einer gewissen Grösse direkt ausschliessen kann. Oder Frauen über einer gewissen Grösse.

«Was im realen Leben vielleicht gar keine Rolle spielen würde, wird online so zum harten Ausschlusskriterium», sagt Bugmann.

Charme ist wichtiger als Grösse

Trotzdem ist die Expertin überzeugt: Eine «kleine» Körpergrösse hindert Männer nicht daran, ihre Traumfrau zu finden.

Sie gibt zu bedenken: «Viele Frauen sagen zwar in Umfragen, er sollte grösser sein, entscheiden sich im realen Leben aber ganz anders. Wenn Ausstrahlung, Humor, Intelligenz oder Selbstsicherheit stimmen.»

Tinder
Auf Tinder kann man potenzielle Partner unter anderem basierend auf der Anzahl Fotos, Interessen, ihrer Bio oder eben auch ihrer Grösse herausfiltern. - Reddit/@IamNotFatIamChubby

Selbstbewusstsein ist ganz wichtig, erklärt die Expertin – es relativiert viele äussere Faktoren. «Grösse ist vor allem dann problematisch, wenn sie zum Selbstzweifel wird und man als Mann selbst stark darauf fokussiert ist.»

Darum rät sie Liebe-Suchenden davon ab, im Dating-Profil beispielsweise defensiv oder unsicher über ihre Körpergrösse zu schreiben.

Expertin vermutet: 1.68-Meter-Mann bekam nicht wegen Grösse kein Date

Neben Selbstbewusstsein sind realistische Vorstellungen viel wichtiger als die Grösse, wie sie sagt. Das trifft auch im Fall Emu Järmann zu. Bugmann vermutet, dass es eher an seinen Erwartungen als an der Körpergrösse gescheitert ist.

Emu erzählt bei SRF, er suche eine Partnerin innert 20 Kilometern. «Mit dem Velo gut erreichbar», stellt er klar.

Denkst du, Emu bekam wegen seiner Grösse kein Date – oder wegen seinen Erwartungen?

Bugmann gibt zu bedenken: «Damit zwei Menschen zusammenpassen, müssen so viele Punkte stimmen. Und das noch in einem Radius von 20 Kilometern! Das ist kaum oder selten möglich.»

Sie als Partnervermittlerin weise Klienten in solchen Fällen darauf hin, dass sie unrealistische Vorstellungen hätten. Und das gibt es immer häufiger – auch hier sieht Bugmann Online-Dating als Hauptgrund.

«Wie beim Shopping»

Einer, der die Auswirkungen und Mechanismen des Online-Datings ebenfalls kritisch sieht, ist Ethiker Christof Arn. Auch Grössen-Filter, wie Tinder sie eingeführt hat, findet er problematisch.

Arn erklärt gegenüber Nau.ch: «So geht man an einen anderen Menschen heran wie beim Shopping. Man vergleicht ihn, wie wenn man ein Hotel oder einen neuen PC auswählen würde.»

Ethiker
Ethiker Christof Arn kritisiert, dass viele Online-Dating ähnlich angehen wie Shopping. - keystone

Das bedauert er. Denn: «Je mehr Kriterien wir aufbauen für die Wahl einer Partnerin oder eines Partners, desto unwahrscheinlicher ist, dass wir glücklich werden.» Natürlich gebe es gewisse Kriterien – wie beispielsweise keine Gewalt – an denen man festhalten solle.

Shoppingdenken, also Kriterienlisten und Ähnliches, helfen später allenfalls beim Kauf eines Kinderwagens, sagt Arn. «Für den Start einer Liebesbeziehung heisst es: Offenheit, Ehrlichkeit, Zuwendung.»

Was hältst du von Dating-Apps?

Bereits, als Tinder vergangenes Jahr den Grössen-Filter einführte, gab es Gegenwind. Kritiker fanden beispielsweise, das sei dasselbe, wie wenn es einen Gewichts-Filter gäbe. Und zwar: Daneben.

Tinder selbst will von der Ethik-Kritik nichts wissen. Man stelle stets die Bedürfnisse der User in den Mittelpunkt, heisst es auf Anfrage. Der Grössen-Filter sei ein Test. Ob er dauerhaft eingeführt wird, lässt der Online-Dating-Riese offen.

Vermittlerin sucht «gezielt» Frauen, die offen für kleinere Männer sind

Für Bugmann ist klar: Persönliche Vermittlung ist der bessere Weg, die grosse Liebe zu finden, als Online-Dating-Apps. Auch wenn man sich aufgrund seiner Körpergrösse geringere Chancen in der Datingwelt ausmacht.

«In einer persönlichen Partnervermittlung spielt Grösse oft eine untergeordnete Rolle. Denn die Vermittlerin wählt gezielt Frauen aus, die offen sind. Die Persönlichkeit steht im Vordergrund und es gibt keinen Wisch-Mechanismus.»

Anders als im Online-Dating stehe hier nicht der flüchtige erste Eindruck im Mittelpunkt. «Neben Charakter, Lebenssituation und Zukunftsvorstellungen bespreche ich mit Klientinnen und Klienten auch realistische Vermittlungschancen.»

Habe sie den Eindruck, dass beispielsweise die Körpergrösse die Suche erschweren könnte, kommuniziere sie dies bereits vor der Vertragsunterzeichnung.

Fabio kommt Anna bis zum Nasenspitz – sie lieben sich trotzdem

Emu Järmann geht zwar am Schluss leer aus. Doch dass sich auch als kleiner Mann oder als grosse Frau Liebe finden lässt, beweist der SRF-Film trotzdem gleich selbst.

Das perfekte Beispiel dafür sind nämlich Anna und Fabio. Die beiden sind über beide Ohren verliebt und inzwischen frisch verheiratet. Dass Fabio Anna nur etwa bis zum Nasenspitze kommt, stört die beiden nicht.

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Anna und Fabio sind über beide Ohren verliebt und frisch verheiratet – Körpergrösse hin oder her. - Screenshot SRF «Dok»

Ethiker Christof Arn ergänzt: «Gestalte schon die Partnersuche so, wie du dir die Paarbeziehung wünschst! Dann ist die Wahrscheinlichkeit gut, dass du glücklich wirst – vielleicht so wie meine Mutter mit einem viel kleineren Mann.»

Aufruf

Fühlst du dich als grosse Frau oder kleiner Mann beim Dating benachteiligt und bist bereit, über deine Erfahrungen zu sprechen? Oder hast du trotz kleiner oder grosser Körpergrösse die grosse Liebe gefunden und willst betroffenen Singles Mut machen? Melde dich unter [email protected].

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