So läuft ein Einsatz bei einem Waldbrand

Die Feuerwehr Chestenberg feierte ihr 20. Jubiläum. Kommandant Vajithan Somasundaram blickt zurück und erklärt die Herausforderungen bei Waldbränden.

Per 1. Januar 2006 schlossen sich die Ortsfeuerwehren von Möriken-Wildegg, Niederlenz und Holderbank zur Feuerwehr Chestenberg zusammen. Der diesjährige Feuerwehrtag stand damit ganz im Zeichen dieses 20. Jubiläums.
Der Bevölkerung bot sich die Möglichkeit, die Feuerwehr einmal hautnah zu erleben: Ob auf dem Beifahrersitz des grossen Löschfahrzeugs, beim Erklimmen der Anhängerleiter oder bei den Vorführungen verschiedener Einheiten wie der Jugendfeuerwehr oder der Pioniere.
Das Interesse war augenscheinlich gross: Kurz nachdem das Fest um 11.30 Uhr offiziell startete, waren der Vorplatz sowie die zum Verpflegungszentrum umfunktionierte Fahrzeughalle bereits gut gefüllt.

«Dass gleich so viele Leute kommen, damit haben wir nicht gerechnet», sagte der Kommandant der Feuerwehr Chestenberg, Hauptmann Vajithan Somasundaram. Es sei aber schön, diesen grossen Rückhalt in der Bevölkerung zu spüren.
Für die Bevölkerung da sein
Man habe sich bereits vor einigen Jahren entschieden, anstelle einer öffentlichen Hauptübung eine Art Tag der offenen Tür durchzuführen. «So sind wir einen Tag lang wirklich nur für die Bevölkerung da und diese ist auch näher an uns dran», erklärt Somasundaram.
Im Vordergrund stehe dabei nicht die Rekrutierung, sondern der Kontakt mit den Einwohnerinnen und Einwohnern der drei Gemeinden. Zum Jubiläum habe man etwa mit der Show des Kettensägen-Schnitzers Lukas Senn oder mit den angebotenen Helikopterrundflügen für zusätzliche Attraktionen gesorgt.
Um neue Mitglieder zu gewinnen, führt die Feuerwehr im Herbst (heuer am 2. September) jeweils einen separaten Rekrutierungstag durch. Personell sei die Feuerwehr Chestenberg derzeit gut aufgestellt, berichtet der Kommandant.
Rund 125 Personen gehören ihr aktuell an. Das sei nicht immer so gewesen. Nach dem Zusammenschluss der drei Ortsfeuerwehren im Jahr 2006 habe man die Rekrutierung während einiger Zeit etwas vernachlässigt.
Dadurch seien später Lücken entstanden, insbesondere beim Kader. Daraus habe man gelernt, sagt Somasundaram, und rekrutiere nun konsequent jedes Jahr.
Ernstfall am Chestenberg
Wie wichtig das Engagement der Feuerwehrleute ist, zeigte sich gerade erst am 15. August. An diesem Samstagabend brannten am Chestenberg rund 500 m2 Wald. Die Feuerwehr Chestenberg konnte mit Unterstützung umliegender Feuerwehren verhindern, dass sich der Brand ausweitet und diesen schliesslich ganz löschen.
Es sei ein spezieller Einsatz gewesen, erinnert sich der Kommandant: «Eine grosse Herausforderung war die Orientierung. Von der Strasse aus hatten wir das Feuer noch gesehen, sobald wir im Wald standen aber nicht mehr.»

So habe man die ungefähre Richtung abschätzen und sich auf die Suche machen müssen. Hinzu komme die erschwerte Zufahrt: Anders als bei einem Hausbrand könne man nicht einfach zur richtigen Adresse fahren.
Die ganze Organisation des Einsatzes sei bei einem Waldbrand anders als sonst, sagt Somasundaram weiter: «Man muss viel weiter vorausdenken.» So habe man etwa früh umliegende Feuerwehren aufgeboten, um die Versorgung mit Löschwasser sicherzustellen. «Denn einen Hydranten findet man im Wald nicht.»
Gut vorbereitet
Die Feuerwehr Chestenberg sei aber personell wie materiell gut auf einen solchen Fall vorbereitet gewesen. «Wir haben uns schon früh mit dem Thema Waldbrand auseinandergesetzt, gewisse Gerätschaften angeschafft und Mitglieder unserer Feuerwehr an spezielle Kurse geschickt, um das nötige Know-how aufzubauen», berichtet der Kommandant.
Während längerer Trockenphasen wie in den vergangenen Wochen sei den Feuerwehrleuten durchaus bewusst, dass ein solcher Einsatz jederzeit möglich sei, sagt Somasundaram.
Nervös zu Hause auf einen Alarm warte deshalb zwar niemand, aber «mental ist man schon noch etwas mehr darauf vorbereitet, dass jederzeit etwas passieren kann.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Lenzburger Nachrichten» erschienen.







