SVP-Nationalrat will KI an Schulen verbieten

Künstliche Intelligenz ist in der Schweiz bereits Teil des Schulalltags. SVP-Nationalrat Alois Huber begrüsst einen Stopp des Trends.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schulen in New York City verbieten den Einsatz von KI – weil diese den Kindern schaden könnte.
- «Ich würde ein KI-Verbot in Schulen bis zur Oberstufe begrüssen», sagt SVP-Nationalrat Alois Huber.
- «Zuerst müssen Kinder lernen, mit dem Kopf zu lernen», sagt Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber.
Die Entwicklung von KI droht aus dem Ruder zu laufen. Dario Amodei, Chef des KI-Entwicklers Anthropic, warnt vor katastrophalen Schäden, welche die Technologie anrichten kann, wenn der Fortschritt nicht verlangsamt wird.
Auf die Bremse drückt auch der Chat-GPT-Entwickler Open AI. Open AI geht nicht wie geplant dieses Jahr an die Börse angesichts der Risiken hochentwickelter KI.
KI-Forscher Jacob Coxon hat seinen Job bei Anthropic an den Nagel gehängt – aus Sorge. Denn: KI-Entwickler denken ihm zufolge daran, die Menschheit bis Ende des Jahrzehnts auslöschen zu können.
Zu einer radikalen Massnahme greifen die Schulen in New York City. Diese verbieten den Einsatz von KI bis zur zweiten Oberstufe, wie «The Guardian» berichtet.
Eigene Meinung dank KI-Verbot
Lehrpersonen und Eltern in New York City befürchten, dass KI-gestützte Lernprogramme der mentalen Gesundheit und der kognitiven Entwicklung schaden. Vor allem sollen die Kinder ihr Denken nicht einer Software abgeben, was Forscher als «kognitive Unterwerfung» bezeichnen.
In der Schweiz ist KI längst Teil des Schulalltags. Die Schülerinnen und Schüler nutzen die Technologie in Form von generativen Chatbots, Übersetzungsprogrammen, Lernanalysen oder adaptiven Lernprogrammen.
SVP-Nationalrat Alois Huber ist jedoch der Meinung, dass die Schweiz nachziehen solle. Er sei «absolut nicht gegen KI», sagt er zu Nau.ch. «Ich würde aber ein KI-Verbot in Schulen bis zur Oberstufe begrüssen.»
Gerade in jungen Jahren sei es wichtig, die Intelligenz zu formen, sagt der Bildungspolitiker. «Sodass man auch eine eigene Meinung haben kann.»
Auf KI könnten die Schülerinnen und Schüler später zurückgreifen. «Wenn sie richtig lesen, schreiben und denken gelernt haben.» Dann seien sie auch in der Lage, mit KI kritisch umzugehen.
«Öffnet Diktaturen Tür und Tor»
Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber schlägt Alarm. «Der Mensch ist bequem, was mir im Fall von KI grosse Sorgen macht», sagt sie. Kinder drohten, ihre Fähigkeiten der Technologie abzugeben, bevor sie diese überhaupt entdeckt hätten. «Zuerst müssen Kinder lernen, mit dem Kopf zu lernen.»
Kinder seien von Natur aus neugierig, sagt die Bildungspolitikerin. «Können Sie sich bei jedem Problem von KI füttern lassen, verlieren sie die Neugier und haben auch nie ein Erfolgserlebnis.» Auch seien sie nicht mehr fähig, zu reflektieren. «So wird man zu einem willfährigen Volk und öffnet Diktaturen Tür und Tor», warnt sie.
Als Erwachsene können KI-Schüler die Defizite laut Prelicz-Huber nur sehr mühevoll aufholen. «Und was machen sie einmal, wenn die ganze Technik ausfällt?», fragt sie. Zu einem KI-Verbot würde sie in den Schulen trotzdem nicht greifen. «Verbote hindern nicht daran, etwas trotzdem und erst recht falsch einzusetzen.»
Der Job der Lehrpersonen werde noch wichtiger, sagt die Nationalrätin. «Um die Schülerinnen und Schüler mit einem kritischen Umgang mit KI zu selbstdenkenden und selbstfunktionierenden Menschen zu erziehen.»
«Verfehlt den Bildungsauftrag»
Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) hält am Einsatz von KI fest.
«Ein generelles Verbot von Künstlicher Intelligenz in der Schule verfehlt aus Sicht des LCH den Bildungsauftrag.»
Dies sagt Dr. Beat A. Schwendimann zu Nau.ch. Er ist Leiter Pädagogik beim LCH.
Die öffentliche Schule bereite Kinder auf die digitale Lebens- und Arbeitswelt vor, sagt Schwendimann. Er verweist auf den aktuellen Bildungsbericht. «Rund 90 Prozent der Lernenden auf der Sekundarstufe I in der Schweiz nutzen bereits heute KI-gestützte Anwendungen.» Dies sowohl zu Hause als auch direkt im Unterricht.
«Verbote in der Schule würden diese Nutzung unkontrolliert in den privaten Raum verlagern», sagt Schwendimann. «Wichtig ist, Kinder und Jugendlichen bei der Nutzung von KI pädagogisch zu begleiten.» Ansonsten werde die KI nur zur schnellen Aufgabenerledigung ohne Lerneffekt genutzt.
Zu beachten ist laut Schwendimann auch der Kostenfaktor. «Wohlhabende Familien können sich zu Hause kostenpflichtige Abonnemente für leistungsstärkere KI-Modelle leisten.»
Dies verstärke den Schereneffekt und verschlechtere die Bildungsgerechtigkeit unter den betroffenen Lernenden. «Schulen brauchen sichere und auf pädagogische Nutzung ausgerichtete KI-Plattformen, welche allen Lernenden zur Verfügung stehen.»
«Gefahr ist real»
Jugendliche in der Schweiz nutzen KI statistisch signifikant häufiger für schulische Aktivitäten als der Durchschnitt. Dies zeigt die aktuelle PISA-Studie. Zudem berichten manche Schülerinnen und Schüler bereits, ihre Hausaufgaben von Chat-GPT lösen zu lassen.
«Die Gefahr, dass Schülerinnen und Schüler das Denken einer Software abgeben, ist real», sagt Dr. Beat Schwendimann. Dies verlange nach einer zeitnahen Anpassung der Lern- und Prüfungskultur.
Es sei entscheidend, dass Lehrpersonen die Lernenden zur pädagogisch sinnvollen Anwendung von KI anleiteten, sagt Schwendimann. «Lehrpersonen müssen auch den eigentlichen Sinn von schulischen Arbeiten künftig noch klarer begründen.»
Denn: Das Resultat einer Haus- oder Prüfungsaufgabe ist nicht mehr entscheidend. Durch KI verändere sich die traditionelle Beurteilungspraxis, sagt Schwendimann. «Der Lernprozess rückt an die Stelle der reinen Produktbewertung.»
Um diesen Wandel erfolgreich zu gestalten, etablieren die Schulen laut Schwendimann vermehrt Lerngespräche, Vorträge, mündliche Prüfungen und begleitete Projektarbeiten. «Was den Unterricht authentischer macht, aber die Anforderungen und den Zeitaufwand für das Personal deutlich erhöht.»












