Aarau

    Amok in Aarau – Täter-Eltern: «Entschuldigen uns für unseren Sohn»

    Sina Barnert
    Sina Barnert

    Aarau,

    In Aarau kam es am vergangenen Sonntag zu einer Schiesserei. Nun haben sich die Eltern des 43-jährigen Täters öffentlich zu Wort gemeldet.

    Aarau
    Die Eltern des Amok-Schützen von Aarau haben sich zu Wort gemeldet. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • In der Nacht auf vergangenen Sonntag ereignete sich in Aarau ein Amoklauf.
    • Ein 43-jähriger Schweizer schoss auf einen Rave.
    • Sechs Personen wurden verletzt, eine junge Frau verlor ihr Leben.
    • Nun melden sich die Eltern des Täters erstmals zu Wort.

    Am vergangenen Sonntag kam es in Aarau zu einer unfassbaren Gewalttat.

    Ein 43-jähriger Schweizer eröffnete gegen 02.30 Uhr im Schachen das Feuer auf einen Rave.

    Sechs Menschen wurden dabei verletzt, die 22-jährige Maria S. aus Italien erlag noch vor Ort ihrer Schussverletzung.

    Der Täter entfernte sich daraufhin vom Tatort und floh. Am Montag stellte er sich schliesslich freiwillig der Polizei.

    Seither befindet der 43-Jährige, der im Kanton Jura wohnhaft ist in Untersuchungshaft. Zur Tat selbst will er sich nicht äussern, wie die Kantonspolizei Aargau am Mittwoch bekannt gab.

    Was jedoch klar ist: Der Mann verfügte bereits seit 20 Jahren über die Erlaubnis, eine Waffe zu tragen. Und kämpfte offenbar mit gravierenden psychischen Problemen.

    «Wir entschuldigen uns für unseren Sohn»

    Gegenüber dem «Quotidien Jurassien» haben sich nun die Eltern des Amok-Täters erstmals zu Wort gemeldet.

    «Wir entschuldigen uns für unseren Sohn», erkärt der Vater des Täters. «Unsere Gedanken sind vor allem bei den Opfern. Bei der verstorbenen jungen Frau, bei ihrer Familie, bei den Verletzten, bei all diesen Menschen.»

    Rave
    Technofan Maria A. aus Italien wurde bei einer Schiesserei auf dem Gelände der Aarauer Rave-Party getötet. - Screenshot

    Es sei schrecklich, so die Eltern des 43-Jährigen. Die Ereignisse in Aarau liessen die ganze Familie fassungslos zurück, berichten sie.

    Warum ihr Sohn nach Aarau ging, wissen die Eltern nicht

    Besonders tragisch: Die Eltern hatten ihren Sohn kurz vor der Tragödie am Sonntagmorgen noch gesehen.

    «Wir sollten uns Anfang der folgenden Woche in Italien für Ferien treffen», so die Familie gegenüber dem «Quotidien Jurassien».

    Schachen Aarau
    In der Nacht auf vergangenen Sonntag eröffnete der 43-jährige Schweizer aus dem Jura das Feuer auf die Feiernden. - Nau.ch / Nico Leuthold

    Er habe sich am Freitag dann noch gemeldet und gemeint, dass er gut angekommen sei und alles in Ordnung sei. Doch: «Wir wussten nicht einmal, wo er sich befand.»

    Was ihn nach Aarau getrieben hat, wissen seine Eltern nicht. Der 43-Jährige sei sehr verschlossen gewesen – für ihn nicht ungewöhnlich.

    «Wir wussten nichts über sein Leben»

    Ihr Sohn sei schizophren, erklären die Eltern. Deshalb sei er bereits vor 20 Jahren in die Psychiatrie eingewiesen worden.

    Das Problem: Er entwickelte laut seinen Eltern eine panische Angst vor psychiatrischen Einrichtungen. Auch seine Medikation wurde nach und nach reduziert, am Ende nahm er sie gar nicht mehr.

    Aarau
    Nach der Amok-Tat ist die Betroffenheit in Aarau gross. - keystone

    «Wir haben ihm mehrmals vorgeschlagen, wieder eine regelmässige medizinische Betreuung in Anspruch zu nehmen.» Aber: «Er weigerte sich, darüber zu sprechen, er wollte auch nicht über sich sprechen.»

    «Wir wussten nichts über sein Leben. Wir waren so gut wie die einzigen Menschen, die er noch sah», berichtet der Vater des Amok-Täters von Aarau. «Er konnte es nicht mehr ertragen, Menschen um sich zu haben.»

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