Busbetrieb verbannt Bargeld – Kritiker finden's «problematisch»

Nico Leuthold
Nico Leuthold, Simon Ulrich

Aarau,

Eine Umfrage zeigt: Viele Jüngere finden die Digitalisierung im Busbetrieb Aarau gut. Bei älteren Fahrgästen sorgt das neue System teils für Sorgen und Kritik.

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Umfrage in Aarau zum bargeldlosen Busbetrieb. - Nau.ch/Nico Leuthold

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Aarauer Busse verkaufen Tickets seit November nur noch bargeldlos per Karte oder App.
  • Ältere Fahrgäste äussern Kritik, Jüngere finden die Umstellung gut.
  • Die neuen Automaten sind laut BBA zuverlässiger und günstiger im Unterhalt.

Die Busbetrieb Aarau AG (BBA) hat im November vollständig auf bargeldlose Ticketautomaten umgestellt. Seither können Fahrgäste ihre Billette nur noch per Karte oder App lösen. Für Kinder oder Personen ohne Smartphone gibt es Prepaid-Karten im Wert von zehn oder 20 Franken.

Die Umstellung sorgte im Herbst für grosses Aufsehen. Laut Dominic Zürcher, seit Oktober Geschäftsführer der BBA, wurden Infoveranstaltungen stark nachgefragt: «Der Informationsbedarf hat uns überrascht», so Zürcher gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Jüngere begrüssen Schritt – Ältere haben Vorbehalte

Eine Strassenumfrage von Nau.ch unter Aargauer ÖV-Nutzerinnen und -nutzern zeigt ein differenziertes Bild: Während viele Jüngere den Schritt begrüssen, äussern vor allem ältere Fahrgäste Kritik.

Für Bettina (29) etwa bringt die Umstellung klare Vorteile. Sie hätte sich schon früher mehr Kartenzahlung gewünscht und erinnert sich an die Mühen mit Bargeld: «Wenn man grosse Noten hatte, bekam man nur Münzen zurück.»

Es sei zwar durchaus praktisch gewesen, im Bus auch Kleingeld loswerden zu können. Insgesamt überwiegt für sie der Nutzen der neuen Lösung.

Auch Tailan (33) gehört zu jenen, die mit Bargeld kaum noch etwas anfangen können. Für ihn ist daher klar: «Für mich ist bargeldlos völlig okay. Digital geht sowieso viel einfacher.»

Zwar sieht er Senioren durchaus mit gewissen Herausforderungen konfrontiert, wenn sie nur noch digital bezahlen können. «Aber wenn man sie ein wenig instruiert, sollte es auch für sie praktisch sein.»

«Für ältere Leute ist das schon etwas kompliziert»

Kritischer äussert sich Klaus (65): «Ich finde es problematisch, wenn Bargeld komplett verschwindet.»

Besonders Menschen, die wenig Erfahrung mit Karten oder Apps haben, dürften seiner Meinung nach Schwierigkeiten bekommen. Seine Forderung ist klar: «Diesen Leuten sollte man noch eine Bargeldmöglichkeit bieten.»

Bargeldlose Billett-Automaten: Eine gute Idee?

Robert (86) kommt mit der Digitalisierung gut zurecht, wie er sagt. Dank Halbtax Plus und Smartphone kauft er sein Ticket problemlos online.

Doch auch er relativiert seine eigene Erfahrung: «Für ältere Leute, die es sich nicht gewohnt sind, ist das schon etwas kompliziert.»

Neue Automaten sparen Platz, Gewicht und Unterhaltskosten

BBA-Chef Zürcher zieht heute eine positive Bilanz: Kundenanfragen gäbe es hauptsächlich zur Klärung, nicht aus Kritik. Negative Rückmeldungen seien sehr selten.

Die neuen Automaten hätten sich bewährt: «Bis dato mussten wir ein Gerät einmal neu starten. Das ist kein Vergleich zum Aufwand, den wir mit den alten Automaten hatten.»

Diese seien störanfällig gewesen, besonders wegen ihrer mechanischen Bauteile. Die Reparaturen seien teuer gewesen, da sie nicht im eigenen Haus hätten durchgeführt werden konnten. Zudem würden die neuen Geräte Platz und Gewicht im Bus sparen, so Zürcher.

Teile der alten Automaten konnten weiterverkauft werden. Der Rest wurde entsorgt.

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