Wie hat sich WSB verändert, AVA-CEO Rangosch?

Die WSB feiert ihr 125-jähriges Bestehen. AVA-CEO Severin Rangosch spricht über die Geschichte und das Jubiläumsfest in Aarau.

125 Jahre Wynental- und Suhrentalbahn: Am 5. und 6. September feiert die WSB in Aarau ihr grosses Jubiläumsfest. Im Interview spricht AVA-CEO Severin Rangosch über die bewegte Geschichte der Bahn, die aufwendige Restaurierung des historischen Wagens und darüber, worauf er sich am Fest persönlich am meisten freut.
Redaktion: Herr Rangosch, die Aarau-Schöftland-Bahn feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Was bedeutet dieses Jubiläum für Aargau Verkehr?
Severin Rangosch: Die heutige Wynental- und Suhrentalbahn, die aus der besagten AS und der Wynentalbahn (WTB) hervorging, hat die Region während 125 Jahren geprägt und mitentwickelt. Generationen von Menschen sind mit ihr zur Arbeit, in die Schule oder in ihrer Freizeit unterwegs gewesen.
Für viele gehört die WSB ganz selbstverständlich zum Alltag. Gleichzeitig zeigt dieses Jubiläum, wie erfolgreich sich die Bahn stetig weiterentwickelt hat. Heute fahren moderne Fahrzeuge auf einer leistungsfähigen Infrastruktur und bieten ein attraktives Angebot für die Region.
Trotz aller Veränderungen ist die WSB ihren Wurzeln und ihrer engen Verbundenheit mit den Menschen vor Ort immer treu geblieben.

Deshalb ist dieses Jubiläum vor allem ein grosses Dankeschön: An unsere Fahrgäste, an die Bevölkerung, an unsere Partner und natürlich an unsere Mitarbeitenden. Sie alle haben die Geschichte der WSB mitgeschrieben und mitgestaltet.
Mit dem Jubiläumsfest möchten wir etwas zurückgeben. Wir öffnen unsere Türen, gewähren spannende Einblicke hinter die Kulissen und laden die Bevölkerung ein, gemeinsam mit uns zu feiern. Darauf freuen wir uns sehr.
Redaktion: Wie hat sich die WSB seit ihrer Gründung verändert – und gibt es noch etwas, das an die ursprüngliche Bahn erinnert?
Rangosch: Wer historische Fotos mit der heutigen WSB vergleicht, erkennt die Veränderungen sofort. Aus einer Bahn der Anfangszeit ist ein modernes Transportunternehmen geworden.
Unsere Fahrgäste profitieren heute von zeitgemässen Fahrzeugen, modernen Bahnhöfen und dem dichtesten Fahrplanangebot unserer Unternehmensgeschichte. Trotzdem sind viele Spuren der Vergangenheit erhalten geblieben.
Besonders stolz sind wir auf den historischen Salonwagen aus dem Gründungsjahr 1901. Dank der grossartigen Arbeit des Vereins Pro Salonwagen WSB konnte dieses einzigartige Fahrzeug aufwendig restauriert werden.
Am Jubiläumsfest wird er wieder auf den Schienen unterwegs sein und die Gäste auf nostalgische Extrafahrten mitnehmen. Wer noch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, kann am Fest unser Pop-up-Bahnmuseum besuchen.
Dort zeigen wir anhand von historischen Fotografien, Originalgegenständen und Modellen, wie sich die Bahn während der letzten 125 Jahre entwickelt hat.
Ein besonderes Highlight, insbesondere für Kinder, ist ein detailgetreues LEGO-Modell unseres Triebzugs ABe 4/8 Nr. 39, das mit unglaublich viel Leidenschaft und Liebe zum Detail gebaut wurde.

Redaktion: Anschlussfrage: Der Salonwagen von 1901 wurde über fünf Jahre hinweg restauriert und wird am Fest für nostalgische Extrafahrten bereitstehen. Was waren dabei die grössten Herausforderungen?
Rangosch: Hinter der Restaurierung steckt unglaublich viel Arbeit und Herzblut des Vereins Pro Salonwagen WSB. Bei einem über 120-jährigen Fahrzeug stellt sich schnell die Frage: Welche Teile können wir noch revidieren, was muss ersetzt werden und wer beherrscht heute überhaupt noch diese alte Technik?
Es mussten geeignete Partnerfirmen gefunden werden, die Kosten abgeschätzt und die einzelnen Arbeiten zeitlich so aufeinander abgestimmt werden, dass für den Zusammenbau alles rechtzeitig bereit war. Und natürlich musste ein solches Projekt auch finanziert werden.
Hinzu kam gegen Ende der Zeitdruck: Der Salonwagen ist eines der Herzstücke unseres Jubiläumsfests und musste rechtzeitig fertiggestellt werden, damit vor dem Fest noch die notwendigen Testfahrten durchgeführt werden konnten.
Umso schöner dabei war zu sehen, wie viel Unterstützung der Verein von Anfang an erfahren hat. Mitglieder und Sponsoren haben das Projekt mitgetragen, und an den Arbeitstagen waren immer genügend freiwillige Helfende mit dabei.
Auch Aargau Verkehr hat das Projekt unterstützt und unter anderem die notwendige Infrastruktur für die Arbeiten zur Verfügung gestellt. Ohne dieses Zusammenspiel und den grossen Einsatz aller Beteiligten wäre es nicht möglich gewesen, den Salonwagen wieder auf die Schiene zu bringen.
Dass er nun pünktlich zum 125-Jahr-Jubiläum wieder mit Fahrgästen zwischen Aarau und Schöftland unterwegs sein wird, ist umso schöner – und macht uns natürlich enorm stolz.
Redaktion: Der restaurierte Salonwagen ist nur eines von vielen Highlights. Welcher Programmpunkt ist für Sie persönlich der besondere Moment?
Für mich sind es weniger einzelne Programmpunkte als die Begegnungen mit den Menschen. Genau darum geht es bei diesem Fest. Wir öffnen Bereiche, die man normalerweise nicht zu Gesicht bekommt: die Zugleitstelle, die Werkstatt oder den Führerstand.

Besucherinnen und Besucher können am Loksimulator selbst aktiv werden und mit unseren Mitarbeitenden ins Gespräch kommen. Das finde ich besonders spannend. Natürlich gibt es noch viele weitere Highlights.
Wer sich für die Bahn interessiert, erhält exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Familien dürfen sich auf Spielbahn, Kinderschminken, Kreativecke und Zaubershows freuen. Und für die passende Feststimmung sorgen Musikerinnen und Musiker aus der Region sowie vielseitige Kulinarik.
Kurz gesagt: Es gibt an diesem Wochenende für alle etwas zu entdecken, auszuprobieren und zu geniessen.
Redaktion: Was sollten Besucherinnen und Besucher im Vorfeld organisatorisch wissen?
Rangosch: Das WSB-Fest findet am Samstag, 5. September, von 11 bis 22 Uhr und am Sonntag, 6. September 2026, von 10 bis 18 Uhr rund um den WSB-Bahnhof Aarau und entlang der Hinteren Bahnhofstrasse statt, welche dafür teilweise gesperrt wird.
Wir empfehlen natürlich die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Spezielle Festparkplätze stehen nicht zur Verfügung. Zwischen dem Festgelände in Aarau und dem Tag der offenen Werkstatt in Schöftland verkehren zudem verschiedene Transferangebote.
Alle Informationen dazu finden sich im Festprogramm. Wichtig ist auch: Der Eintritt zum Fest ist kostenlos. Besucherinnen und Besucher können praktisch das gesamte Programm ohne Eintritt nutzen und einen abwechslungsreichen Tag mit der ganzen Familie verbringen.
Redaktion: Sie haben das letzte Wort.
Rangosch: Wir freuen uns riesig auf dieses Jubiläum. Hinter dem Fest stecken viele Monate intensiver Vorbereitung und das Engagement zahlreicher Mitarbeitender, Partner, Freiwilliger und des Vereins Pro Salonwagen WSB.
Ein Anlass in dieser Grössenordnung ist nur dank dieser Unterstützung und dank unserer Sponsoren möglich. Dafür sind wir sehr dankbar. Nun hoffen wir auf ein schönes Spätsommerwochenende und vor allem darauf, möglichst viele Menschen begrüssen zu dürfen.
Ob langjährige WSB-Fans, Familien oder einfach Neugierige: Alle sind herzlich eingeladen, mit uns 125 Jahre Bahngeschichte zu feiern. Wir freuen uns auf ein unvergessliches Festwochenende!
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.







