DJs bitten um Privatsphäre: «Uns geht es nicht gut»

Etienne Sticher
Etienne Sticher, Laurin Zaugg

Aarau,

Die Familie des Opfers des Aarauer Raves und zwei DJs melden sich zu Wort. Mehr zur Schiesserei in Aarau hier im Live-Ticker.

Rave Aarau Schüsse
Maria S. (†22) starb nach dem Rave in Aarau an ihren Schussverletzungen. - Screenshot

Am Mittwoch erklärte die Kantonspolizei, dass sie einen Tatverdächtigen nach den Schüssen beim Rave in Aarau festgenommen hat. Der Mann habe sich am Montag bei der Polizei in Delémont JU gestellt. Zudem wurden weiteren Erkenntnisse der Ermittlungen bekannt gegeben.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte der Verdächtige das Feuer auf den Rave auf der Aarauer Pferderennbahn eröffnet. Insgesamt 40 Schüsse feuerte der Mann ab.

Die in der Schweiz wohnhafte Italienerin Maria (†22) starb durch einen Schuss in ein Organ, wie die Polizei mitteilte. Sechs weitere Personen wurden verletzt, zwei befinden sich weiterhin im Spital.

Mehr dazu liest du hier im Nau.ch-Ticker.

Rave-Veranstalter führt Gedenkmarsch durch

Am Freitag findet in Aarau ein Gedenkmarsch statt. Der Veranstalter des Raves, bei dem in der Nacht auf Sonntag die 22-jährige Maria ums Leben kam, kündigt den Gedenkmarsch für Freitag um 20 Uhr an.

«Wir trauern um die Tote. Wir weinen mit den Angehörigen. Und wir stehen gemeinsam auf gegen jede Form von Hass und Gewalt», schreibt «aarauerrave» auf Instagram.

Aarauerrave
Der Veranstalter des Raves in Aarau, bei dem in der Nacht auf Sonntag Schüsse fielen, kündigt einen Gedenkmarsch an. - Screenshot instagram/@aarauerrave

Der Marsch soll dazu dienen, um Abschied zu nehmen und innezuhalten. Nach dem Marsch, der bei der Badi in Aarau startet, findet eine Schweigeminute statt.

«Alle Menschen, die ihre Anteilnahme zeigen und gemeinsam mit uns ein Zeichen setzen möchten, sind herzlich willkommen», heisst es weiter.

Der Trauermarsch wurde von der Stadt Aarau bewilligt.

DJs melden sich zu Wort: «Uns geht es nicht gut»

Am Mittwochabend meldeten sich die zwei DJs, die am Aarau-Rave als letztes aufgelegt hatten, auf Instagram zu Wort. Im Beitrag schildern sie, was sie in der Nacht auf Sonntag auf der Pferderennbahn in Aarau erlebt hatten.

«Wir haben gelacht, getanzt und unser Leben gelebt», schreiben die DJs. Nach ihrem Set seien sie dabei gewesen, Bilder mit den Rave-Besuchern zu machen, als sie die Schüsse von draussen hörten. Menschen hätten danach Schutz unter dem DJ-Pult, hinter der Bar, hinter Autos oder im Dunkeln gesucht.

DJs
Die beiden DJs, die am Rave in Aarau als letztes aufgelegt hatten, meldeten sich auf Instagram zu Wort. - Screenshot instagram/@tekibo.dj,@pencilmakesmusic

Ein Freund habe den DJs schliesslich angerufen und ihnen mitgeteilt, dass Maria (†22) getroffen wurde. «Dieser Anruf hat uns zerstört», schreiben sie. Und weiter: «Uns geht es nicht gut.»

Auf Medienanfragen würden sie deshalb nicht eingehen. «Wir brauchen Privatsphäre», heisst es weiter.

Zudem kritisieren die DJs, dass online viel Fake-News über die Nacht in Aarau zu lesen sei.

Familie von Maria (†22): «Wie war das möglich?»

Die Familie der verstorbenen Maria S. (†22) äusserte sich am Abend über einen Anwalt dazu. «Die Umstände des Verbrechens sind noch nicht vollständig aufgeklärt», zitieren italienische Medien aus dem Schreiben.

Die bekannt gewordenen Informationen erlaubten es nicht, die Rekonstruktion des Sachverhalts als abgeschlossen zu betrachten. Die Hypothese eines Amoklaufs könne nicht alle Fragen beantworten oder eine detaillierte Untersuchung ersetzen.

Insbesondere ein Punkt wirft bei der Familie Fragen auf: Der festgenommene 43-jährige Schweizer litt unter psychischen Problemen, wie die Polizei mitteilte. Dennoch besass er die Schusswaffen legal, die Waffenerlaubnis sei vor rund 20 Jahren ausgestellt worden.

«Dieser Sachverhalt muss vollständig aufgeklärt werden, um festzustellen, wie dies möglich war», so der Anwalt der Opfer-Familie. Zudem müsse ermittelt werden, ob die Behörden, die für die Verhinderung einer Gefahrensituation verantwortlich waren, «auf irgendeine Weise haftbar gemacht werden können.»

Verfolgst du die Ermittlungen nach den Schüssen beim Rave?

Die Familie von Maria fordert, dass die Ermittlungen «mit grösster Sorgfalt fortgesetzt und jedes Element geprüft wird». So sollen Ursprung und Umstände des Angriffs aufgeklärt werden.

Die Angehörigen teilen über den Anwalt auch mit: «Bis alle Aspekte des Falles geklärt sind, ist Vorsicht geboten. Es sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden.»

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