Taten gefilmt: Ex-SVP-Politiker ist auf Videoaufnahmen zu sehen

Ein Ex-SVP-Grossrat aus dem Aargau soll Frauen betäubt, missbraucht und gefilmt haben – nun wird bekannt: Auch er selbst ist auf den Aufnahmen zu sehen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Ex-SVP-Grossrat aus dem Aargau ist wegen versuchten Mords angeklagt.
- Der Beschuldigte ist auf eigenen Video- und Bildaufnahmen selbst zu erkennen.
- Die Ermittlungen begannen, nachdem die Mutter den Mann bei ihrer Tochter überraschte.
Vor rund drei Jahren wurde ein ehemaliger Aargauer SVP-Grossrat verhaftet. Mehrere Medien berichteten damals über den Verdacht auf sexuelle Handlungen mit Kindern.
Jetzt liegt die Anklageschrift vor, und sie zeigt: Das Ausmass der Vorwürfe ist weit gravierender als bisher bekannt. Der heute 57-Jährige, der mehrere Jahre im Aargauer Kantonsparlament sass, soll zwei Frauen und eine Minderjährige mehrfach betäubt und sexuell missbraucht haben.
Die Taten hätten sich laut den Ermittlern über einen langen Zeitraum erstreckt. Die Staatsanwaltschaft sicherte ausserdem grosse Mengen an Bildern und Videos. Der Beschuldigte filmte offenbar einen Teil der Taten – und ist dabei auch selbst auf den Aufnahmen zu erkennen.

Mediensprecher Adrian Schuler von der Aargauer Staatsanwaltschaft sagt gegenüber der «Tagesschau»: «Auf dem Bild- und Videomaterial ist der beschuldigte Mann ebenfalls zu sehen. Das heisst, das ist für uns wertvolles Bildmaterial, mit dem wir den beschuldigten Mann auch konfrontieren müssen.»
Genau diese Auswertungen und Konfrontationen hätten das Verfahren stark verzögert, so Schuler weiter – auch weil sehr viel Bild- und Videomaterial vorhanden gewesen sei. Die Opfer konnten sich in den meisten Fällen nicht an die Übergriffe erinnern – ein grosser Teil der Anklage stütze sich deshalb auf die gesicherten Aufnahmen.
Opfer hätten durch K.-o.-Tropfen ersticken können
Für die Ermittler ist besonders gravierend, dass der Mann seine Opfer vor den Übergriffen betäubt haben soll.
Schuler erklärt: «Entscheidend ist dabei, dass wir hier nicht von einem Experten, wie einem Anästhesisten in einem OP-Saal sprechen. Wir sprechen von einem Laien, das heisst wir gehen gemäss unserer Einschätzung davon aus, dass dieser Mann den Tod seiner Opfer in Kauf genommen haben muss.»

Mediensprecher Schuler betont, dass der Beschuldigte nicht habe kontrollieren können, wie es mit dem Herz-Kreislauf-System seiner Opfer ausgesehen habe. Deshalb wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann unter anderem mehrfachen versuchten Mord vor – weil die Opfer durch die K.-o.-Tropfen hätten ersticken können.
Hinzu kommen mehrfache qualifizierte Vergewaltigung, mehrfache qualifizierte sexuelle Nötigung sowie mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern. Insgesamt umfasst die Anklage zehn Delikte. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe sowie eine vollzugsbegleitende Therapie.
«Ich wusste, es gibt nur die Option»
Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch einen Zufall. Die damalige Lebenspartnerin des Mannes erzählte dem «Tages-Anzeiger», wie sie ihn dabei erwischte, wie er sich an ihrer Tochter verging.
In der Nacht des 4. Septembers 2023 wachte die Frau auf und stellte fest, dass der Ex-Politiker nicht mehr neben ihr lag. Sie wurde misstrauisch. Einige Monate zuvor hatte ihr ihre damals 15-jährige Tochter erzählt, dass sie glaube, vom neuen Partner der Mutter sexuell misshandelt worden zu sein.

Als sie dann ins Zimmer ihrer Tochter ging, fand sie den 54-Jährigen dort vor. «Sein T-Shirt war so nass, als wenn er gerade Krafttraining gemacht hätte», sagte sie später in einer Einvernahme. Hinten in der Unterhose habe er etwas versteckt gehabt.
Erst als sie den Ausgang blockierte, habe er eine Lampe und dann eine Kamera herausgerückt. Im Beitrag der «Tagesschau» sagte sie: «Ich konnte ihn mit einer Kamera im Bett meiner Tochter finden. Ich wusste, es gibt nur die Option, die Polizei zu rufen. Egal, was auf der Kamera ist.»
Ein Prozesstermin steht noch nicht fest
Neben der Frau und ihrer damals minderjährigen Tochter zählt eine weitere erwachsene Frau zu den direkt Betroffenen. Dazu kommen weitere geschädigte Personen, die auf den Videoaufnahmen zu erkennen sind.
Der Fall liegt inzwischen beim Bezirksgericht Baden, ein Prozesstermin steht noch nicht fest. Ein Zusammenhang zwischen den Taten und dem früheren politischen Amt des Mannes bestehe laut Anklage nicht.

Der Beschuldigte bestreitet wesentliche Teile der Vorwürfe, wie sein Anwalt gegenüber verschiedenen Medien erklärte. Es gilt die Unschuldsvermutung.







